Plakat in Fußballstadion fordert Rückkehr der Fans | Bildquelle: dpa

DFL-Konzept abgelehnt Vorerst keine Fans in den Stadien

Stand: 10.08.2020 19:25 Uhr

Die Fußball-Bundesliga muss sich weiter gedulden. In absehbarer Zeit wird es keine Spiele vor Fans in den Stadien geben. Die steigenden Corona-Zahlen sprechen dagegen, heißt es in einer Empfehlung der Gesundheitsminister.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) ist vorerst mit ihrem Konzept für Bundesligaspiele mit Fans gescheitert. "Tausende Zuschauer in den Stadien - das passt nicht zum aktuellen Infektionsgeschehen", schrieb Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf Twitter. Das Konzept der DFL sei zwar in der Theorie gut, während einer Pandemie sei aber die Praxis entscheidend. Es gehe darum, keine vermeidbare Risiken einzugehen, teilte Spahn weiter mit.

"Gute Grundlage", aber derzeit nicht umsetzbar

Auch die Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsminister der Länder lehnen die Rückkehr der Fans in die Stadien ab. Bei ihrer Konferenz seien alle einstimmig dieser Ansicht gewesen, so die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci. Die Pläne der DFL seien zwar eine "gute Grundlage", aber derzeit nicht umsetzbar. Zum einen habe man die Gesundheitsämter im Blick, die sich derzeit um die Kontaktnachverfolgung von Urlaubern sowie bei Ausbrüchen an Schulen kümmern müssten. Hier wolle man eine Überlastung vermeiden, sagte die SPD-Politikerin.

Zum anderen sehe man die An- und Abreise bei den Spielen als problematisch an. Hier könnten große Menschenansammlungen weder ausgeschlossen noch kontrolliert werden, sagte Kalayci. Grundsätzlich seien deswegen vor dem 31. Oktober Bundesligaspiele mit Zuschauern vor Ort nicht vorstellbar.

Entscheidung über Fans in Stadien wird vertagt
tagesschau24 11:00 Uhr, 11.08.2020, Esther Neumeier, RBB

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Marburger Bund warnt, Ministerpräsidenten uneins

Der Ärzteverband Marburger Bund hatte bereits zuvor eindringlich vor einer Rückkehr der Fußballfans in die Stadien gewarnt. "Die Gefahr von Massenansteckungen wäre real", sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Johna der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Johna sagte, sie halte es für "unrealistisch", dass der DFL-Plan Ansteckungen verhindern könne. Ein einziger Infizierter unter den Fans könne zur Folge haben, dass sich das Virus "wie ein Lauffeuer" ausbreite. Dass die Fans auf ihren Sitzen sitzen blieben, wenn ihre Mannschaft ein Tor schieße, könne sie sich nicht vorstellen: "Da liegt man sich in den Armen und denkt nicht an Corona."

Aus den Reihen der Ministerpräsidenten werden die DFL-Pläne weiter unterschiedlich bewertet. Sachsens Landeschef Michael Kretschmer äußerte sich am Mittag durchaus positiv. "Ich bin der Meinung, man muss ihnen jetzt die Chance geben, diese Sache zu erproben", sagte der CDU-Politiker im ARD-Mittagsmagazin. Es sei wichtig, "dass wir jetzt auch an diesem Punkt einen Schritt nach vorn gehen".

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zeigte sich dagegen weiter kritisch. "Ich habe mich sehr für den Start von Geisterspielen eingesetzt, das läuft auch hervorragend. Aber bei vollen Stadien zum Bundesliga-Start bin ich außerordentlich skeptisch. Ich kann es mir derzeit nicht vorstellen", sagte der CSU-Politiker. Er wolle dies auf einer Ministerpräsidentenkonferenz Ende August besprechen.

Die Bundesliga, die 2. Bundesliga und die 3. Liga starten am dritten Septemberwochenende in die neue Saison. Eine Woche davor steht die erste Runde im DFB-Pokal an. Das Konzept der DFL sah vor, zunächst eine reduzierte Zahl von Fans in die Stadien zu lassen - ohne Stehplätze, ohne Alkohol und ohne Gästefans. Tickets sollten nur personalisiert verkauft werden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. August 2020 um 09:02 Uhr.

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