Das Zollfahndungsamt Essen führt in Aldenhoven eine Razzia durch. | dpa

Nordrhein-Westfalen Offizier hortete auch radioaktives Material

Stand: 22.10.2021 17:38 Uhr

Bei einem festgenommenen Bundeswehroffizier in NRW ist auch der radioaktive Stoff Strontium-90 gefunden worden. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft. Zudem soll er geheime Dokumente besessen haben.

Ein in Nordrhein-Westfalen festgenommener Bundeswehroffizier soll neben Waffen auch radioaktives Material gehortet haben. Gefunden worden sei Strontium-90 aus bislang unbekannter Quelle, sagte eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Die Vorwürfe gegen den Mann seien deshalb um den Tatbestand unerlaubter Umgang mit radioaktiven Stoffen erweitert worden. Der Mann sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Zuvor hatte der "Spiegel" darüber berichtet.

Die Menge des gefundenen Strontium-90 blieb offen. Die krebserregende Substanz wird vor allem in der Medizin und der Industrie eingesetzt. Es tritt auch im Umfeld von Atomtests sowie in Abfällen von Atomkraftwerken auf.

Ermittler entdeckten Granaten und Minen

Bei einer Razzia in Aldenhoven im Kreis Düren hatten Ermittler am 12. Oktober ein Waffenlager mit Kriegswaffen entdeckt - Schusswaffen, Granaten, Handgranaten und Minen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ist zuständig, da dort am Flughafen vom Zoll ein Paket mit Schalldämpfern abgefangen worden war, das der 32-Jährige in die USA schicken wollte. Deswegen leiteten die Behörden ein Verfahren ein und erwirkten einen Durchsuchungsbeschluss.

Der "Spiegel" berichtete nun unter Berufung auf einen Vermerk des Ministeriums, der Großteil des Materials stamme aus dem früheren Ostblock. Dem Magazin zufolge geht es um Kalaschnikow-Gewehre, Panzer- und Flugabwehrwaffen sowie etliche entschärfte Granaten und Munition. Der Mann gehört einem Bundeswehrzentrum an, das für die Analyse selbstgebauter Sprengsätze und deren Abwehr zuständig ist. 

Geheime Dokumente des BND

Der Soldat sitzt in Untersuchungshaft. Die sichergestellten Waffen und die beschlagnahmte Munition stammten nach erster Bewertung nicht aus Bundeswehrbeständen, hatte das Verteidigungsministerium erklärt. Es seien allerdings auch als geheim "eingestufte" Dokumente gefunden worden, die nun Gegenstand der Ermittlungen seien.

Nach "Spiegel"-Informationen handelt es sich um zwei aktuelle Dossiers des Bundesnachrichtendienstes über die Lage in Nordkorea. Offen sei, wie der Beschuldigte an die heiklen Papiere kam. Auch "umfangreiche kommunistische Literatur" soll bei der Razzia sichergestellt worden sein. 

Neben Staatsanwaltschaft und Zoll ermittelt den Angaben zufolge der Militärische Abschirmdienst, der seine Spionageabwehr eingeschaltet habe.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Oktober 2021 um 16:30 Uhr.