Eine Atemschutzmaske liegt auf einem Tisch | Bildquelle: dpa

Coronavirus-Krisenstab Exportstopp für Atemschutzmasken

Stand: 04.03.2020 12:59 Uhr

Im Kampf gegen das Coronavirus ist medizinisches Personal auf Atemmasken und Schutzausrüstung angewiesen. Deren Export wurde deshalb vom Krisenstab der Bundesregierung untersagt. Andere Länder waren schneller.

Schon seit Tagen sind sie vielerorts schwer zu bekommen oder werden im Internet nur noch zu überteuerten Preisen angeboten. Atemschutzmasken sind im Zuge der Coronavirus-Krise ein begehrtes Gut. In einem niedersächsischen Krankenhaus wurden bereits 1200 Mundschutzmasken aus einem Lagerraum gestohlen.

Weil ohne solche Masken und andere Ausrüstung wie Handschuhe und Schutzanzüge das medizinische Personal nicht sicher arbeiten kann, hat der Corona-Krisenstab der Bundesregierung nun einen Export ins Ausland untersagt. Ein entsprechendes Verbot wurde im Bundesanzeiger veröffentlicht. Ausnahmen sind den Angaben zufolge nur unter engen Voraussetzungen möglich, und zwar im Rahmen konzertierter internationaler Hilfsaktionen. 

Zudem übernimmt das Bundesgesundheitsministerium vorerst die zentrale Beschaffung solcher Ausrüstung für Arztpraxen, Krankenhäuser und Bundesbehörden.

Die Wirkung der Masken wird von vielen Bürgern ohnehin überschätzt. Experten zufolge benötigen gesunde Menschen im Alltag keine Masken, zumal die Schutzwirkung vieler Produkte beschränkt ist. Sinnvoll sei es eher für Kranke, den Schutz zu tragen, damit sie andere Menschen nicht infizieren.

Frankreich beschlagnahmt Atemschutzmasken

Andere Länder haben ähnliche Maßnahmen bereits ergriffen. So beschlagnahmte die französische Regierung gestern sämtliche Bestände an Atemschutzmasken. Sie sollen Präsident Emmanuel Macron zufolge an das Gesundheitspersonal und mit dem Virus infizierte Franzosen verteilt werden und sollen ansonsten nur noch auf Rezept erhältlich sein. Die Regierung will so auch weitere "Hamsterkäufe" verhindern, die die Preise zuletzt in große Höhen getrieben haben.

Aus einer Klinik in Marseille wurden rund 2000 OP-Masken gestohlen. Bisher hat Frankreich aus seinen strategischen Reserven zehn Millionen Masken freigegeben, um sie für Krankenhäuser und Ärzte zur Verfügung zu stellen. Die französischen Gesamtreserven werden auf 160 Millionen Masken geschätzt.

Auch die Preise für Desinfektionsgel will die Regierung jetzt deckeln, nachdem die Bestände vielerorts knapp werden und Wucherpreise verlangt würden, sagte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire. Zur Höhe des Preisdeckels äußerte er sich nicht. Er betonte aber, es sei "genauso wirksam, sich die Hände mit Seife zu waschen". Dennoch sind die Desinfektionsmittel begehrt. Auch im Lübecker Universitätsklinikum verschwanden zuletzt 200 Liter, wie der NDR berichtete.

WHO: Vorräte gehen rapide zur Neige

Die "Hamsterkäufe", die in vielen Ländern zu beobachten sind, besorgen auch die Weltgesundheitsorganisation. Die weltweite Versorgung sei zunehmend "durch steigende Nachfrage, Horten und Missbrauch" von Atemschutzmasken, Einweghandschuhen und anderer Schutzausrüstung gefährdet, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Vorräte gingen rapide zur Neige. Dadurch seien Ärzte, Pflegepersonal und andere Mitarbeiter von Gesundheitsdiensten "gefährlich schlecht ausgerüstet, um für Covid-19-Patienten zu sorgen".

Ärztin mit Atemschutzmaske | Bildquelle: dpa
galerie

Medizinisches Personal, das Kontakt mit Infizierten hat, benötigt die professionellen Masken-Modelle mit Filtern.

Laut Tedros haben sich die Preise für OP-Masken versechsfacht, die für Beatmungsgeräte verdreifacht und für Schutzkleidung mehr als verdoppelt. Die weltweite Versorgung mit persönlicher Schutzausrüstung müsse um 40 Prozent gesteigert werden, sagte Tedros weiter und forderte die Regierungen auf, den Herstellern Anreize zu bieten. Nach Schätzung der WHO werden jeden Monat etwa 89 Millionen Atemschutzmasken gebraucht und 76 Millionen Untersuchungshandschuhe.

Begehrte Ware bei Dieben

Aus Asien mehren sich die Berichte über kriminelle Geschäfte mit den Masken. So beschlagnahmte die Polizei im Westen von Jakarta rund 600.000 Stück. Die Händler hätten keine Genehmigung gehabt, sagte ein Polizeisprecher in Indonesien. In dem südostasiatischen Land kostet eine Schachtel, die sonst für 20.000 Rupiah (1,30 Euro) zu haben ist, derzeit bis zu 500.000 Rupiah (32 Euro).

Das Gesundheitsministerium in Thailand sah sich genötigt, etwas klarzustellen: Die in der Medizin genutzten Masken seien nicht wiederverwendbar. Zuvor hatte die Polizei eine Gruppe festgenommen, die Masken gewaschen und wieder verkauft hatte. Die Gesundheitsministerin Panpimol Wipulakorn sagte, so etwas sei illegal und gefährlich für die Gesundheit.

Corona-Panik: Frankreich greift gegen Maskenknappheit durch
Marcel Wagner, ARD Paris
04.03.2020 12:40 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete am 04. März 2020 MDR Aktuell um 13:10 Uhr und die tagesschau um 14:00 Uhr.

Darstellung: