Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besichtigt die Hamburger Messehalle für den CDU-Bundesparteitag. | Bildquelle: dpa

Parteitag der CDU Wer übernimmt Merkels Erbe?

Stand: 07.12.2018 08:26 Uhr

Nach 18 Jahren Merkel hat die CDU die Wahl: 1001 Delegierte entscheiden heute, wer in Zukunft die Partei führen wird. Kirsten Girschick über einen historischen Tag - nicht nur für die CDU.

Von Kirsten Girschick, ARD-Hauptstadtstudio

Manchmal zeigen sich große Veränderungen an scheinbar kleinen Dingen. Die 1001 "Tischwahlkabinen", die in der Hamburger Messehalle bereitliegen, sind ein solches Detail. Der brandenburgische Landesvorsitzende Ingo Senftleben hat schon entschieden: "Ich werde meine private Wahlkabine mit nach Hause nehmen", erzählt er vor den CDU-Gremiensitzungen im Hotel Atlantic in Hamburg. "Die kann ich irgendwann meinen Enkeln zeigen. Die Wahlkabine ist doch das perfekte Symbol, wie sich die Partei weiterentwickelt hat."

Dabei bräuchte Senftleben gar nicht unbedingt die Anonymität einer eigenen Wahlkabine - er hat sich öffentlich für Annegret Kramp-Karrenbauer ausgesprochen. Das sei aber nicht als Empfehlung an die Brandenburger Delegierten zu verstehen.

Ähnlich zurückhaltend äußert sich Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus. Jeder sei frei, sich festzulegen, aber: "Wir als Fraktionsspitze haben uns entschieden, das nicht zu tun und da nicht Partei zu ergreifen. Und daran werde ich mich auch halten."

Schäubles Empfehlung

Zuvor hatte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble per Zeitungsinterview eine Empfehlung für Friedrich Merz ausgesprochen. Der zuvor noch zurückhaltende Wirtschaftsminister Peter Altmaier konterte mit einer öffentlichen Empfehlung für Kramp-Karrenbauer.

Die Kandidatin selbst kommentiert offensiv gelassen: "Die Zeiten in denen man Delegierten über noch so prominente Unterstützer sagen konnte, was sie zu tun haben, entweder auf der einen oder der anderen Seite, die sind auch in der CDU ein Stück weit vorbei."

Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn bei einer CDU-Regionalkonferenz | Bildquelle: dpa
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Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn bei einer CDU-Regionalkonferenz

Auch die Tagesform entscheidet

Eine klare Mehrheit für einen der beiden aussichtsreichsten Kandidaten ist bislang nicht erkennbar - so wurde bis zuletzt weiter um Unterstützung geworben.

Für die Wahlentscheidung der 1001 Delegierten werden auch die Tagesform der Kandidaten und die Vorstellungsrede eine Rolle spielen. Viele sehen hier den brillanten Rhetoriker Merz im Vorteil. Andere erinnern daran, dass auch Kramp-Karrenbauer schon Parteitage begeistert habe - und vor allem mit Detailwissen punkten könne.

Fragerunde beim Parteitag?

Unklar ist bislang, ob der Parteitag eine Fragerunde mit den Kandidaten beschließt. Die wäre im Format ähnlich wie auf den Regionalkonferenzen - alle drei Kandidaten auf der Bühne, die auf die gleichen Fragen antworten.

Im Hinterkopf haben viele Delegierten bei der Wahl auch die Frage: Wer hält die Partei besser zusammen? Und wer kann mit Merkel als Kanzlerin halbwegs harmonisch zusammenarbeiten?

Merkels historischer Parteivorsitz
tagesthemen 22:15 Uhr, Karin Dohr, ARD Berlin, zzt. Hamburg

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Egal wer die Wahl gewinne, warnt der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier: "Da wird es Leute geben, die sind begeistert und froh, dass sie gewonnen haben und andere sind traurig - das gehört zum Spiel. Aber es gehört nicht dazu, dass wir dann anschließend die Gräben befestigen und eine Zerreißprobe machen, das wäre ja völlig töricht."

"Demokratie pur"

Innerhalb der allgemeinen Nervosität gibt sich eine ganz gelassen: Angela Merkel. Sie freue sich "auf den Tag" und sei wie alle anderen natürlich gespannt. "Das ist Demokratie pur, wenn Auswahl besteht. Und den Rest werden die Delegierten entscheiden."

Merkel betonte erneut, sie wolle mit jedem der möglichen neuen Parteivorsitzenden zusammenarbeiten: "Ich bin dankbar für diese Zeit, die hinter mir liegt und freue mich, als Bundeskanzlerin noch weiter arbeiten zu können."

In ihrer Zeit als Vorsitzende habe die CDU Höhen und Tiefen erlebt - aber auch viermal so bei einer Bundestagswahl abgeschnitten, "dass wir die Bundeskanzlerin stellen. Und das ist etwas, wo wir den Wählern zu Dank verpflichtet sind."

Am Vormittag wird Merkel ihre letzte Rede als Parteivorsitzende halten. Danach stellen sich die drei bisher nominierten Kandidaten Kramp-Karrenbauer, Merz und Spahn zur Wahl - und möglicherweise noch andere Kandidaten. Denn auf dem Parteitag können die Delegierten noch weitere Anwärter auf den Parteivorsitz vorschlagen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Dezember 2018 um 04:55 Uhr.

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