Menschenleer und noch ohne Wasser ist das Kaifu-Schwimmbad. | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie Sommer, Sonne - eingeschränkter Badespaß

Stand: 14.05.2020 16:57 Uhr

Mit steigenden Temperaturen wächst bei vielen der Wunsch nach einem Sprung ins kühle Wasser. Doch wie lässt sich die Badesaison mitten in der Corona-Krise organisieren? Viren im Becken sind dabei gar nicht das Problem.

Von Natalia Frumkina, tagesschau.de

Sonnenbaden in einer Plexiglaskabine oder hinter Trennwänden - wird in diesem Sommer so der Strandbesuch aussehen? Zumindest nach den Entwürfen des italienischen Unternehmens "Nuevo Neon Group 2", über die die Zeitung "La Repubblica" Mitte April berichtete. Auch wenn es für Deutschland solch Pläne (noch) nicht gibt, stellt sich doch für viele die Frage - wie gefährlich ist das Baden in Zeiten von Corona?

Ansteckung im Wasser nicht zu befürchten

Dabei geht vom Wasser selbst eine geringere Infektionsgefahr aus als vom Kontakt zu anderen Menschen - darüber sind sich Wissenschaftler größtenteils einig. Dies gilt insbesondere für Frei- und Hallenbäder, denn das Badewasser wird hier etwa mit Chlor aufbereitet und kontinuierlich gefiltert. "Die Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik bietet einen weitreichenden Schutz, auch vor unbekannten Organismen und chemischen Stoffen", lautet daher die Einschätzung des Umweltbundesamts (UBA). Als behüllte Viren seien Coronaviren dabei sogar leichter zu inaktivieren als unbehüllte.

Ein "gewisses Infektionsrisiko mit Mikroorganismen" bestehe zwar in Bädern mit biologischer Aufbereitung, welche kein Desinfektionsmittel enthalten. "Bisher gibt es nach Einschätzung der WHO aber keine Hinweise darauf, dass das neuartige SARS-CoV-2 über den Wasserweg übertragen wird", so das UBA.

Unbedenklich sei dagegen das Baden und Schwimmen in größeren Naturgewässern wie Badeseen oder in Meeren wie Nord- und Ostsee. Auch wenn es grundsätzlich möglich ist, dass eine infizierte Person die Erreger verbreitet, sei die Gefahr einer Ansteckung wegen der Verdünnung im Wasser äußerst gering: "Steigende Wassertemperaturen und erhöhte Sonneneinstrahlung im Sommer werden zu einer noch stärkeren Inaktivierung möglicherweise in das Wasser eingetragener Viren führen."

Hygienekonzepte für Schwimmbäder

Auch wenn das Wasser selbst kaum Gefahr birgt - selten findet man sich im Hochsommer alleine auf der Liegewiese oder am Beckenrand wieder. Nach der Einigung mit dem Bund obliegt es nun den Bundesländern und Kommunen zu entscheiden, wann und unter welchen Bedingungen Freibäder öffnen können. Während es in den meisten Bundesländern noch kein konkretes Startdatum gibt, sollen etwa in Nordrhein-Westfalen ab dem 20. Mai und in Berlin ab dem 25. Mai die ersten Badegäste in die Becken dürfen. Voraussetzung sind ein Hygieneplan und die Einhaltung von Abstandsregeln.

"Die Corona-Pandemie zwingt uns Regeln auf, die einen Betrieb von Freibädern sehr, sehr schwer machen", räumt Matthias Oloew von den Berliner Bäder-Betrieben ein. Man brauche für jedes Bad ein bis ins letzte Detail abgestimmtes Konzept - erst damit könne für die jeweilige Einrichtung ein Öffnungsdatum genannt werden. Die Konzepte seien nun aber in der finalen Abstimmung.

Ohnehin ist so eine Schwimmbadöffnung nicht von heute auf morgen zu stemmen. "Das Hochfahren der technischen Anlagen und die Beprobung zur Sicherstellung der Hygiene von Badewasser und Trinkwasser benötigt bei Freibädern bis zu zwei Wochen", erklärte der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB), Christian Ochsenbauer der Nachrichtenagentur dpa. Die DGfdB hat selbst ein Konzept entwickelt, wie den Bädern eine Inbetriebnahme ermöglicht werden kann.

