Eine Frau hält über einer Wahlurne den Flyer des CDU-Bundesparteitages. | Bildquelle: dpa

Votum der Parteispitze CDU streitet über Beschluss zur Frauenquote

Stand: 09.07.2020 13:54 Uhr

Der gestern beschlossene Antrag der CDU-Führung für eine Frauenquote stößt in der Partei auf geteiltes Echo. Während Partei-Veteranin Süssmuth den Vorstoß lobt, übt vor allem der Wirtschaftsflügel Kritik.

Der Einsatz der CDU-Führung für eine verbindliche Quotenregelung hat in der Partei eine Debatte ausgelöst. Die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth bezeichnete den Kompromiss der CDU-Spitze als überfällig. Gleichzeitig warnte sie, eine Ablehnung der Quotenregelung auf dem Parteitag würde der Partei schaden.

Der Parteitag im Dezember dürfe den Antrag nicht durchfallen lassen. "Es muss jetzt was passieren. Es tut einer Organisation nicht gut, wenn sie ein zentrales Problem nicht angeht. Wenn die CDU dieses Thema weiter verschleppt, wird das die Partei schädigen."

Röttgen für Quote

Auch der Außen-Experte und Bewerber um den Parteivorsitz, Norbert Röttgen, stellte sich hinter das Vorhaben: "Ich unterstütze den gefundenen Kompromiss", sagte Röttgen, der neben Friedrich Merz und Armin Laschet Nachfolger von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer werden will. Keine Frau bewirbt sich um den Parteivorsitz.

Kritik von Wirtschaftsflügel

Widerspruch kommt dagegen vom Wirtschaftsflügel. Der Mittelstandspolitiker Carsten Linnemann bezeichnete es in der ARD als Trugschluss zu glauben, dass die CDU durch eine Quote attraktiver für Frauen werde. Als "schwierig" bezeichnete Linnemann den Umstand, dass die CDU nur rund 25 Prozent weibliche Mitglieder habe - dass aber eine Frauenquote von 50 Prozent kommen soll.

Auch die Präsidentin des Wirtschaftsrats, Astrid Hemker, bekräftigte in der "Süddeutschen Zeitung" ihre Kritik an der Quote. Sie empfinde eine solche Vorgabe "als Maßregelung und Gängelung - und nicht als bürgerlich und freiheitlich", sagte sie. "Ich weiß nicht, ob die CDU als bürgerliche Partei sich damit einen Gefallen tut, sich mit immer mehr Geboten und Verboten dem linken Zeitgeist anzupassen."

Parteitag hat das letzte Wort

Die Parteiführung hatte den Vorschlag erarbeitet, in Schritten bis zum Jahr 2025 eine Frauenquote von 50 Prozent in Führungsgremien verpflichtend zu machen. Allerdings muss der Parteitag im Dezember dem Quotenvorschlag der Satzungskommission erst noch die erforderliche Zustimmung erteilen - und das gilt keinesfalls als sicher. Beobachter rechnen zumindest mit Änderungsanträgen an der Quotenregelung.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 09. Juli 2020 um 11:02 Uhr.

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