Ein Maschinengewehr vor der Nationalflagge Deutschlands. | picture alliance/dpa

Aufgaben werden gebündelt Bundeswehr bekommt territoriales Führungskommando

Stand: 14.06.2022 15:07 Uhr

Auch wegen des Ukraine-Kriegs will das Verteidigungsministerium Entscheidungen in Zukunft schneller treffen können. Dazu bekommt die Bundeswehr ein territoriales Führungskommando in Berlin, das direkt dem Ministerium unterstellt ist.

Als Konsequenz aus dem russischen Einmarsch in die Ukraine, der Corona-Krise und der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bekommt die Bundeswehr zum 1. Oktober ein territoriales Führungskommando. Einsatzbereit soll es dann ab März 2023 sein.

Bislang sei die operative Führung der Kräfte im Inland über viele Bereiche verteilt gewesen - nun werde sie in Berlin gebündelt und unmittelbar dem Verteidigungsministerium unterstellt, teilte Ministerin Christine Lambrecht (SPD) mit. Leiter des Aufbaustabes und erster Befehlshaber soll Generalmajor Carsten Breuer werden, der zuletzt auch den Corona-Krisenstab im Kanzleramt führte.

Bundeswehr bekommt neue Stellen

Das Kommando wird dabei nicht komplett neu gegründet: Es geht hervor aus dem zuvor von Breuer geführten Kommando "Territoriale Aufgaben" der Bundeswehr. Dieses Kommando ist bislang für die zivil-militärische Zusammenarbeit in Deutschland zuständig ist. Es wird verstärkt durch Personal aus dem in Bonn ansässigen Kommando "Streitkräftebasis".

Um die Fähigkeiten bei der Truppe im Zusammenhang mit dem deutschen Beitrag zur Erfüllung der NATO-Bündnisverpflichtungen zu stärken, soll es 1000 Stellen für ein zusätzliches Logistik-Bataillon geben. Zudem sind 700 Stellen für zwei zusätzliche Kompanien zur ABC-Abwehr sowie 200 Stellen für eine zusätzliche Feldjäger-Kompanie vorgesehen.

Wofür das neue Kommando zuständig sein soll

Das neue Kommando mit Sitz in Berlin soll für nationale Verlegungen im Zusammenhang mit dem Planungen der NATO zur Landes- und Bündnisverteidigung zuständig sein. Außerdem werde es in Abstimmung mit der NATO die Verlegung alliierter Kräfte durch Deutschland organisieren. Zudem soll das Kommando verantwortlich für die operative Führung nationaler Kräfte im Rahmen des Heimatschutzes sein. Dazu gehört etwa die Amts- und Katastrophenhilfe und die zivil-militärischen Zusammenarbeit. Außerdem soll das Kommando wesentliche Aufgaben bei der Führung der Streitkräfte in Deutschland übernehmen, während das Einsatzführungskommando in Schwielowsee bei Potsdam die Auslandseinsätze führen soll. Die Bundeswehr soll damit zwei Führungskommandos für unterschiedliche Aufgaben haben.

Corona-Krise als Auslöser

Mit der Umorganisation folgt das Ministerium auch den Erkenntnissen aus der Arbeit des Corona-Krisenstabes, damit im Kanzleramt in besonderen Situationen rasch ein Krisenstab mit der Arbeit beginnen kann. "Mit dem neuen Kommando können wir über die rein militärischen Aufgaben hinaus sehr schnell die nötigen Kräfte für einen nationalen Krisenstab bereitstellen" - etwa im Falle von Hochwasserkatastrophen oder wie in der Covid-Pandemie, teilte Lambrecht mit.