Die Teilnehmer der Deutschen Bischofskonferenz bei ihrer Versammlung in Fulda. | dpa

Deutsche Bischofskonferenz "Das Thema Missbrauch lässt uns nicht los"

Stand: 23.09.2021 15:41 Uhr

Als Reaktion auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hat die Bischofskonferenz eine verbesserte Personalaktenführung beschlossen. Zudem soll das Verfahren zur Anerkennung des Leids von Opfern sexualisierter Gewalt überprüft werden.

Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben einheitliche Standards für das Führen der Personalakten von Priestern beschlossen. Damit werde künftig eine lückenlose und manipulationssichere Dokumentation aller Personalvorgänge im Raum der Kirche garantiert, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing. "Wir hatten hier erheblichen Nachholbedarf, weil sich gezeigt hat, dass es in der Vergangenheit vielfach sehr mangelhafte Aktenführung gab."

Die neue Personalaktenordnung (PAO) soll demnach zum 1. Januar 2022 in allen 27 Diözesen in Kraft treten. Auf ihrer Grundlage sei es möglich, dass Missbrauchsbeschuldigungen künftig in allen Diözesen "verbindlich, einheitlich und transparent dokumentiert" werden, so Bätzing. Auch der Missbrauchs-Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz habe sich für die neuen Regeln ausgesprochen.

Lückenlose Aktenführungen sollen garantiert werden

Die Personalaktenordnung standardisiert beispielsweise auch die Auskunftsmöglichkeiten zwischen verschiedenen Bistümern, etwa wenn Priester in mehreren Bistümern tätig war. Darüber hinaus verständigte sich die Vollversammlung auf verbindliche Grundsätze, um den neuen, unabhängigen Aufarbeitungskommissionen Auskünfte und Einsichten in Personalakten zu gewähren. Hierbei geht es nicht nur um Geistliche, sondern um alle kirchlichen Mitarbeiter. Die Diözesen sollen nun entsprechende Regeln zu den Auskunftsrechten nach dem Vorbild einer Musterordnung erlassen, hieß es.

Hintergrund der neuen Regeln sind vor allem die Erkenntnisse der Missbrauchsaufarbeitung, etwa bei der MHG-Studie 2018. So wurden in der Vergangenheit vielfach Akten manipuliert, Seiten entfernt oder Hinweise auf Missbrauchtstaten und deren Meldung vernichtet.

Die neuen Regeln sollen nun fälschungssichere und lückenlose Aktenführungen garantieren. So ist etwa festgeschrieben, dass alle Aktenseiten durchnummiert werden.

Verfahren soll überprüft werden

Die katholischen Bischöfe wollen zudem das Verfahren zur Anerkennung des Leids von Opfern sexualisierter Gewalt noch einmal überprüfen. Grundsätzlich wollten sie aber am bestehenden System festhalten, sagte Bätzing. "Wir verstehen, dass Betroffene durch lange Bearbeitungszeiten erneut Retraumatisierung erleiden können", fügte Bätzing hinzu. "Wir sehen, dass Erwartungen enttäuscht werden und dass dies schmerzlich ist. Das bedauern wir sehr."

Mitte Oktober sei deshalb ein Gespräch zwischen Vertretern des Betroffenenbeirats, der Unabhängigen Anerkennungskommission (UKA), der Deutschen Ordensoberkonferenz und der Bischofskonferenz anberaumt. Dabei sollten die Kritikpunkte noch einmal diskutiert und mögliche Maßnahmen besprochen werden.

"Das Thema Missbrauch lässt uns nicht los", sagte Bätzing. "Wir können angesichts dieses dunkelsten Kapitels nicht zur Tagesordnung übergehen."

Bischöfe halten an Anerkennungsleistungen fest

Grundsätzlich halten die Bischöfe aber daran fest, die Anerkennungsleistungen im Rahmen der in Deutschland üblichen gesetzlichen und gerichtlichen Bedingungen zu zahlen, so der Limburger Bischof. "Das Verfahren ist transparent, die Mitglieder der Kommission sind ebenso bekannt wie die Kriterien, die berücksichtigt werden", unterstrich der Limburger Bischof. "Auch die Leistungshöhe wurde deutlich angehoben." So sollten sich die festgesetzten Leistungen am "oberen Bereich" der Schmerzensgeldtabellen orientieren.

Kürzlich hatte der Betroffenenbeirat der Bischofskonferenz gefordert, das Verfahren noch einmal zu reformieren. Aktuell führe es zu zahlreichen Retraumatisierungen bis hin zu Krankenhausaufenthalten, gehe zu langsam und sei intransparent und ungerecht. Viele Bescheide fielen zudem "für die Beteiligten unverständlich und unangemessen gering" aus.

Im September 2020 hatten die Bischöfe das System der "Anerkennungsleistungen" für Betroffene sexualisierter Gewalt grundsätzlich reformiert. Wer als Kind und Jugendlicher Missbrauch durch einen Kirchenmitarbeiter erlebt hat, soll seit Januar 2021 je nach Schwere des Falls ein bei Gerichtsverfahren übliches Schmerzensgeld von bis zu 50.000 Euro erhalten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. September 2021 um 17:00 Uhr.