Ein Kampfpanzer der Bundeswehr vom Typ "Leopard 2A7" fährt bei der Informationslehrübung Landoperationen 2019 über den Übungsplatz im niedersächsischen Munster. | Bildquelle: dpa

Materiallage der Bundeswehr "Sofortprogramm für Ausrüstung" gefordert

Stand: 01.12.2019 10:57 Uhr

Kaputte Hubschrauber, kaputte Panzer: Die Materialmängel bei der Bundeswehr sind enorm. Um das Heer handlungsfähig zu halten, fordern der Wehrbeauftragte und der Bundeswehrverband ein "Sofortprogramm für Ausrüstung".

Angesichts des zum Teil desaströsen Zustands der Waffensysteme der Bundeswehr hat der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, André Wüstner, die Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer vor zusätzlichen Auslandseinsätzen gewarnt. "Am scharfen Ende unseres Berufs entscheidet unsere Ausrüstung - qualitativ und quantitativ - über Leben oder Tod", sagte Wüstner der "Welt am Sonntag". Er warb zudem für ein "Sofortprogramm für die beschleunigte Beschaffung von jeglicher Ausrüstung".

Übernächste Woche will das Verteidigungsministerium den neuen Bericht zur Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme vorstellen. Die "Welt am Sonntag" berichtet bereits jetzt aus vertraulichen Papieren, mit denen der Bericht vorbereitet wird, über die mangelhafte Materiallage der Bundeswehr. Demnach waren zwischenzeitlich nur neun von 75 NH-90-Hubschraubern einsatzbereit. Beim Kampfhubschrauber Tiger waren es zwölf von 53. Von 245 Kampfpanzern Leopard II waren nur 101 einsatzbereit, von 284 Schützenpanzern Puma 67. Beim Transportpanzer Boxer waren es 120 von 237, beim Spähpanzer Fennek 116 von 220 und bei der Panzerhaubitze 46 von 121.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels, hatte angesichts dessen bereits im Januar ein "Sofortprogramm" gefordert. Jetzt kritisierte er, dass Kramp-Karrenbauer diese Forderungen bislang ignoriert habe. Sie habe versprochen, "ihren Einfluss als CDU-Chefin im Sinne der Bundeswehr einzusetzen", sagte er in der "Welt am Sonntag". Deshalb solle sie diesen "Befreiungsschlag" nun wagen.

KSK-Unteroffizier unter Rechtsextremismus-Verdacht

Unterdessen wurde bekannt, dass gegen einen Unteroffizier der Bundeswehr-Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) wegen des Verdachts auf rechtsextremistische Umtriebe ermittelt wird. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) verdächtige den Unteroffizier in der Feldwebellaufbahn dringend, ein Rechtsextremist zu sein, schrieb die "Bild am Sonntag". Seit Monaten laufe eine nachrichtendienstliche Ermittlung gegen ihn. Das Verteidigungsministerium bestätigte den Bericht gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Weil Informationen an die Öffentlichkeit gelangt seien, seien nun notwendige dienstrechtliche Maßnahmen gegen den Soldaten offen eingeleitet worden, sagte ein Ministeriumssprecher der "Bild am Sonntag". Er müsse schnellstmöglich aus dem KSK entfernt werden, die Ausübung des Dienstes müsse ihm verboten werden. Dem Bericht zufolge soll das spätestens nächste Woche geschehen. Nach Informationen der Zeitung war der Unteroffizier mehrmals in Afghanistan im Einsatz.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. Dezember 2019 um 10:00 Uhr in den Nachrichten.

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