Ein übergewichtiger Mann sitzt in einem Freibad auf der Bank. | Bildquelle: dpa

WHO-Studie Land der Bewegungsmuffel

Stand: 05.09.2018 06:59 Uhr

Jeder vierte Erwachsene weltweit bewegt sich einer WHO-Studie zufolge zu wenig - in Deutschland liegt die Quote sogar bei über 40 Prozent. Insgesamt gelte: Je reicher ein Land, desto weniger Bewegung.

Von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Es braucht nicht viel, sagt Regina Guthold von der Weltgesundheitsorganisation. Zweieinhalb Stunden moderate Bewegung pro Woche - ein flotter Spaziergang, eine gemütliche Radtour oder ein paar Runden im Schwimmbad. Das würde schon reichen. "Bewegung senkt das Risiko von Herzerkrankungen, Infarkt, Brust- und Darmkrebs, Diabetes und Bluthochdruck", so Guthold. "Und sie wirkt sich positiv auf die mentale Gesundheit aus."

Doch jeder vierte Erwachsene weltweit verfehlt das Ziel, sich pro Woche zweieinhalb Stunden ausreichend zu bewegen. In Deutschland sind es sogar mehr als 40 Prozent. Unter den wirtschaftlich vergleichbaren Staaten sind nur Portugiesen, Neuseeländer und Zyprioten fauler.

Ewig lockt die Couch - das gilt bei Frauen häufiger als Männer. