Bluttest zur Brustkrebserkennung an der Universitätsklinik Heidelberg | Bildquelle: dpa

Krebs-Früherkennung Brustkrebs-Bluttest doch nicht marktreif

Stand: 22.03.2019 15:18 Uhr

Vor einigen Wochen meldeten Experten aus Heidelberg, es gebe eine neue Methode zur Früherkennung von Brustkrebs - einen Bluttest. Doch jetzt rudert die Uniklinik zurück.

Von Veronika Simon, SWR

Diese Meldung sorgte für einem Monat für Wirbel: Ein Bluttest Brustkrebs-Früherkennung komme noch in diesem Jahr auf den Markt, hieß es damals. Nun rudert die Uniklinik Heidelberg zurück. Man habe Frauen womöglich falsche Hoffnungen gemacht, sagte eine Sprecherin der Klinik. Dafür würden sie sich entschuldigen.

Kritik von Fachgesellschaften

Im Februar hatte ein ausgegliedertes Unternehmen der Uniklinik medienwirksam erklärt, die Markteinführung des Bluttests sei noch in diesem Jahr geplant - das wird laut einer Sprecherin nicht der Fall sein. Mehrere Fachgesellschaften hatten scharfe Kritik an der PR-Arbeit der Uniklinik und dem zugehörigen Unternehmen geübt. Die Ergebnisse der Tests an Frauen sind bisher nämlich noch nicht in einem begutachteten Fachjournal publiziert worden.

Auch die Uniklinik distanzierte sich von der PR-Strategie. Die Medienbegleitung hatte die Heiscreen GmbH verantwortet - an der die Projektleiter, Professor Christof Sohn und Professorin Sarah Schott, jeweils Anteile von vier bzw. sieben Prozent halten.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) erklärte, die angegebenen Daten aus der Pressemitteilung würden für eine Einschätzung nicht ausreichen, sie seien nicht vollständig. Ein weiterer Kritikpunkt: Die Studie war im Februar noch gar nicht abgeschlossen und es fehlten zum Beispiel Angaben dazu, wie häufig Gesunde mit dem Test fälschlicherweise als krank eingestuft werden.

Daten nicht zufriedenstellend

Und selbst die vorhandenen Daten seien nicht zufriedenstellend, erklärte das DKFZ. Gerade bei Frauen über 50 läge die Trefferquote der Tests gerade einmal bei 60 Prozent. Bei jüngeren Patientinnengruppen waren die Ergebnisse zwar besser, aber gerade Frauen über 50 haben eben das größte Brustkrebsrisiko.

Ob der Test in Zukunft das bestehende Brustkrebs-Screening durch Mammografien ergänzen oder ersetzen kann, ist nach der Einschätzung der Experten unklar. Die Uniklinik Heidelberg will den Fall jetzt intensiv aufklären und neue Regeln aufstellen, wie angehörige Firmen ihre Forschungsergebnisse in Zukunft an die Öffentlichkeit bringen sollen, ohne unrealistische Hoffnungen zu wecken.

Über dieses Thema berichtete SWR2 "Impuls" am 22. März 2019 um 16:05 Uhr.

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