Touristen auf Mallorca | REUTERS

Nach Kritik an Mallorca-Tourismus Bund prüft Verbot von Urlaubsreisen ins Ausland

Stand: 24.03.2021 16:41 Uhr

Nach massiver Kritik daran, die Urlaubsinsel Mallorca von der Liste der Corona-Risikogebiete zu streichen, prüft die Regierung ein vorübergehendes Verbot von Urlaubsreisen ins Ausland. Dabei gebe es aber "große verfassungsrechtliche Hürden".

Die Bundesregierung prüft, ob Reisen in beliebte Urlaubsgebiete im Ausland wegen der Corona-Pandemie vorübergehend unterbunden werden können. "Das wird jetzt von den zuständigen Ressorts überprüft", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin. Es bestünden aber "große verfassungsrechtliche Hürden", fügte sie einschränkend hinzu.

Hintergrund ist der vorübergehende Buchungsboom für Mallorca nach der Streichung der Lieblingsinsel der Deutschen von der Liste der Corona-Risikogebiete am 14. März. Damit wurde auch die Reisewarnung des Auswärtigen Amts aufgehoben. Der Schritt erfolgte, weil die Zahl der Neuinfektionen dort unter 50 pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gesunken war. Damit ist der Urlaub auf Mallorca wieder ohne Quarantäne und Testpflicht bei der Rückkehr möglich.

Parteiübergreifende Kritik

Beim Bund-Länder-Treffen am Montag hatte Justizministerin Christine Lambrecht noch argumentiert, dass ein Verbot der Urlaubsflüge unmöglich sei. Allerdings wurde entschieden, dass künftig für alle Flugpassagiere, die nach Deutschland einreisen, eine Testpflicht eingeführt werden soll. Der Prüfauftrag der Bundesregierung geht nun darüber hinaus. Details der Prüfung nannte Regierungssprecherin Demmer nicht. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte aber, dass eine weltweite Reisewarnung wie zu Beginn der Pandemie im vergangenen Frühjahr bisher nicht geplant sei.

Die SPD-Fraktion reagierte ablehnend auf die nun diskutierten Restriktionen. Ein generelles Verbot von Reisen in beliebte Urlaubsgebiete im Ausland werde es mit ihr nicht geben, sagte der parlamentarische Geschäftsführer Carsten Schneider der Nachrichtenagentur dpa. "Generell Reisen ins Ausland zu verbieten, geht über sinnvolle Schutzmaßnahmen hinaus, ist unverhältnismäßig und trägt zur weiteren Verunsicherung der Bevölkerung bei."

Zuvor hatte der wiedererstarkte Reiseboom nach Mallorca parteiübergreifend Kritik ausgelöst. "Es ist nicht gut, dass jetzt in dieser Situation solche Urlaubsreisen stattfinden", sagte Vizekanzler Olaf Scholz. Mit Blick auf Beschränkungen in Deutschland sagte er, es sei nicht richtig, dass dann "einige" anderswo in die Welt reisten.

"Einer der schlimmsten Fehler"

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke kritisierte die Entscheidung der Bundesregierung, die Reisewarnung für Mallorca aufzuheben, scharf: "Das ist einer der schlimmsten Fehler, die in den letzten Wochen gemacht worden sind", so der SPD-Politiker im Interview mit dem Sender BB-Radio. "Es sind viele Fehler gemacht worden, aber dieser Fehler hat - was das Verständnis für die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung betrifft - richtig reingeschlagen." Jedes Risiko müsse ausgeschlossen werden und internationale Flugreisen erhöhten in jedem Fall das Risiko, so Woidke. "Mallorca wird als Viren-Inkubator in die Geschichte eingehen."

Auch die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, Armin Laschet und Winfried Kretschmann, hatten kritisiert, dass die Mallorca-Flüge für Urlauber nicht gestrichen werden, zugleich aber Urlaub im eigenen Land nicht möglich sein soll.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, wies auf die Gefahren von Reisen im Kampf gegen die Pandemie hin. "Wir können diese Pandemie nur einschränken dadurch, dass wir die Kontakte so weit wie möglich reduzieren." Mobilität trage dazu bei, dass sich die Krankheit ausbreite. "Jeden Tag, den wir mehr impfen und jeden Tag, den wir weniger reisen, verkürzt uns einfach die Zeit der Pandemie", so Wieler. Die Pandemie könne man nur gemeinsam in den Griff bekommen, wenn auch alle mitmachten.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. März 2021 um 17:40 Uhr.

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KOMMENTARE

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Geerdeter 24.03.2021 • 19:16 Uhr

Früher oder später werden

Alle drauf kommen. Mobilität ist des Virus‘ Freund und des Menschen Leid. Wir müssen mal eine Zeit lang auf unserem Hosenboden hocken bleiben um das Virus in Schach zu halten, sonst geht das ewig so weiter. Bei den aus Mobiltätsgründen resultierenden Mutationen des Virus hilft auch auf Dauer keine Impfung. Das Virus mutiert um ein Vielfaches schneller, als das wir die Impfstoffe anpassen könnten. China hat aus meiner Sicht richtig reagiert und tut das auch noch heute. Tritt das Virus in Erscheinung, wird dichtgemacht. So geht’s und nicht anders. Hart - aber wirkungsvoll! Das ewige Mimimimi-Gejammer aus allen Richtungen wird wohl nur dem Virus was bringen.