Jens Spahn | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutter

Jens Spahn Der Provokante

Stand: 06.12.2018 19:42 Uhr

Jens Spahn provoziert - gern, oft und meist sehr bewusst. Doch mit so klaren Tönen eckt man an. Und damit verspielt der Gesundheitsminister wohl die Chance auf eine breite Mehrheit im Rücken.

Von Alex Krämer und Marcel Heberlein, ARD-Hauptstadtstudio

Jens Spahn, 38 Jahre alt, aus Nordrhein-Westfalen, verheiratet, keine Kinder. Und er beschreibt sich selbst zudem als "römisch-katholisch, gelernter Bankkaufmann, habe Schuhgröße 49".

Große Füße, große Klappe. In der CDU polemisiert Spahn sich nach oben, oft gegen die eigene Führung: gegen Merkels Flüchtlingspolitik, gegen die doppelte Staatsbürgerschaft und das Englischsprechen in Berliner Cafés.

"Bei mir fängt die Kiste da oben immer erst richtig an zu arbeiten, wenn es auch mal eine Gegenmeinung gibt. Also wenn alle einer Meinung sind, passiert da oben bei mir meistens nicht viel. Deshalb bin ich ein großer Freund von kontroversen Diskussionen, wenn sie zielorientiert sind."

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Annegret Kramp-Karrenbauer

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Für Diskussion, gegen die "Moralkeule"

Sein Ziel, keine Frage: Kanzler werden. Aber jetzt erstmal: Parteichef. Sein Profil: jung und stramm konservativ. Gegen den Strich bürsten. Spahn sieht Deutschland als ein "aufgewühltes" Land "mit zunehmend maßlosen Debatten". Und er kritisiert "Moralkeulen überall".

"Jemand, der sagt: 'Ich will nicht mehr Einwanderung' - ist gleich ein Nazi. Jemand, der sich auseinandersetzt mit einem Frauenbild und einem manchmal übergreifenden Selbstverständnis des Islams oder Teilen des Islams ist gleich ein Hasser. Jemand, der sagt, die Öffnung der Ehe ist ein Problem, ist ja nicht gleich ein Schwulenhasser. Ich finde, wir müssen lernen, auch Unterschiede auszuhalten, ohne gleich mit der Moralkeule zu kommen."

Bei einigen Parteikollegen kommt Spahn damit an. "Also erstmal ist er ein junger Mann. Und das finde ich keinen Nachteil", sagt Elisabeth Motschmann, Bundestagsabgeordnete aus Bremen und Delegierte beim Parteitag. Zudem habe Spahn Mut und "ein klares eigenes Profil".

Ist Spahn mehrheitsfähig?

Aber um Parteichef zu werden, braucht Spahn Unterstützung von allen Seiten - auch vom liberalen und sozialen Flügel. Provokation alleine reicht da nicht. Das weiß er auch. "Wer ihn beobachtet hat, seit er Gesundheitsminister ist, sieht, dass er die Flughöhe gewechselt hat. Und dass er das kann", sagt Armin Schuster, Bundestagsabgeordneter aus Baden-Württemberg.

Nämlich: Nicht nur provozieren, sondern integrieren. Alle Flügel der Partei ansprechen, mehrheitsfähig werden.

Hyperaktiv, fast ein bisschen manisch hat Spahn sich in den Job als Minister geworfen. Kaum einer im Kabinett hat so viele Gesetze angeschoben und Verordnungen erlassen wie er: gegen lange Wartezeiten beim Arzt, für mehr Pflegepersonal. Spahn treibt an, Spahn kennt sich aus.

Ganz aus seiner Haut kann und will er aber auch als Minister nicht. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt zum Beispiel, beim Deutschen Pflegetag, sagte er: "Ich wüsste genau, wie ich hier eine Rede halten muss, damit der ganze Saal auf den Stühlen stehen und tobt. Jajajaja, es ist doch so. Ich will ihnen aber auch beschreiben, wo die Herausforderung liegt."

Porträt Jens Spahn
tagesschau24 09:00 Uhr, 07.12.2018, Kirsten Girschick, ARD Berlin

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Mit dem Alter punkten

Eine Herausforderung - das ist für viele in der Union auch Spahns Privatleben. Spahn geht auch hier in die Offensive: "Ich hab meinen Mann geheiratet, ich denke, meine Meinung dazu ist klar." Als Mitbewerberin Kramp-Karrenbauer öffentlich wiederholt klar macht, dass sie die Homo-Ehe ablehnt, greift Spahn sie persönlich an: "Dass jemand, der mit einem Mann verheiratet ist, sich schwer tut, wenn das irgendwie in die Nähe von Inzest kommt, verstehen Sie auch. Vielleicht."

Vielleicht auch nicht. Das ist kein Gewinnerthema in der CDU. Spahns größter Trumpf dagegen: Er ist jung, viel jünger als seine Gegner. Das will er nutzen. Er inszeniert sich als Digitalisierer, als der von morgen.

"Die Lage braucht keine Kontinuität, und kein Zurück in die Vergangenheit. Was wir brauchen - das ist meine feste Überzeugung - ist ein echter Neustart. Mut zum Aufbruch, Mut zur Erneuerung, darum geht es in diesen Tagen. Und dazu gehört auch aus meiner Sicht ein Generationenwechsel." Und für den steht nur einer: Jens Spahn.

Wenn nicht jetzt, dann beim nächsten Mal

Jung, provokant, hat Ahnung - schön und gut. Aber allein damit wird Spahn auf dem Parteitag keine Mehrheit holen. Nur: Muss er vielleicht auch gar nicht. "Schafft er es da nicht - und geht dann aufrecht, genau mit dem Anstand, wie er es gerade macht - ist er der Kandidat, der sich gerade die größte Perspektive aufbaut für eine zweite Chance. Die hat dann kein anderer von den Dreien", ist Schuster überzeugt.

Jens Spahn - seine Kanten haben ihn bekannt gemacht. Aber um jetzt auch noch beliebt zu werden, müsste er sie abschleifen. Bloß: Dafür fehlt ihm die Zeit.

Sein Vorteil: Er will gewinnen, muss aber nicht. Er ist dabei, kann sich zeigen auf der großen Bühne der CDU, das ist schon ein Erfolg für ihn. Wenn er verliert, ist er immer noch Gesundheitsminister. Er kann warten auf seine zweite Chance.

Porträt Jens Spahn
Marcel Heberlein, ARD Berlin
06.12.2018 14:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Dezember 2018 um 09:45 Uhr.

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