Ein Mann legt am Tatort in Chemnitz eine Blume nieder | Bildquelle: dpa

Todesfall in Chemnitz 22-jähriger Tatverdächtiger ist frei

Stand: 18.09.2018 14:19 Uhr

Der 22-jährige Iraker Yousif A. ist wieder frei. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft. Wegen des Tötungsdelikts in Chemnitz saß er drei Wochen in Haft. Ein zweiter Verdächtiger, ein 23-jähriger Syrer, bleibt in Haft.

Von Markus Grill, Sebastian Pittelkow, Irini Bafas und Tarek Khello

Wende im Ermittlungsverfahren in Chemnitz: Der 22-jährige Iraker Yousif A., der seit drei Wochen in Haft sitzt, weil er im Verdacht steht, Daniel H. getötet zu haben, ist auf freiem Fuß. Entsprechende Angaben seines Anwalts Ulrich Dost-Roxin gegenüber NDR und "Süddeutscher Zeitung" bestätigte die zuständige Staatsanwaltschaft. Das Amtsgericht Chemnitz folgt damit dem Antrag von Dost-Roxin, der nach eigenen Angaben keinerlei Beweise für eine Tatbeteiligung des Irakers sieht.

Anwalt: Keine Fingerabdrücke von Yousif A. gefunden

In der Begründung seiner Haftbeschwerde führt Dost-Roxin unter anderem aus, dass von der Staatsanwaltschaft im Haftbefehl aufgeführte Zeugenaussagen zu unpräzise seien, um daraus einen dringenden Tatverdacht gegen Yousif A. abzuleiten. Auch der Fund zweier Messer in der Nähe des Tatorts, an denen laut Staatsanwaltschaft "blutähnliche Anhaftungen" gefunden worden seien, sei kein Beweis für die Täterschaft seines Mandaten, weil auf den Messern keine Fingerabdrücke von Yousif A. gefunden worden seien.

Dass A. einer der Mittäter gewesen sein könnte, bezeichnete er im Gespräch mit NDR und "SZ" als "Fantasiegebilde der Staatsanwaltschaft". "Kein Tatzeuge bezichtigte meinen Mandanten der Tatbeteiligung", sagte Dost-Roxin. Die von der Chemnitzer Staatsanwaltschaft präsentierten Beweise seien "Fake-Beweise" gewesen. Yousif A. habe für die Zeit nach seiner Entlassung Personenschutz beantragt.

Verdächtiger nach Tötungsdelikt in Chemnitz wieder auf freiem Fuß
tagesthemen 22:45 Uhr, Sibylle Licht, MDR

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Zweiter Verdächtiger bleibt in Haft

Bereits am Vormittag hatte es einen Haftprüfungstermin im Fall des zweiten Tatverdächtigen, dem 23-jährigen Syrer Alaa S., gegeben. Dieser bleibt nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft.

In der vergangenen Woche waren erstmals Zweifel am dringenden Tatverdacht gegen Yousif A. laut, wie der NDR berichtet hatte. Demnach hatte Yousif A. gegenüber einem Vertreter der irakischen Botschaft eine Tatbeteiligung bestritten. Außerdem gab ein unbeteiligter Zeuge gegenüber der Polizei an, dass A. während des Angriffs auf Daniel H. mehrere Meter abseits gestanden habe.

Tathergang noch immer unklar

Wie genau es zu der tödlichen Messerattacke auf Daniel H. kam, ist immer noch unklar. Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft teilten bisher mit, was sich ihrer Ansicht nach in der Tatnacht genau ereignete. Inhaftiert wurden wegen dringenden Tatverdachts aber unmittelbar nach dem Tötungsdelikt Yousif A. sowie ein junger Syrer namens Alaa S., gegen die die Staatsanwaltschaft Chemnitz wegen gemeinschaftlichen Totschlags ermittelte. Außerdem fahndet die Polizei nach einem dritten Tatverdächtigen, dem Iraker Farhad A.

Die Tötung des Chemnitzers Daniel H. Ende August hatte zu ausländerfeindlichen Protesten in der Stadt geführt und zu einer bundesweiten Debatte über Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit. Zudem steckt die Große Koalition aufgrund der Personalie Hans-Georg Maaßen in der Krise. Der Präsident des Verfassungsschutzes hatte die Echtheit eines Videos angezweifelt, das die Verfolgung von Ausländern in Chemnitz zeigt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. September 2018 um 15:00 Uhr.

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