Bundeswehrsoldaten bei einer Übung. | Bildquelle: dpa

Bundeswehr vermisst Munition Schlamperei oder Diebstahl?

Stand: 17.07.2020 17:58 Uhr

Gerade erst wurde bekannt, dass der Eliteeinheit KSK Munition und Sprengstoff fehlen. Jetzt wird öffentlich, dass die Bundeswehr noch mehr Munition vermisst. Das Verteidigungsministerium ist in Erklärungsnot.

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Es sind jede Menge Fragen, die man bei der Bundeswehr nun beantworten muss. Durchaus beunruhigende Fragen: Wie konnte das passieren? Wo ist das fehlende Material? Und: Welche Gefahr birgt die Tatsache, dass aus Bundeswehr-Beständen Zehntausende Schuss Munition und mehr als 100 Dienstwaffen verschwanden?

"Wir müssen jetzt klären, was die Gründe sind", sagt David Helmbold, Sprecher des Verteidigungsministeriums. "Ob das Schlamperei ist. Sind Bestände in den Einsatzgebieten verblieben? Oder steckt da auch kriminelle Energie hinter und es hat jemand etwas abgezweigt?" Keine der drei Möglichkeiten könne derzeit ausgeschlossen werden, so Helmbold weiter.

Waffenlager bei KSK-Soldaten

Die Sache ist deshalb brisant, weil bei der Bundeswehr insgesamt und insbesondere bei deren Eliteeinheit KSK untersucht wird, inwieweit es dort rechtsextreme Netzwerke gibt. Es besteht also der Verdacht, dass Extremisten versucht haben könnten, sich mit Waffen und Munition zu versorgen.

Im Mai hatte die Polizei bei einer Razzia auf dem Grundstück eines KSK-Soldaten ein regelrechtes Waffenlager ausgehoben und dabei neben einem SS-Liederbuch auch jede Menge Sprengstoff plus Zündschnur sichergestellt.

"Wenn Sie das beides zusammenbringen, dann wird das etwas, das durchaus gefährlich oder im Rahmen von Attentaten eingesetzt werden könnte. Das ist meine Sorge, die ich habe", sagt Bundeswehr-Generalinspekteur Eberhard Zorn. Mit diesen Worten hatte Anfang des Monats der ranghöchste deutsche Soldat seiner Beunruhigung angesichts vermissten Materials bei den Spezialkräften vom KSK Ausdruck verliehen.

Denn: Unabhängig von den mehr als 60.000 Schuss Munition, die bei der Bundeswehr insgesamt fehlen und über die nun die "Welt" berichtet, ist darüber hinaus auch unklar, wo 62 Kilogramm Sprengstoff und 48.000 Schuss Munition aus den KSK-Beständen geblieben sind.

Intensive Ermittlungen in zwei Fällen

In beiden Fällen werde nun intensiv ermittelt, so das Ministerium. "Wenn es um Straftaten geht, wird selbstredend die Staatsanwaltschaft eingeschaltet", kündigte der Sprecher an.

Dem Abgeordneten der Linkspartei, Tobias Pflüger, reicht das nicht. Er fordert im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio eine externe Untersuchung der Waffenverluste, der Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer nun höchste Dringlichkeit einräumen müsse. Pflüger vermutet, dass rechte Netzwerke für das Verschwinden der Waffen verantwortlich sind: "Es kann sich dabei nicht um Einzelaktionen handeln. Wir wissen im Kontext des KSK, dass es Mitwisser gegeben haben muss für das Herausbringen von Waffen aus den Kasernen. Und diese Mitwisser sind höchstwahrscheinlich in diesem Bereich rechter Netzwerke zu suchen."

All dies sind Dinge, die man bei der Bundeswehr nun verspricht, aufzuklären. Denn ob Munition längst verschossen ist und dies einfach durch einen Buchungsfehler nicht registriert wurde, oder aber Kriegsgerät bewusst entwendet wurde und nun in verborgenen Privatkellern lagert - das macht für die innere Sicherheit in Deutschland durchaus einen Unterschied.   

Bundeswehr verspricht Aufklärung über verschwundene Munition
Kai Küstner, ARD Berlin
17.07.2020 16:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 17. Juli 2020 um 17:11 Uhr.

Korrespondent

Kai Küstner | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo NDR

Kai Küstner, NDR

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