Hessen, Fulda: Die Statue des heiligen Bonifatius steht vor einem regenschweren Himmel. | dpa

Katholische Kirche Reformprozess entzweit deutsche Bischöfe

Stand: 20.09.2021 04:23 Uhr

Die deutsche katholische Bischofskonferenz trifft sich zu ihrer Herbstvollversammlung in Fulda. Wichtiges Thema wird wohl der Missbrauchsskandal sein. Und die Kleriker sind tief gespalten über den Reformkurs der katholischen Kirche in Deutschland.

Von Tilmann Kleinjung, BR

Der Ärger macht sich im Netz Luft: "Haben die in Rom denn überhaupt keine Ahnung, wie brisant die Lage ist?", schreibt ein Pfarrer in seinem Blog, nachdem Rom das Rücktrittsgesuch des Hamburger Bischofs Heße nicht angenommen hat. Und auch die stellvertretende Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Karin Kortmann, hat "überhaupt kein Verständnis" für die Entscheidung des Papstes: "Denn es heißt ja, wer als reuiger Sünder Buße tut, der wird freigesprochen. Und das Opfern zu erklären, die ihr Leben lang unter dem Missbrauch leiden, ist nicht vermittelbar und beschädigt die Kirche in einer gravierenden Art und Weise."

Tilmann Kleinjung

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat seinen Rücktritt angeboten, nachdem er durch das Kölner Missbrauchsgutachten schwer belastet worden war. In seiner Zeit als Personalchef und Generalvikar im Erzbistum Köln hat es Heße versäumt, Verfahren gegen Missbrauchstäter einzuleiten. Er hat es versäumt, Fälle nach Rom oder der Staatsanwaltschaft zu melden. Die Fehler seien nicht in der Absicht begangen worden, Missbrauch zu vertuschen, heißt es nun in der Entscheidung aus dem Vatikan.

Es mangelt an Glaubwürdigkeit

Viele Katholikinnen und Katholiken sind deshalb empört, nur der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing lobt den Papst, weil damit "eine schwierige Zeit der Ungewissheit" ende. Der Jesuit und Publizist Andreas Batlogg sieht die katholische Kirche in einem "Prozess der Reinigung": "Aber die Kirche als Institution ständig hochhalten und alles andere kleinreden, schönreden, bagatellisieren, das geht einfach nicht mehr. Und das ist immer mit konkreten Personen verbunden, die dann eben ihr Amt glaubwürdig ausüben oder nicht. Und da schaut es in der deutschen katholischen Kirche nicht so toll aus", so Batlogg.

Neben zwei Kölner Weihbischöfen ist auch Kardinal Rainer Maria Woelki ein Bischof auf Abruf. Zwei Visitatoren haben im Auftrag des Papstes die Amtsführung des Kölner Kardinals untersucht, eine Entscheidung steht noch aus.

Distanz zum Reformprozess

Zu den offenen Personalfragen kommen inhaltliche Differenzen. Die Bischöfe Rudolf Voderholzer aus Regensburg und Stefan Oster aus Passau gehen auf Distanz zum Reformprozess in der katholischen Kirche.

Dieser Synodale Weg kommt gerade in eine entscheidende Phase. Oster sieht die Gefahr, dass die "Verteidiger der geltenden kirchlichen Lehre" kaum in der Lage sind, mit ihren Argumenten durchzudringen. Voderholzer hat deshalb eine Webseite gestartet, auf der "Alternativtexte" zum Synodalen Weg veröffentlicht werden können. Pater Batlogg hält das für legitim: "Aber die Unterstellung, die mittransportiert wird, ist ja: Wir können uns nicht Gehör verschaffen. Wir müssen alternative Vorschläge auf den Tisch legen und die sind aus meiner Sicht, sehr institutionengeleitet. Ich muss die Position der Kirche darstellen und dafür muss ich einen Vorschlag auf den Tisch legen. Das halte ich für unklug."

Prozess gescheitert?

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, das den Synodalen Weg gemeinsam mit der Bischofskonferenz veranstaltet, ist alarmiert. Die nächste gemeinsame Versammlung findet in eineinhalb Wochen in Frankfurt statt. ZdK-Vize Kortmann plädiert dafür, erst einmal zu prüfen, ob es noch eine gemeinsame Basis für die Zusammenarbeit von Laien und Bischöfen gibt: "Es geht weniger um die Textarbeit als um die Frage: Haben wir noch eine Grundlage für Glaubwürdigkeit, für ein gemeinsames Miteinander. Oder müssen wir sagen: Dieser Prozess ist bischöflicherseits gescheitert."

In diese Krise der katholischen Kirche in Deutschland fällt auch ein Neuanfang, der von Beate Gilles, 51 Jahre alt, Theologin. Erstmals organisiert eine Frau als Generalsekretärin die Tagung der Bischofskonferenz. Um dieses Amt ist Gilles gerade nicht zu beneiden.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 20. September 2021 um 07:50 Uhr.