Dünger wird auf einer Ackerfläche ausgebracht. | Bildquelle: dpa

Spekulation mit Ackerland Bauern ohne Böden

Stand: 05.03.2020 21:22 Uhr

Ackerflächen sind rar - und Finanzinvestoren treiben die Preise in die Höhe. Das gefährdet die Existenz vieler Höfe. Agrarministerin Klöckner sieht die Länder in der Pflicht.

Von Claudia Plaß, ARD-Hauptstadtstudio

Ve Spindler bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb in Südwestmecklenburg. 25 Milchkühe plus Nachzucht leben auf dem Siebengiebelhof in Drenkow. Zum Hof, auf dem überwiegend Frauen arbeiten, gehören 110 Hektar Acker und Grünland. Die Flächen sind gepachtet.

Seit Jahren steigen die Pachtpreise in Deutschland. Oft sind Flächen für Landwirte nicht mehr bezahlbar. Das ist auch für Spindler ein Problem. Ein Pachtvertrag für 21 Hektar Ackerland und zehn Hektar Grünland sei ausgelaufen, erzählt sie. Vor Ablauf des Pachtvertrages wurde ihr mitgeteilt, "dass eine Pachterhöhung gewünscht ist, und ob wir mehr zahlen könnten".

Der angebotene Preis habe dem Verpächter aber nicht gereicht, sagt Spindler. Der langjährige Pachtvertrag sei aufgehoben und das Land an den Höchstbietenden weiterverpachtet worden.

Finanzinvestoren treiben Preise in die Höhe

Landwirtschaftliche Flächen in Deutschland sind knapp und werden immer teurer. Die Pacht-, aber vor allem die Kaufpreise für Ackerland sind seit 2005 in die Höhe geschnellt. Nach Angaben des Bundesagrarministeriums stieg der Preis für einen Hektar Land seitdem um 193 Prozent auf durchschnittlich mehr als 25.000 Euro.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner kritisiert, dass Finanzinvestoren besonders seit der Finanzkrise 2007 Grünland und Äcker gekauft und so die Preise in die Höhe getrieben hätten. Böden seien zunehmend zum Spekulationsobjekt für Finanzinvestoren geworden.

Die CDU-Politikerin mahnt, die Böden müssten "dahin kommen, wo sie hingehören, nämlich in Bauernhand. Denn besonders die junge Generation, unsere Landwirtinnen und Landwirte brauchen faire Chancen beim Erwerb wertvoller Ackerflächen".

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner | Bildquelle: dpa
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Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner will die Länder in die Pflicht nehmen.

Viele Betriebe erzielen kaum noch Gewinne

Andreas Tietz ist Bodenexperte des staatlichen Thünen-Instituts. Das Institut hat vor einigen Jahren mehrere ostdeutsche Landkreise untersucht und festgestellt, dass ein immer größerer Anteil der landwirtschaftlich genutzten Flächen Investoren gehört. Nicht nur mit Blick auf Ostdeutschland sieht Tietz insgesamt durch die steigenden Preise gravierende Folgen für die Landwirtschaft.

"Wir erleben immer häufiger, dass kleine landwirtschaftliche Betriebe ihre Landwirtschaft nicht mehr fortführen können, weil sie keine Gewinne mehr daraus erzielen" sagt Tietz. "Die Gewinne müssen abgeführt werden an den Bodeneigentümer."

Klöckner: Gesetzeslücken schließen

Klöckner will strengere gesetzliche Regeln, damit nicht Banken, Einzelhandelsunternehmen oder Versicherungen auch angesichts niedriger Zinsen Ackerflächen aufkaufen. Das Problem: Durch rechtliche Lücken können Investoren Vorkaufsrechte für Landwirte umgehen, ebenso die Zahlung von Grunderwerbssteuer.

Dazu kommt, dass immer mehr Agrarsubventionen aus der EU an die Eigentümer, anstatt an bäuerliche Betriebe gingen. "Und das wirkt doppelt negativ für die Landwirte", sagt Klöckner. "Denn die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Förderinstrumente ist in Gefahr."

Entsprechende Gesetzeslücken müssten geschlossen werden, fordert die Ministerin. So müssten Käufe von Investoren am Bodenmarkt wirksam kontrolliert und Wettbewerbsverzerrungen bei der Grunderwerbssteuer beseitigt werden. Sie sieht dabei auch die Länder in der Pflicht. Die seien zuständig für das landwirtschaftliche Bodenrecht.

Landwirtin Spindler sieht die Bundesregierung in der Verantwortung. Sie fordert, Spekulationen mit Ackerflächen zu stoppen, um kleine bäuerliche Betriebe zu erhalten.

Boden und Bauern - Klöckner will Spekulationen um Flächen eindämmen
Claudia Plaß, ARD Berlin
05.03.2020 20:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. März 2020 um 11:37 Uhr.

Korrespondentin

Claudia Plaß | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo NDR

Claudia Plaß, NDR

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