Eine Hand hält einen Mund-Nasen-Schutz | Bildquelle: dpa

Corona-Kontrollen "Wir können das ja gar nicht kontrollieren"

Stand: 21.11.2020 16:36 Uhr

Vor den erneuten Beratungen von Bund und Ländern zeichnet sich eine Verschärfung der Kontaktbeschränkungen ab - aber sind diese überhaupt kontrollierbar? Ein Besuch in einem Studentenwohnheim und bei der "Corona-Streife" in Mannheim.

Von Claudia Kornmeier, ARD-Hauptstadtstudio

Shanté Todd ist Hausbetreuerin in einem Studentenwohnheim in Mannheim. Den Partyraum auf dem Dach des Gebäudes musste sie schon Mitte März schließen. Es sei einfach zu schwierig, bei einer Feier Abstandsregeln durchzusetzen. Da habe das Studierendenwerk "klipp und klar gesagt", die Partyräume werden geschlossen.

Kontrolliert werden muss dort oben also gar nicht mehr. Schwierig bis unmöglich bleibt dagegen die Kontrolle in privaten Räumen - auch in dem Wohnheim. Zu Beginn der Woche hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an die Bevölkerung appelliert, private Kontakte weiter einzuschränken: "Private Zusammenkünfte mit Freunden, Verwandten und Bekannten sollen auf einen festen - also immer den gleichen - weiteren Hausstand beschränkt werden. Das schließt auch Kinder und Jugendliche in den Familien ein."

Merkel hätte gerne noch mehr Kontaktbeschränkungen gehabt, konnte sich damit aber zunächst nicht durchsetzen. Nun könnte es doch schärfere Regeln geben. Offen ist dabei aber nach wie vor die Frage der Kontrollierbarkeit.

Studierende kontrollieren sich gegenseitig

Im Mannheimer Studentenwohnheim ist der Partyraum zwar seit Monaten geschlossen, Besuch im eigenen Zimmer bleibt aber erlaubt. Da es private Wohnungen sind, könne das Studierendenwerk da nicht einschreiten, sagt Hausbetreuerin Todd. Außerdem: "Wir können das ja gar nicht kontrollieren." In die Zimmer der Studierenden kämen sie und ihre Kollegen nur, wenn es konkrete Probleme gebe - etwas kaputt sei oder jemand sonst ein Anliegen habe.

Für den Geschäftsführer des Studierendenwerks, Peter Pahle, ist das kein Anlass zur Sorge. Die Corona-Regeln würden auch so gut eingehalten - und das liege an den Studierenden selbst. Etwa in der Mensa habe man Mitarbeiter, die ein Auge auf die Einhaltung der Regeln haben. "Die haben aber festgestellt, dass die Studierenden untereinander doch streng darauf achten, dass die Hygieneregeln eingehalten werden."

Die Studentin Christina Kasten bestätigt das. Sie treffe sich vor allem noch mit ihrer besten Freundin - habe ihre sozialen Kontakte aber ansonsten stark eingeschränkt, um sich an die Vorschriften zu halten. Eine Kontrolle in ihrem Zimmer brauche es dafür nicht.

Was sie von Merkels Idee halte, nur noch Menschen aus einem festen weiteren Hausstand zu treffen? "Es wäre nicht so schön, aber es wäre machbar." Ihr persönlich würde es auch deshalb nicht so viel ausmachen, weil sie mit ihrem Freund zusammenlebe. "Aber wenn man als Single irgendwo alleine wohnt und sich dann nur noch mit einer Person treffen kann, dann ist es wahrscheinlich schon ein bisschen hart."

"Corona-Streife" im Einsatz

Auf den Straßen in der Innenstadt Mannheims ist Torben Wille mit seinem Team im Einsatz. Sie nennen sich "Kommunikationsbeamte" - oder auch "Corona-Streife" - und sind seit Beginn des Teil-Lockdowns zu Fuß unterwegs. Sie erklären Passanten, wo überall Masken getragen werden müssen, weisen auf Abstandsregeln hin und informieren über die Höhe möglicher Bußgelder.

Die "Corona-Streife" hat die sogenannte Nachtschicht abgelöst, die während der Sommermonate im Mannheimer Ausgeh-Viertel unterwegs war. Dort hatte es Probleme mit Jugendlichen gegeben, die sich - da die Clubs wegen Corona schließen mussten - zunehmend draußen in größeren Gruppen zum Feiern getroffen hatten.

Torben Wille zieht nach den ersten drei Wochen eine positive Bilanz. 95 Prozent der Passanten in der Innenstadt akzeptierten die Maskenpflicht. "Als wir angefangen haben, haben wir tatsächlich noch sehr, sehr viele Gespräche darüber führen müssen, dass Menschen gar keine Maske getragen haben." Mittlerweile seien die meisten sehr einsichtig. Es gehe überwiegend nur noch darum, dass die Maske verrutscht sei oder jemand gedankenverloren nicht daran gedacht habe.

Stressig ist die Situation auch für Ladenbesitzer, die in ihren Geschäften die Hygieneregeln durchsetzen müssen. Auch sie versucht die Corona-Streife zu unterstützen. "Rufen Sie uns an, wenn Sie Hilfe brauchen", bietet Wille ihnen an.

Seltene Kontrollen auch in Wohnvierteln

Die Mannheimer Corona-Streife patrouilliert schwerpunktmäßig in der Fußgängerzone oder am Bahnhofsvorplatz. Das bedeutet aber nicht, dass in Wohngebieten gar nicht kontrolliert würde.

"Wenn uns beispielsweise ein Bürger anruft und uns mitteilt, dass es in der Nachbarwohnung sehr laut ist und er das Gefühl hat, dass da viele Menschen sind, dann fahren wir natürlich dort hin", sagt Wille. "Und wenn wir das bestätigen können durch die Geräuschkulisse, dass da mehr als die erlaubte Anzahl in der Wohnung sich aufhalten, dann schreiten wir dort auch ein."

Das komme aber sehr selten vor, sei "die absolute Ausnahme". Ohne Anlass werde nicht in Wohnungen kontrolliert. Und was Wille auch wichtig ist: Er wolle nicht dazu aufrufen, Nachbarn bei der Polizei anzuzeigen.

Ob bei den Studierenden oder auf der Straße - in Mannheim herrscht bislang breite Akzeptanz für die Corona-Maßnahmen. Ob sich die Menschen auch in ihren privaten Räumen an die Kontaktbeschränkungen halten, können die Beamten dagegen nur in Ausnahmefällen überprüfen. Das Grundgesetz garantiert die Unverletzlichkeit der Wohnung. Kontrollen sind dort deshalb nicht ohne Weiteres möglich.

Über dieses Thema berichtete der "Bericht aus Berlin" am 22. November 2020 um 18:05 Uhr.

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Claudia Kornmeier, SWR

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