Maschinen vom Typ Boeing 737-800 des irischen Billigfliegers Ryanair auf dem Vorfeld des Flughafens Frankfurt-Hahn, Archivbild | Bildquelle: picture alliance / dpa

Studie des BUND "Sieben Flughäfen sofort schließen"

Stand: 19.08.2020 17:00 Uhr

Sieben von 14 Regionalflughäfen haben nach Ansicht des BUND keine Zukunft. Die Airports seien finanziell nicht überlebensfähig und hätten keine Bedeutung für die internationale Verkehrsanbindung.

Von Uli Hauck, ARD-Hauptstadtstudio

Palma de Mallorca, Westerland auf Sylt und Mannheim-Neuostheim: Das sind die drei Flüge, die heute vom Flughafen Kassel-Calden abheben. 150 Kilometer weiter östlich, am Flughafen Erfurt-Weimar ist heute Morgen sogar nur ein Flieger in Richtung Debrecen, Ungarn abgehoben.

Diese Beispiele zeigen die oftmals geringe Auslastung. Die Umweltorganisation BUND und das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) haben nun in einer gemeinsamen Studie die Regionalflughäfen auf Wirtschaftlichkeit, Konnektivität und Klimalast untersucht. Sieben der untersuchten 14 Regionalflughäfen sollten sofort geschlossen werden, fordert der Vorsitzende der Umweltorganisation BUND, Olaf Bandt. Sie könnten nicht wirtschaftlich betrieben werden, und hätten für die Anbindung an den internationalen Luftverkehr keinen Nutzen. "Wir fordern den Stopp aller Bezuschussung und Begünstigung aus Steuergeldern von Regionalflughäfen in Deutschland und in der EU", sagt Bandt.

200 Millionen Euro an Subventionen

Nach BUND-Berechnungen sind zwischen 2014 und 2018 über 200 Millionen Euro an Subventionen zur Stützung der Regionalflughäfen geflossen. Und das, obwohl viele gar nicht dafür genutzt werden, ihre Regionen verkehrstechnisch besser an große Drehkreuze anzubinden.

"Nur drei von diesen Flughäfen hatten im Sinne einer Gesamtverkehrsplanung in der Mobilität für Deutschland in Richtung internationale Verkehre einen Nutzen", sagt Bandt. Lediglich die Flughäfen in Bremen, Dresden und Memmingen konnten überzeugen.

Der BUND würde sofort neben Kassel-Calden und Erfurt auch die Airports in Saarbrücken, Frankfurt-Hahn, Niederrhein-Weeze, Paderborn/Lippstadt und Rostock-Laage schließen. Stattdessen sollte es ein bundesweites Alternativkonzept mit acht großen Flughäfen und regelmäßigen, schnellen Zugverbindungen geben. Doch das ist politisch vermutlich nicht gewollt.

Vier Millionen Tonnen CO2 im Jahr

Würden die Beihilferegeln der EU - gerade nach der Corona-Krise - weiter verschärft, würden viele Regionalflughäfen nicht überleben, ist sich Matthias Runkel vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft sicher. Er spricht schon jetzt von "Zombie-Flughäfen", die sich überhaupt nicht selbst tragen können. "Das wird die spannende Frage sein, wie dann damit umgegangen wird", sagt er.

Über vier Millionen Tonnen CO2 ist nach BUND-Berechnungen allein an den Regionalflughäfen entstanden. BUND-Verkehrsexperte Werner Reh sieht hier auch die Urlauber in der Pflicht. Sie sollten sich über ihren CO2-Verbrauch Gedanken machen. So sei eine Reise nach Ägypten mit einem guten halben Jahr Autofahren vergleichbar.

System soll ausgebaut werden

Während der BUND die Zahl der Regionalflughäfen drastisch reduzieren will, spricht sich der Verband der Flughafenbetreiber ADV für das bestehende System aus großen und kleinen Flughäfen aus. Er will es nur weiterentwickeln.

BUND-Studie zu Regionalflughäfen
Uli Hauck, ARD Berlin
19.08.2020 15:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 19. August 2020 um 16:39 Uhr.

Korrespondent

Uli Hauck | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo SR

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