Ursula von der Leyen, Verteidigungsministerin, spricht bei der Bundeswehrtagung.  | Bildquelle: dpa

Bundeswehr Von der Leyen soll Kontakt verboten haben

Stand: 21.10.2018 02:19 Uhr

Soldaten und Beamten der Bundeswehr sind laut einem Medienbericht eigenständige Kontakte zu Bundestagsabgeordneten untersagt worden. Das Verteidigungsministerium dementierte die Pläne nach Kritik der Opposition.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat einem Zeitungsbericht zufolge den Soldaten und Beamten der Bundeswehr eigenständige Kontakte zu den Abgeordneten des Bundestags untersagt. Das gehe aus einem vertraulichen Schreiben des Parlamentsreferates im Verteidigungsressort an die Mitarbeiter des Ministeriums hervor, schreibt die "Welt am Sonntag".

Die Oppositionsparteien zeigten sich empört und sprachen von einem "Maulkorb". Sie werten das Schreiben dem Bericht zufolge als Reaktion von der Leyens auf die Kritik des Bundesrechnungshofs am Einsatz von Unternehmensberatern im Ministerium.

"Interne Mail einer Mitarbeiterin"

Das Verteidigungsministerium dementierte: "Es gibt für die Hausleitung des Verteidigungsministeriums keinen Grund, die gängige Praxis des Austausches zwischen Abgeordneten und Angehörigen der Bundeswehr zu ändern", erklärte ein Ministeriumssprecher. Es handele sich um eine nicht mit der Hausleitung abgestimmte interne Mail einer Mitarbeiterin. Die Interpretation, dass diese im Zusammenhang mit der Aufklärung strittiger Beratungsleistungen stehe, "ist falsch und wird durch das Ministerium mit Nachdruck zurückgewiesen". Das Ministerium stehe zu seiner Zusage gegenüber den Bundestagsausschüssen, bei der Aufklärung eng mit den Abgeordneten zusammenzuarbeiten.

Der "Welt am Sonntag" zufolge werden in einer am vergangenen Mittwoch verschickten E-Mail die Angehörigen des Ministeriums aufgefordert, "Gesprächsbitten aus dem parlamentarischen Raum" zunächst an das Parlamentsreferat zu übermitteln.

Zustimmung des zuständigen Staatssekretärs gefordert

Diese Pflicht ergebe sich aus der Geschäftsordnung des Ministeriums. Für die Teilnahme eines Angehörigen des Ministeriums an einem Gespräch dienstlichen Inhalts mit Abgeordneten sei "grundsätzlich die Zustimmung des zuständigen Staatssekretärs herbeizuführen". Das gelte nicht nur für das Ministerium selbst, sondern auch für die "nachgeordneten Dienststellen/Ämter".

Die Geschäftsordnung des Wehrressorts sieht dem Bericht zufolge vor, dass Kontakte ins Parlament angemeldet und erlaubt werden müssen. Mit der Mail werde versucht, dieses Regel auf nachgeordnete Behörden und Ämter auszuweiten, für die die Geschäftsordnung nicht unmittelbar gelte. Kein Soldat oder Beamter dürfte demnach mehr ohne Erlaubnis mit einem Abgeordneten sprechen.

Bundesverteidigungsministerin von der Leyen steht im Hintergrund, während Soldaten der Bundeswehr an ihr vorbeimarschieren. | Bildquelle: AP
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Dürfen Soldaten und Mitarbeiter nachgeordneter Behörden nur noch nach Absprache mit Abgeordneten reden?

"Maulkorb" für Soldaten und Mitarbeiter

"Das sind wohl Brandschutzmauern, die da hochgezogen werden sollen", sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Wolfgang Hellmich, der Zeitung. "Das können wir uns nicht gefallen lassen. Wir werden auf unser Recht und unsere Verpflichtung pochen, mit unseren Soldaten zu reden", so der SPD-Politiker.

Der Grünen-Abgeordnete Tobias Lindner sagte: "Die Ministerin, die sich immer für Transparenz gelobt hat, verpasst nun den Soldaten und Mitarbeitern einen Maulkorb."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Oktober 2018 um 02:00 Uhr.

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