Mann tippt auf einer Tastatur. | dpa

Wahljahr 2021 Drohen Cyberattacken bei Bundestagswahl?

Stand: 25.05.2021 14:05 Uhr

Desinformationskampagnen im Wahlkampf oder Cyberangriffe - deutsche Behörden gehen davon aus, dass diese Gefahr gestiegen ist. Darum soll die Sicherheit der Bundestagswahl mit hohem Aufwand gewährleistet werden.

Die Sicherheitsbehörden in Deutschland stellen sich auf Desinformationskampagnen und Störungen zur Bundestagswahl im September ein. Der Präsident des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, sagte auf einer Pressekonferenz, die Bedrohungslage mit Blick auf mögliche Manipulationsversuche sei größer als bei den vorangegangenen Wahlen. Er verwies darauf, dass in Zeiten der Corona-Pandemie die Online-Kommunikation noch einmal an Bedeutung gewonnen habe.

Als Beispiele nannte er Erfahrungen aus anderen Ländern, etwa mit den sogenannten "Macron-Leaks" um gehackte E-Mails in Frankreich oder die Manipulationsversuche im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Es sei davon auszugehen, dass Ähnliches "auch in Deutschland als wirtschaftlich potenteste Macht in Europa attraktiv ist", sagte Schönbohm. Es gebe Indikatoren, und darum sind wir sehr wachsam."

So könnten Hacker versuchen, die Accounts von Bundestagskandidaten zu übernehmen und falsche Angaben zu posten. Bestimmte Daten könnten auch zu unpassenden Zeiten veröffentlicht werden. Gestohlene Daten könnten mit anderen vermengt werden, Aussagen seien dann unter Umständen nicht mehr genau nachvollziehbar.

Wer genau die Bundestagswahl angreifen sollte, darauf gibt Schönbohm keine konkrete Antwort. So entscheidend sei das doch gar nicht, findet er:

Wir im BSI verstehen uns als Torwart. Ob jetzt der Schuss vom Vfl Bochum kommt oder von Bayern München, ist für uns von sekundärer Bedeutung. Solange der Ball nicht erfolgreich ins Tor kommt.

Herausforderungen durch mehr Briefwähler

Bundeswahlleiter Georg Thiel machte auf neue Herausforderungen im Zusammenhang mit der in der Corona-Pandemie deutlich beliebter gewordenen Briefwahl aufmerksam. Es müsse mehr organisiert werden, wofür mehr Personal benötigt werde, sagte er.

Auch er stelle sich auf Desinformationskampagnen ein. Diese hätten zum Ziel, Zweifel am Wahlergebnis und damit letztlich auch am Wahlergebnis zu provozieren, sagte Thiel auf der Pressekonferenz. "Dem müssen wir entgegenwirken." Die Wählerinnen und Wähler müssten für ihre Willensbildung auf verlässliche Informationen zugreifen können.

Thiel nannte als Beispiel mögliche Falschmeldungen über eine verfrühte Schließung der Wahllokale. Ein anderes Beispiel seien Falschmeldungen, wonach die Briefwahlurnen nicht verschlossen seien. So könnten angeblich ganz leicht Stimmzettel ausgetauscht werden. Er empfiehlt, gerade jetzt sollte man nicht jede Meldung aus dem Internet glauben oder ungeprüft einfach weiterleiten. Seine Behörde sei auf solche Vorfälle vorbereitet und könne bei Bedarf entsprechend gegensteuern.

"Rotes Telefon" zu sozialen Netzwerken

Das geht zum Beispiel technisch: Die Computernetzwerke, über die die Wahlergebnisse übermittelt werden, arbeiten unabhängig vom Internet und es gibt Reserven, falls es zu Ausfällen kommt. Dann gibt es eine Art rotes Telefon zu den sozialen Netzwerken, um sich schnell mit Facebook, Google oder Twitter über Bedrohungen auszutauschen.

Wichtig sei auch die Sensibilisierung für das Thema: Derzeit beraten zum Beispiel Cyberexperten die Parteien, wie sie sich vor Angriffen schützen können und wie zum Beispiel Kandidaten ihre E-Mails oder Social-Media-Accounts besser absichern.

Um das endgültige amtliche Endergebnis macht sich Thiel am wenigsten Sorgen. Das werde auch im Jahr 2021 noch klassisch per Papier übermittelt und sei somit sehr sicher vor Cyberattacken.

Mit Informationen von Sebastian Tittelbach, WDR

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 25. Mai 2021 um 13:35 Uhr.