Frankfurt/Main: Mit Mundschutzmasken sitzen Schülerinnen und Schüler der fünften Klasse eines Gymnasiums in Frankfurt im Unterricht. | Bildquelle: dpa

Corona-Gipfel Zwischen Geduld und Nervosität

Stand: 16.11.2020 16:58 Uhr

Die Konfliktlinie bei den Beratungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ist klar: Die Kanzlerin wünscht sich härtere Maßnahmen, die Länderchefs wollen abwarten. Es könnte bei Appellen an die Bürger bleiben.

Von Angela Tesch, ARD-Hauptstadtstudio

Egal ob CDU- oder SPD-regiert, die Länderchefs sind sich vor ihrem heutigen Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel einig, nichts zu überstürzen. Von einem "Zwischenbilanztermin" spricht Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet.

Eher nur kleinere Verabredungen hält Malu Dreyer, die rheinland-pfälzische Regierungschefin, für sinnvoll: "Wir müssen jetzt einfach nach zwei Wochen die Geduld haben, dass wir uns die nächsten Tage die Ergebnisse des Lockdowns anschauen und uns nicht alle verrückt machen."

Ihr niedersächsischer Amtskollege Stephan Weil ist ebenfalls dafür, die Infektionslage weiter zu beobachten und erst in einer Woche oder zehn Tagen ein Konzept für die Zeit bis zum Jahreswechsel zu beschließen - statt scheibchenweise vorzugehen.

Merkel zieht mit Ländern Zwischenbilanz zum Teil-Lockdown
tagesschau 17:00 Uhr, 16.11.2020, Kirsten Girschick, ARD Berlin

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50er-Inzidenz noch weit entfernt

Auch aus Bayern kommt die Ansage, es sei klug, noch eine Woche zu warten. Erste Wirkungen der Maßnahmen will Ministerpräsident Markus Söder aber schon ausgemacht haben: "Das ganz steile Wachstum ist abgebremst. Ich befürchte aber, dass es nicht reicht, um auf die Zahl zu kommen, die für uns entscheidend ist - die sogenannte 50er-Inzidenz, um dann die komplette Nachverfolgung wieder zu ermöglichen."

Von dieser kritischen Marke ist Deutschland zurzeit weit entfernt, trotz regionaler Unterschiede. Deshalb soll heute über weitere Kontaktbeschränkungen diskutiert werden. Im Gespräch ist, private Zusammenkünfte mit Freunden und Bekannten auf einen weiteren Hausstand zu beschränken, und zwar immer auf den selben. Auch Kinder und Jugendliche sollen sich nur noch mit einer festen Freundin oder einem Freund treffen.

Es soll außerdem keine privaten Reisen oder Tagestouren mehr geben, keine Besuche, wo mit viel Publikum zu rechnen ist. In der Öffentlichkeit könnten Besuche auf maximal zwei Personen eines weiteren Hausstandes beschränkt und Verstöße geahndet werden.

Nervosität in den Schulen steigt

Schulen und Kitas sollen weiterhin so lange wie möglich geöffnet bleiben. Auch da sieht Söder Handlungsbedarf: "Wir müssen auch über alternative Formen nachdenken. Insbesondere bei den höheren Klassen gibt es jetzt zunehmend Diskussionen, ob es nicht doch ein Infektionsrisiko gibt. Und man darf nicht vergessen, dort ist die Nervosität extrem hoch."

Weil auch in den Schulen das Infektionsrisiko steigt, vor allem bei Schülern ab zwölf Jahren, könnte es Pflicht werden, dass Schüler aller Jahrgänge sowie Lehrkräfte auf dem Schulgelände und während des Unterrichts einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Feste Gruppen, versetzte Pausenzeiten und mehr Angebote beim Schulbusverkehr finden sich ebenfalls in der Vorschlagsliste des Bundeskanzleramts.

Keine Lockerungen in Sicht

Die Hoffnung, dass sich durch einen kurzen Lockdown im November die Lage beruhigt, haben die wenigsten Länderchefs. Lockerungen, zum Beispiel für Restaurants oder Hotels sind daher nicht in Sicht. "Dann steht Weihnachten vor der Tür", erklärt Weil. "Da ist auch noch mal zu klären, wie dann die Regeln sein sollen. Und das Jahresende, das ja immer Anlass ist für Feiern und viele Begegnungen."

Das nächste Treffen der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin soll schon am kommenden Montag sein.

Tina Hassel, ARD Berlin, zur Kritik an der Beschlussvorlage des Kanzleramts
tagesschau 17:00 Uhr, 16.11.2020

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. November 2020 um 17:00 Uhr.

Korrespondentin

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Angela Tesch, MDR

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