Kerzen und Blumen liegen in der Nähe des Weihnachtsmarkts an der Gedächtniskirche | Bildquelle: AP

Mutmaßlicher Terror in Berlin Fassungslosigkeit, Trauer und Entsetzen

Stand: 20.12.2016 10:52 Uhr

Berlin steht unter Schock. Nach dem mutmaßlichen Terroranschlag auf einen Weihnachtmarkt mit zwölf Toten wird nun über die Motive gerätselt. Das Innenministerium ordnete bundesweite Trauerbeflaggung an.

Nach der Todesfahrt eines Lkw auf einem Berliner Weihnachtsmarkt deutet vieles auf einen Anschlag hin. Die Polizei sprach am Morgen nach der Tat von einem "vermutlich terroristischen Anschlag", einen Unfall schlossen die Ermittler aus. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ordnete für Dienstag bundesweite Trauerbeflaggung an. Wie sein Ministerium mitteilte, gilt die Weisung für sämtliche Behörden unter Bundesaufsicht. Dies geschehe "als Zeichen der Anteilnahme nach der Gewalttat auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin am gestrigen Abend".

Am Montagabend war ein Lastwagen auf einen Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast. Dabei wurden mindestens zwölf Menschen getötet. Weitere 49 Menschen lagen am Morgen zum Teil schwer verletzt in Krankenhäusern.

Mutmaßlicher Fahrer benutzte mehrere Identitäten

Der dunkle Lastwagen mit polnischem Kennzeichen fuhr laut Polizei gegen 20 Uhr auf einer Strecke von 50 bis 80 Metern über den Markt und zerstörte dabei mehrere Stände. Ein weiterer Mann, der auf dem Beifahrersitz saß, starb laut Polizei vor Ort. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter sagte, er sei erschossen worden. Er berief sich auf Erkenntnisse der Ermittlungsbehörden. Bei dem Erschossenen handelt es sich demnach vermutlich um den polnischen Kraftfahrer, der den Lastwagen aber nicht gesteuert haben soll.

Der mutmaßliche Fahrer des Lkw, der auf der Flucht vom Tatort festgenommen worden war, kommt nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios, das sich auf Sicherheitskreise beruft, aus Pakistan. Er ist demnach 23 Jahre alt und am 31. Dezember 2015 in Passau nach Deutschland eingereist. Nach dpa-Informationen soll der Mann mehrere Identitäten genutzt haben. Laut Reuters lebte er in der Flüchtlingsunterkunft auf dem früheren Berliner Flughafen Tempelhof. Er sei der Polizei wegen kleinerer Delikte bekannt gewesen. Der für den Staatsschutz zuständige Generalbundesanwalt in Karlsruhe übernahm die Ermittlungen. Für den Nachmittag kündigte er eine Pressekonferenz an.

Tagesschau-Sondersendungen

Über die Ereignisse in Berlin berichtet das Erste heute wie folgt:
12.00 - 15.10: Tagesschau
16.00 - 16.07: Tagesschau
17.00 - 18.00: Tagesschau
18.00: Gottesdienst in der Berliner Gedächtniskirche
20.00: Tagesschau
20.15 - 20.45: Brennpunkt
22.15: Tagesthemen extra
23.30: Tagesthemen
Informationen rund um die Uhr finden Sie im Digitalprogramm tagesschau24, bei tagesschau.de, auf der tagesschau-App und im ARD-Text

Polizei: Keine Fotos verbreiten

Der Lastwagen gehörte einer polnischen Spedition, wie deren Eigentümer Ariel Zurawski dem polnischen Sender TVN 24 sagte. Der Lastwagen hatte Stahlkonstruktionen aus Italien nach Berlin transportiert. Wegen einer Verzögerung habe der Fahrer bis zum Dienstag warten müssen und den Lastwagen in Berlin geparkt, so Zurawski. Die Berliner Polizei teilte dagegen mit, es bestehe der Verdacht, dass der Sattelschlepper in Polen von einer Baustelle gestohlen worden sei.

Der Lkw sollte am Morgen zur Spurensicherung abgeholt werden. Die Unglücksstelle in der Nähe der Gedächtniskirche war weiträumig abgesperrt. Die Polizei bat auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, aus Pietätsgründen keine Fotos davon zu verbreiten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Dezember 2016 um 09:00 Uhr.

Darstellung: