Hessen, Fulda: Die Statue des heiligen Bonifatius steht vor einem regenschweren Himmel. | Bildquelle: dpa

Katholische Kirche Bis zu 50.000 Euro für Missbrauchsopfer

Stand: 24.09.2020 16:05 Uhr

In der katholischen Kirche gibt es künftig ein einheitliches Entschädigungsmodell für Opfer von sexuellem Missbrauch. Darauf einigte sich die Bischofskonferenz. Opfervertreter sehen aber sowohl das Verfahren als auch die Summen kritisch.

Die deutschen Bischöfe haben sich auf ein einheitliches Verfahren zur Anerkennung des Leides von Missbrauchsopfern in der katholischen Kirche verständigt. Künftig sollen Betroffene auf Antrag Ausgleichszahlungen von bis zu 50.000 Euro bekommen. Das teilte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Georg Bätzing, zum Abschluss der Herbstvollversammlung in Fulda mit.

Dabei werde es sich um Einmalzahlungen handeln, die für jeden Betroffenen durch ein unabhängiges Entscheidungsgremium individuell festgelegt würden, sagte Bätzing. Bei der Höhe orientieren sich die Bischöfe wie bereits im März angekündigt an Urteilen staatlicher Gerichte zu Schmerzensgeldern. Zusätzlich könnten Betroffene Kosten für Therapie- oder Paarberatung erstattet bekommen.

Neues Gremium

All diese Leistungen würden künftig durch ein zentrales und unabhängig besetztes Gremium festgelegt. Diesem Gremium sollen sieben Frauen und Männer angehören. Es werde mit Fachleuten aus Medizin, Recht, Psychologie und Pädagogik besetzt, sage Bätzing. Die Mitglieder dürften nicht bei der Kirche angestellt und damit von ihr abhängig sein.

Das Gremium werde nicht nur die Leistungshöhe festlegen, sondern auch die Auszahlung der Summen anweisen. Auf diesem Wege solle das Verfahren beschleunigt werden, was viele Betroffene angemahnt hätten. Das Verfahren soll zum 1. Januar 2021 starten.

Bislang kein einheitliches Vorgehen

Bätzing teilte weiter mit, dass auch der Betroffenenbeirat bei der Bischofskonferenz seine Arbeit aufnehmen kann. Er solle sich im November konstituieren. Ein Auswahlgremium aus mehrheitlich nichtkirchlichen Mitgliedern habe sich auf zwölf Personen verständigt, die zukünftig gezielt die Interessen der Betroffenen in die Arbeit der Bischofskonferenz einbringen können.

Es war das erklärte Ziel der Bischöfe, sich bei dem Treffen in Fulda auf konkrete Anerkennungszahlungen für die Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Priester zu einigen. "Es geht uns um ein einheitliches System", hatte Bätzing betont.

Bisher gab es kein einheitliches Vorgehen der deutschen Bistümer, weshalb Opfer je nach Ort unterschiedliche Leistungen bekamen. Diese Uneinheitlichkeit und teils nur geringfügigen Zahlungen sorgten für viel Kritik.

Kritik von Opfervertretern

Opfervertreter wie die Initiative Eckiger Tisch kritisierten aber auch die neuen Pläne der Bischöfe zuletzt scharf. Sie verwiesen dabei auch auf eine Verständigung aus dem vergangenen Jahr, wonach bis zu 400.000 Euro pro Opfer fließen könnten. Dazu bemängelten sie, dass sie in die neuen Überlegungen nicht einbezogen worden seien.

Noch kritischer als die Summen sieht der Sprecher der Initiative, Matthias Katsch, zudem die Verfahren, denen sich die Opfer unterziehen müssten, um das Geld erhalten zu können. Hier sei eine "tiefe Retraumatisierung" in unprofessionellen Settings zu befürchten.

Eine vor zwei Jahren von der Deutschen Bischofskonferenz vorgestellte Studie hatte ergeben, dass zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 meist männliche Minderjährige missbraucht haben sollen. Dies gilt aber nur als die Spitze des Eisbergs.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau und tagesschau24 am 24. September 2020 um 16:00 Uhr.

Darstellung: