Eine Uhr vor dem Konrad-Adenauer-Haus, der Bundeszentrale der CDU, steht auf fünf vor zwölf (Archivbild April 2021). | dpa
Kommentar

Kandidaten für Parteivorsitz Die CDU hat keinen Klingbeil

Stand: 12.11.2021 17:08 Uhr

Personell ausgezehrt, inhaltlich entkernt, kein überzeugendes Führungspersonal: Die CDU hat niemanden, der junge Wählerinnen und Wähler von zukunftsträchtigen Konzepten überzeugen kann.

Ein Kommentar von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Festhalten: Angela Merkel greift nach dem CDU-Vorsitz - loslassen: stimmt nicht. Zumindest nicht so richtig. Es geht um Helge Braun, aber das kommt fast auf das Gleiche raus. Braun ist Merkels rechte Hand im Kanzleramt, er verkörpert ihre Politik wie kaum ein anderer. Und wer sich Kontinuität wünscht, der wird sich freuen, dass Braun erklärt hat: Ich mach's - ich kandidiere.

Sabine Henkel ARD-Hauptstadtstudio

Die Frage ist nur: Wie viele CDU-Mitglieder wollen eine Fortsetzung der Merkel-Politik der Mitte? Das ist schwer zu sagen, klar ist aber: Für Aufbruch steht Braun definitiv nicht. Er ist eine weitere Enttäuschung für alle, die insgeheim hoffen, dass auch die CDU einen Lars Klingbeil hat. Hat sie aber nicht. Die CDU ist personell ausgezehrt. Sie ist nicht nur inhaltlich entkernt, sie hat auch kein überzeugendes Führungspersonal.

Die üblichen Verdächtigen

Außer Braun sind da nur die üblichen Verdächtigen, die, die schon immer mal Parteichef werden wollten. Norbert Röttgen etwa: Er will die Partei modernisieren, und es ist ihm tatsächlich auch gelungen, eine Frau zu finden, die seine Generalsekretärin werden will. Mehr hat bis heute kein anderer zustande gebracht. Nur macht eine junge Frau noch niemanden zum Parteichef. Röttgen, klug und kompetent, wäre vermutlich inhaltlich der beste Kandidat, nur hat er keine Fan-Base in der CDU. Er gilt als Solist, abgehoben bis arrogant, keiner fürs Volk, das die CDU wieder für sich gewinnen will.  

Der andere Wiederkandidierende ist vermutlich Friedrich Merz. Der Mann, der vor Selbstbewusstsein nur so strotzt, obwohl er schon zwei Vorsitzendenwahlen verloren hat. Merz neigt dazu zu kandidieren - so viel ist bekannt. Nur neigt Merz auch zur Selbstüberschätzung. Selbst wenn er diesmal eine Mehrheit in der Partei bekommt, wird es für Mehrheiten in der Bevölkerung nicht reichen.

Verzweifelte Suche nach einer Lichtgestalt

Die CDU braucht einen, der junge Wählerinnen und Wähler von zukunftsträchtigen Konzepten überzeugt - inhaltlich und persönlich. Aber in der CDU gibt es eben keinen Klingbeil, keinen Habeck, nicht mal einen Lindner. Und eine Baerbock schon gar nicht.

So steht die CDU also da nach all den Merkel-Jahren - angeschlagen, abgeschlagen, ausgelaugt, in Lager gespalten. Und auf der verzweifelten Suche nach einer Lichtgestalt, die Lichtjahre entfernt zu sein scheint.

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. November 2021 um 07:19 Uhr.