Chilenische Menschenrechtler kämpfen dafür, am Ort der ehemaligen Sektensiedlung eine Gedenkstätte einzurichten.

Zahlungen beschlossen Direkte Hilfe für "Colonia Dignidad"-Opfer

Stand: 09.11.2018 12:29 Uhr

Der Haushaltsausschuss hat in seiner nächtlichen Bereinigungssitzung erstmals Mittel für konkrete und direkte Hilfsleistungen für die Opfer der "Colonia Dignidad" beschlossen. Im Haushalt sind eine Million Euro vorgesehen.

Der Bundestag will Opfer der von einem Deutschen gegründeten ehemaligen Sektensiedlung "Colonia Dignidad" in Chile mit direkten Zahlungen konkret helfen. Der Haushaltsausschuss des Bundestags beschloss in der vergangenen Nacht, dafür im Etat 2019 eine Million Euro vorzusehen.

Der Betrag sei mit einem Sperrvermerk versehen, bis ein Hilfskonzept erarbeitet sei, so der menschenrechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Michael Brand. "Das war ein harter Kampf. Ich bin froh, dass dieses so wichtige Ziel jetzt erreicht werden konnte - erstmals werden konkrete Mittel für eine direkte Unterstützung der Opfer im Haushalt zur Verfügung gestellt." Die Opfer von Zwangsarbeit, Folter und Missbrauch bräuchten konkrete Unterstützung, so Brand. "Es wird Zeit, dass den Worten endlich Taten folgen.“

Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales, Matthias Bartke (SPD), sagte: "Die schrecklichen Verbrechen in der 'Colonia Dignidad' konnten nur geschehen, weil die deutsche Botschaft in Chile seinerzeit trotz vieler Hilferufe nicht eingeschritten ist." Daraus resultiere eine deutsche Verantwortung.

Konzept soll bis zum Sommer 2019 vorliegen

Eine Kommission aus Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen und Vertretern der Bundesregierung arbeitet seit Anfang Oktober an einem Hilfskonzept für die Opfer der "Colonia Dignidad". Bis zum Sommer 2019 soll das Konzept vorliegen, wie Brand und Bartke betonten.

Anfang Oktober hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der chilenische Präsident Sebastian Pinera dafür ausgesprochen, die Aufarbeitung der Verbrechen in der "Colonia Dignidad" fortzusetzen. Im Gespräch sind ein Dokumentationszentrum und eine Gedenkstätte. Die Bundesregierung schlug auch einen Hilfsfonds vor, etwa für psychosoziale Betreuung.

Ein ursprünglich von der Bumdesregierung vorgelegtes Konzept hatte individuelle Zahlungen an die Opfer noch ausgeschlossen. Dies hatte bei vielen Bundestagsabgeordneten zu heftigen Protesten geführt. Mit dem Haushalt 2019 sollen nun laut dem Beschluss des Haushaltsausschusses nun doch Direktzahlungen an die Opfer erfolgen.

Noch kein Täter zur Rechenschaft gezogen

Die von dem Deutschen Paul Schäfer 1961 gegründete Colonia Dignidad diente unter der Pinochet-Diktatur als Folterlager. Aber auch die rund 300 Bewohner erlitten Misshandlungen, mussten Zwangsarbeit leisten, wurden geschlagen und mit Medikamenten ruhiggestellt. Kinder wurden sexuell missbraucht.

In Chile wurde die Führungsriege inzwischen zu Haftstrafen verurteilt. Heute heißt die Siedlung Villa Baviera und hat rund 100 Bewohner. In Deutschland wurde noch kein Täter zur Rechenschaft gezogen. Der in Chile wegen Beihilfe zu Vergewaltigung verurteilte Sekten-Arzt Hartmut Hopp, der sich nach Deutschland abgesetzt hat, muss nicht ins Gefängnis. Das Oberlandesgericht Düsseldorf befand Ende September, dass das chilenische Urteil nicht ausreiche, um in Deutschland eine Strafbarkeit zu begründen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Juni 2018 um 18:40 Uhr.

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