Blick in den Bundestag | Bildquelle: dpa

Bundestag zu 30 Jahre Mauerfall "Verneigung vor den stillen Helden"

Stand: 08.11.2019 13:16 Uhr

Die Bundestagsfraktionen haben in einer aktuellen Stunde an den Mut der DDR-Bürger erinnert. Unions-Fraktionschef Brinkhaus sprach von einem "großen Wunder". Aber auch Fehler nach der Wiedervereinigung wurden thematisiert.

Im Bundestag haben die Abgeordneten in einer aktuellen Stunde zum 30. Jahrestag des Mauerfalls die Leistung der Ostdeutschen gewürdigt. Sie seien mit Mut und Freiheitswillen auf die Straße gegangen.

Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus nannte die friedliche Revolution von 1989 in der Debatte ein "großes Wunder". Zugleich räumte er Fehler bei der Wiedervereinigung ein. Aus der Euphorie des Mauerfalls sei Alltag geworden, Betriebe seien geschlossen worden, die Städte marode gewesen. "Es gab Brüche über Brüche", sagte Brinkhaus.

Debatte zu 30 Jahre Mauerfall
tagesschau 17:00 Uhr, 08.11.2019, Justus Kliss, ARD Berlin

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Neue Situation für ehemalige DDR-Bürger

Die Menschen der DDR seien "in eine neue Zeit gefallen" und hätten alles neu machen müssen, so Brinkhaus. Das sei nicht ausreichend gewürdigt worden - "das war wirklich der große Fehler in der Wiedervereinigung", räumte der Fraktionsvorsitzende ein. Brinkhaus erinnerte zudem an jene, die lange vor dem Herbst 1989 für Freiheit in der DDR eingetreten seien.

Zwischen dem Aufstand vom 17. Juni 1953 und dem 9. November 1989 habe es viele Menschen gegeben, die inhaftiert wurden, ihren Beruf verloren oder ihr Leben an der innerdeutschen Grenze gelassen hatten, sagte er. "Wir sollten uns auch vor diesen stillen Helden verneigen."

Unrecht in der DDR

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich würdigte den Beitrag von Polen, Ungarn, den USA und Russland für Mauerfall und Deutsche Einheit. Mit der OSZE-Charta von Paris vom November 1990 sei nach der Wiedervereinigung Deutschlands eine europäische Friedensordnung entstanden, an die sich die Gesellschaft heute für die Zukunft wieder erinnern müsse.

Der Linken-Abgeordnete Gregor Gysi sagte, "es gab auch Unrecht" in der DDR. Die Toten an der innerdeutschen Grenze seien "nicht hinnehmbar. Trotzdem lehne er den Begriff des Unrechtsstaates ab, weil dieser für die Nazi-Diktatur verwendet werde. Gysi appellierte an die Bundesregierung, 30 Jahre nach dem Mauerfall Löhne und Renten in Ost und West anzugleichen.

Kritik an Reden der AfD-Abgeordneten

Die AfD-Abgeordneten Tino Chrupalla und Leif-Erik Holm nutzten die aktuelle Stunde für Kritik an der Zuwanderungspolitik der Bundesregierung. Chrupalla warf Bundeskanzlerin Angela Merkel mangelndes Mitgefühl für die Menschen in Deutschland vor. Er träume von einem "geeinten deutschen Volk", das zu seinen Traditionen stehe "und sich nicht selbst verleugnet". Holm sagte zu den Bundestagsabgeordneten: "Jeder, der damals auf die Straße gegangen ist, hat mehr getan für die Demokratie als Sie."

Die anderen Bundestagsfraktionen warfen der AfD vor, die Gesellschaft zu spalten und erneut Mauern aufzubauen. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte, die AfD schüre Angst. Aber für sie und die Menschen auf der Straße sei es im Herbst 1989 "das Größte" gewesen, Angst zu überwinden. "Wer Angst hat und sich davon leiten lässt, kann nicht frei sein", sagte sie. "Angst kann niemals Leitidee von Politik sein." Diese Erfahrung mache die Gesellschaft stark "für viele Veränderungen, die vor uns liegen".

Forderung nach Entscheidung zur Grundrente

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte, er sei über die Reden der AfD erschrocken, die ihn "an Nazis erinnern". Die DDR bezeichnete er als Unrechtsstaat, die Einheit sei die "größte patriotische Leistung" der Deutschen. Jetzt gebe es "das beste Deutschland, das wir je hatten". "Die Zukunft liegt vor uns", sagte Kretschmer, nun müssten Ost und West sie gemeinsam gestalten.

Zugleich mahnte Kretschmer eine Entscheidung zur Grundrente an. Dies sei die Bundesregierung den Menschen im Osten schuldig.

Bundestag gedenkt Mauerfall vor 30 Jahren
Nina Amin, ARD Berlin
08.11.2019 14:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. November 2019 um 12:00 Uhr.

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