Wasserwerfer bringen sich bei der Demonstration von AfD und dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida, der sich auch die Teilnehmer der Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz angeschlossen haben, in Stellung.  | Bildquelle: dpa

Proteste in Chemnitz Bilanz: 18 Verletzte, 37 Strafanzeigen

Stand: 02.09.2018 13:01 Uhr

Nach den Demonstrationen am Samstag in Chemnitz hat die Polizei ihre Bilanz korrigiert. Sie spricht jetzt von 18 Verletzten und 37 Strafanzeigen. Etwa 11.000 Menschen waren auf die Straße gegangen. Auch für heute sind Demos angekündigt.

Mehrere Tausend Anhänger der AfD, des ausländerfeindlichen Bündnisses "Pegida" und des rechtspopulistischen Bündnisses "Pro Chemnitz" sind am Samstag durch die Straßen von Chemnitz gezogen. Zu dem Protest hatte unter anderem der thüringische AfD-Chef Björn Höcke aufgerufen, der auch unter den Teilnehmern des Aufmarsches war. In einer Seitenstraße fuhr die Polizei Wasserwerfer und Räumpanzer auf, nachdem es bei früheren rechten Aufmärschen zu Ausschreitungen gekommen war.

Der Aufmarsch ging ohne größere Zwischenfälle zu Ende. Die AfD wollte eigenen Angaben zufolge mit der Kundgebung des 35-Jährigen gedenken, der vor einer Woche in Chemnitz erstochen worden war.

Björn Höcke, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag, nimmt an der Demonstration von AfD und dem ausländerfeindlichen Bündnis "Pegida" teil, der sich auch die Teilnehmer der Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz angeschlossen haben. | Bildquelle: MARTIN DIVISEK/EPA-EFE/REX/Shutt
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Björn Höcke in der ersten Reihe der AfD-Demo.

Die berittene Polizei kommt an der Karl-Marx-Statue vorbei. | Bildquelle: AP
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Die Polizei setzte auch berittene Einheiten ein.

Gegenkundgebung "Herz statt Hetze"

Am Nachmittag hatte in Chemnitz bereits eine Gegenkundgebung unter dem Motto "Herz statt Hetze" stattgefunden, zu der mehrere Vereine, Gewerkschaften, SPD, Grüne und Linkspartei aufgerufen hatten. Auf Plakaten der Teilnehmer war etwa zu lesen "Kein Platz für Nazis", "Gebt Sachsen nicht auf" oder "Hass ist krass. Liebe ist krasser".

Viele Politiker waren dort: Die Bürgermeisterin und sächsische Landespolitiker, aber auch Bundespolitiker von SPD, Grünen und Linken. Darunter waren die SPD-Vizechefin Manuela Schwesig, die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock und der Linken-Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch. Sie wollte gegen "Hass, Hetze und Gewalt" demonstrieren, sagte Schwesig. Baerbock mahnte, ein "Angriff auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit" erfordere ein "Aufstehen der ganzen Gesellschaft".

Polizei korrigiert Bilanz

Sonntagmittag korrigierte die Chemnitzer Polizei ihre ersten Angaben nach oben. Demnach wurden mindestens 18 Menschen verletzt, darunter drei Polizisten. Zunächst war von neun Verletzten die Rede gewesen.

Bis Sonntagmittag lagen 37 Strafanzeigen vor, mehrheitlich zu Körperverletzungsdelikten, Sachbeschädigungen und Straftaten nach dem Versammlungsgesetz.

Die Gesamtteilnehmerzahl bei den drei Demonstrationen und Kundgebungen gab die Polizei nunmehr mit über 11.000 an. Insgesamt seien mehr als 2000 Polizisten im Einsatz gewesen.

Die sächsischen Beamten wurden von Kollegen aus Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und von der Bundespolizei unterstützt.

"Gezwungen, unmittelbaren Druck einzusetzen"

Mit Fortschreiten der Kundgebungen war die Stimmung in der Stadt angespannter geworden. Der Zug mit rechten Demonstranten kam am frühen Abend nur stockend voran. Nach einem verspäteten Start wurde der Marsch kurz vor dem Denkmal mit dem Karl-Marx-Kopf wieder gestoppt und schließlich unter lautstarkem Protest abgebrochen. Wasserwerfer fuhren auf. Ein Großteil der Teilnehmer weigerte sich trotz mehrfacher Aufforderung, die abgebrochene Kundgebung zu verlassen und stand dem starken Polizeiaufgebot feindselig gegenüber. Die Demonstranten riefen "Widerstand" und "Lügenpresse".

Ein Teilnehmer der Kundgebung des Bündnisses Chemnitz Nazifrei unter dem Motto "Herz statt Hetze" hält ein Schild in Form eines Herzen hoch | Bildquelle: dpa
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"Herz statt Hetze" lautete das Motto der Friedensdemo.

Menschen protestieren gegen eine Demonstration der Anti-Immigrationspartei AfD in Chemnitz | Bildquelle: REUTERS
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Gegendemo zum AfD-Aufmarsch in Chemnitz.

Wie die Polizei mitteilte, hatten Gegendemonstranten zuvor versucht, auf die Strecke zu gelangen. "Unsere Einsatzkräfte werden teilweise gezwungen, unmittelbaren Zwang einzusetzen! Noch mal unser Aufruf, bitte bleibt gewaltfrei!", schrieb die Polizei bei Twitter. Auch an anderen Stellen der Stadt mussten die Einsatzkräfte nach eigenen Angaben eingreifen.

Gruppe von SPD-Politiker angegriffen

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Bartol berichtet davon, dass eine Besuchergruppe von Rechtsradikalen überfallen wurde. "Meine Gruppe aus Marburg wurde gerade auf dem Weg zum Bus von Nazis überfallen", schrieb der hessische SPD-Politiker bei Twitter. Alle SPD-Fahnen seien "zerstört" worden, einige seiner Begleiter seien "sogar körperlich angegriffen" worden.

Bartol fügte hinzu: "Ich bin entsetzt". Die Polizei sei "schnell" da gewesen und habe "einen guten Job gemacht". Seine Gruppe sei dann von der Polizei bis zum Bus begleitet worden.

Der Tatort liegt dazwischen

Zwischen den unterschiedlichen Kundgebungen lag der Tatort, an dem vergangene Woche der 35-Jährige erstochen wurde. Tatverdächtig sind ein Iraker und ein Syrer, die in Untersuchungshaft sitzen. Erneut legten Bürger Blumen an der Gedenkstelle nieder und zündeten Kerzen an. Auch um den Tatort herum musste immer wieder die Polizei einschreiten, um Auseinandersetzungen zwischen den Lagern zu unterbinden.

Verletzte und Strafanzeigen nach Demonstrationen in Chemnitz
tagesschau 13:15 Uhr, 02.09.2018, Susann Blum, MDR

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Konzert für Demokratie

Am Sonntag demonstrierten zwei kleinere Bündnisse in Chemnitz gegen Extremismus. Der Stadt steht am Montag das nächste Großereignis bevor.Unter dem Motto "#wir sind mehr" steigt dort ein Gratis-Konzert gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt. Ihren Auftritt angekündigt haben unter anderem die Toten Hosen, Kraftklub, Feine Sahne Fischfilet und Marteria & Casper.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. September 2018 um 05:05 Uhr.

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