So wird hier etwa empfohlen, "ggf. ein webbasiertes Reservierungssystem mit Begrenzung der Nutzerzahl" einzuführen und einzelne Duschkabinen und Schließfächer zu sperren. Auch wird hier eine Maximalbelegung vorgerechnet - so könnte zum Beispiel ein 25 mal 12,5 Meter Schwimmbecken von 52 Personen genutzt werden, ein gleich großes Mehrzweckbecken von etwa 65 Personen. Um im Wasser den Abstand besser abschätzen zu können, sollen Schwimmbadleinen der Orientierung dienen.

Abstand halten am Strand

Zugänge beschränken: Was in einem Schwimmbad noch gut funktioniert, ist an einem Badesee oder auch an einem Nord- oder Ostseestrand nicht ohne Weiteres durchsetzbar. Ab Montag sieht sich mit diesem Problem zunehmend Schleswig-Holstein konfrontiert. Dann nämlich entfällt das touristische Einreiseverbot, die Strände dürften sich füllen. "Die grundsätzlichen Abstandsregeln gelten selbstverständlich auch am Strand", betont Harald Haase, Sprecher des Wirtschaftsministeriums, gegenüber tagesschau.de.

Verantwortlich für die Regelung von Besucherströmen seien dabei die jeweiligen Kommunen und Gemeinden. Kontrollen sind für viele von ihnen aber nicht neu - hier ist nämlich eine gültige Kurkarte Pflicht. Dennoch: Die Corona-Pandemie ist eine beispiellose Situation. "Himmelfahrt wird für uns der Lackmustest", sagt Haase. "Für viele Orte, die auf den Tourismus angewiesen sind, ist es elementar, dass der Betrieb klappt." Dabei appelliert das Bundesland auch an die Vernunft der Gäste. Natürlich werde die Lage kontinuierlich evaluiert und wenn nötig würden auch Korrekturen vorgenommen.

Voller Strand in Zinnowitz an der Ostsee | Bildquelle: dpa
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Wie hält man Abstand am Strand? So sah es im vergangenen Jahr in Zinnowitz an der Ostsee aus.

Weniger bewachte Strandabschnitte

Doch auch wenn Touristen wieder an die Strände dürfen - dass sie im Fall des Falles von einem Rettungsschwimmer aus dem Meer gezogen werden, ist keineswegs ausgemacht. Am 15.5. beginnt für die Lebensretter von der DLRG normalerweise die Einsatzzeit. Vielerorts wurde der Start allerdings bereits verschoben - nicht zuletzt aus logistischen Gründen. "Ein Strandabschnitt wird normalerwiese von einem 20-Mann-Team bewacht. Alle müssen untergebracht werden", erklärt DLRG-Sprecher Achim Wiese im Gespräch mit tagesschau.de. Was in anderen Jahren in einem Vierbettzimmer erfolgte, ist in Corona-Zeiten nicht möglich. "Die Wachmannschaften werden daher erheblich reduziert."

Badegäste müssten sich also darauf einstellen, dass der Strandabschnitt unbewacht bleibt - und das, obwohl in diesem Jahr mit viel mehr inländischen Urlaubern gerechnet wird. Ähnlich sehe die Situation an Badeseen aus. "Unsere Befürchtung ist, dass das Risiko zu ertrinken in diesem Jahr höher sein wird als sonst", so Wiese. Hinzu kommt, dass die Lebensretter nach Ansage der DLRG-Bundesärzte bei einer Reanimation auf die Mund-zu-Mund-Beatmung verzichten und nur die Herzdruckmassage durchführen sollen.

Der alljährliche DLRG-Appell an Badende ist in diesem Jahr daher besonders eindringlich: Beim Schwimmen - am besten an bewachten Stränden - Vorsicht walten lassen, rausschwimmen nur, wenn man es sicher kann, Kinder nur ins Wasser lassen, wenn man sicher eingreifen kann.

Über dieses Thema berichtete das "Hamburg Journal" auf N3 am 05. Mai 2020 um 19:30 Uhr.

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