Wolf Biermann (Archivbild von 2016) | MDR/Michael Schöne

Künstler mit Appell zur Ukraine "Angriff auf den Frieden in ganz Europa"

Stand: 04.02.2022 18:11 Uhr

In einem Appell wenden sich mehr als 350 Künstler und Autoren gegen den russischen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine. Sie sprechen von einem "Angriff auf den Frieden" in Europa und fordern, entschieden entgegenzutreten.

Mehr als 350 teils namhafte Autoren und Künstler haben einen Appell unterzeichnet, der sich gegen eine militärische Bedrohung der Ukraine durch Russland richtet. "Wir appellieren an die politischen Verantwortlichen, Putins Aggression entschieden entgegenzutreten", heißt es in dem Aufruf, der von dem Künstler-Ehepaar Wolf und Pamela Biermann, dem Schauspieler Burgardt Klaußner und dem Kulturmanager Ulrich Schreiber initiiert wurde. Unterzeichnet haben ihn unter anderem die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, der Schriftsteller Ian McEwan und der chinesische Künstler Ai Weiwei.

Man unterstütze den Dialog mit Russland, heißt es in dem Schreiben. "Wir fordern aber den sofortigen und bedingungslosen Abzug der russischen Truppen von den Grenzen der Ukraine." Es könne nicht schweigend hingenommen werden, dass über 80 Jahre nach dem Münchner Abkommen in Europa wieder mit einem Einmarsch in fremdes, souveränes Territorium gedroht werde.

Putin konstruiere angebliche Bedrohung

Russlands Präsident Wladimir Putin greife die nach 1989 in Osteuropa in vielen Staaten gewonnene demokratische Freiheit zentral an, so der Vorwurf. Putin konstruiere eine angebliche Bedrohung durch die NATO, aber das Gegenteil sei der Fall: "Die Umzingelung der Ukraine mit russischen Truppen ist ein Angriff auf den Frieden in ganz Europa."

Unterzeichnet haben den Appell auch der Regisseur Oskar Roehler, der in der Schweiz lebende russische Schriftsteller Mikhail Shishkin, der niederländische Journalist Geert Mak, der Regisseur und Filmproduzent Nico Hoffmann, der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der polnische Essayist und Journalist Adam Michnik, die Schauspielerin Caroline Peters und die Autorin Antje Rávik Strubel.

Angesichts von Berichten über einen Aufmarsch von mehr als 100.000 russischen Soldaten in der Nähe der Ukraine befürchtet der Westen, dass Russland einen Einmarsch in sein Nachbarland plant. Die Regierung in Moskau bestreitet das. Für möglich wird auch gehalten, dass die russische Seite Ängste schüren will, um die NATO zu Zugeständnissen bei Forderungen nach neuen Sicherheitsgarantien zu bewegen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 04. Februar 2022 um 23:30 Uhr in den Kulturnachrichten.