Auf einem Schild steht "Rettet unseren Planeten" | dpa

Verbände präsentieren Vorschläge 50 Maßnahmen für mehr Klimaschutz

Stand: 17.06.2021 18:44 Uhr

Mit dem neuen Klimaschutzgesetz hat sich Deutschland höhere Ziele gesetzt: Bis 2030 sollen 65 Prozent CO2 eingespart werden. Wie kann das erreicht werden? Drei Verbände präsentierten dazu ihre Ideen.

Von Sophie von der Tann, ARD-Hauptstadtstudio

Rainer Baake, Direktor der Stiftung Klimaneutralität, lobt die höhere Klimaziele im neuen Klimaschutzgesetz. Aber er warnt: Ziele allein mindern keine Treibhausgase. Er hat zusammen mit den Direktoren von Agora Energiewende und Agora Verkehrswende 50 Maßnahmen vorgestellt - Empfehlungen, wie die nächste Bundesregierung dafür sorgen kann, dass die Ziele auch eingehalten werden.

Sophie von der Tann ARD-Hauptstadtstudio

Es sei ein Mix aus Maßnahmen, sagt Baake. "Wir sind der Auffassung, dass nur ein solcher Mix am Ende in der Gesellschaft akzeptiert werden wird. Also ein Mix aus CO2-Bepreisung, aus klarem Ordnungsrecht, aus staatlicher Förderung und auch aus staatlichen Anreizen."

Hindernisse für Energiewende aus dem Weg räumen

Das heißt auch: viel mehr Investitionen - etwa in klimaneutrale Stahlfabriken, in eine Infrastruktur für Wasserstoff, in Solaranlagen und Windräder. Deshalb müsste die künftige Bundesregierung Hindernisse aus dem Weg räumen. Es brauche mehr Flächen für Windräder, schnellere Genehmigungsverfahren, einfachere Regeln für den Naturschutz. Das fordert Patrick Graichen, Direktor der Denkfabrik Agora Energiewende.

Wenn es aber darum geht, die Entscheidungen der Bürgerinnen und Bürger geht, müsse das Motto sein: "Die Zukunft ist grün und günstig." Das sei das das Ziel, so Graichen. Und dann würden auch die Investitionen von den Bürgerinnen und Bürgern in Richtung Klimaneutralität erfolgen. "Das heißt also, das Elektroauto muss günstiger sein als der Verbrenner, die Wärmepumpe ist günstiger als der Gasheizkessel."

Maßnahmen-Mix gefordert

Das bedeutet: klimafreundliche Technologien sollen günstiger werden durch Zuschüsse, klimaschädliche aber teurer - zum Beispiel, indem Subventionen abgebaut werden. Dazu gehören etwa steuerliche Privilegien für Dienstwagen. Oder durch einen CO2-Preis, der Benzin und Diesel verteuert. Es gehe um einen Mix der Maßnahmen.

Mehr E-Autos, mehr Güterzüge

Ein Bereich muss dabei besonders aufholen - der Verkehrssektor. Bis 2030 müsste jeder dritte Pkw elektrisch fahren, doppelt so viele Menschen müssten mit der Bahn fahren, viel mehr Güter mit Zügen transportiert werden, sagt Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende. Die Bundesregierung müsse sich für ambitionierte Klimapolitik einsetzen, das nutze auch Unternehmen. "Lasche Klimapolitik erweist der Industrie einen Bärendienst. Ständiges Nachsteuern, wie wir es in den letzten Jahren und Jahrzehnten erlebt haben, ist Gift für die Planungen über eine Legislaturperiode hinaus."

Hochfeld hat hohe Erwartungen an die kommende Bundesregierung: Sie könne in die Geschichte eingehen, sagt er. Entweder als die Regierung, die Deutschland auf den klimaneutralen Kurs bringt. Oder die das Erreichen der Klimaziele unmöglich macht.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. Mai 2021 um 11:20 Uhr.