Der Fußball-Profi und ehemalige Nationalspieler Jerome Boateng steht zu Beginn des Prozesses gegen ihn im Amtsgericht München. | dpa

1,8 Millionen Euro Strafe Boateng wegen Körperverletzung verurteilt

Stand: 09.09.2021 20:22 Uhr

Er hatte die Vorwürfe bestritten und auf Freispruch plädiert - doch nun ist Jérôme Boateng zu einer Millionenstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht München sah es als erwiesen an, dass er seine frühere Lebensgefährtin geschlagen habe.

Das Amtsgericht München hat den Ex-Nationalspieler Jérôme Boateng wegen Körperverletzung an seiner früheren Lebensgefährtin schuldig gesprochen. Es verhängte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 30.000 Euro - das ist der höchstmögliche Tagessatz. Insgesamt muss er demnach 1,8 Millionen Euro zahlen.

Faustschlag ins Gesicht

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren gefordert - und eine Geldauflage von 1,5 Millionen Euro. Sie wirft ihm vor, seine Ex-Lebensgefährtin im Juli 2018 bei einem Urlaub auf den Turks- und Caicosinseln in der Karibik attackiert zu haben. Laut Anklage soll er sie geschlagen, geboxt, ihr in den Kopf gebissen, sie auf den Boden geschleudert und dabei heftig beleidigt haben. Die Vorwürfe lauteten auf Beleidigung und Körperverletzung.

Das Gericht ging allerdings in seinem Urteil nur von "einem Faustschlag" ins Gesicht aus.

Jérôme Boateng

Der 33-jährige Jérôme Boateng ist einer der erfolgreichsten deutschen Fußballer der vergangenen Jahre. Mit seinem langjährigen Verein Bayern München gewann er mehrere Meistertitel, den DFB-Pokal und 2013 auch die Champions League. Mit der Fußball-Nationalmannschaft wurde Boateng 2014 Weltmeister in Brasilien und wurde 2016 zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt.
Im Sommer wechselte er zum französischen Verein Olympique Lyon. Er ist Multimillionär, was auch die Höhe der Geldstrafe erklärt: Die geforderte Geldauflage ergibt sich nach Angaben der Staatsanwältin daraus, dass sie davon ausgeht, dass er beim FC Bayern München 33.000 Euro pro Tag verdiente. Das habe sie Medienberichten entnommen. Auch nach seinem Wechsel zu Olympique Lyon verdiene er mindestens 20.000 Euro am Tag.

Ein Sachverständiger hatte mit seiner Einschätzung die Schilderung des mutmaßlichen Opfers gestützt. "Die Befunde, die hier dokumentiert wurden, lassen sich weitgehend übereinstimmend mit der Hergangsschilderung der Nebenklägerin in Einklang bringen", sagte der Mediziner vor dem Amtsgericht: Ein blaues Auge, das die Frau an jenem Abend davontrug, sei mit ihrer, aber nicht mit Boatengs Schilderung des Abends in Einklang zu bringen.

"Gemeinsame toxische Beziehung"

Boateng hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und betont, er habe seine Ex-Freundin nie geschlagen. Er habe sie nur von sich weggestoßen, als sie auf ihn losgegangen sei. Dabei sei sie dann gestolpert. Sein Verteidiger beantragte Freispruch.

Staatsanwältin Stefanie Eckert bezeichnete die Frau als "Opfer häuslicher Gewalt". Allerdings sei nicht nur sie Opfer geworden, sondern auch Boateng - "Opfer ihrer gemeinsamen toxischen Beziehung". Boateng und seine Ex-Freundin befinden sich außerdem in einem laufenden Rechtsstreit um das Aufenthaltsbestimmungsrecht der gemeinsamen Töchter, die derzeit bei Boateng leben. Das meldet der Sportinformationsdienst SID.

Boateng nahm die Entscheidung äußerlich gelassen entgegen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. September 2021 um 20:30 Uhr.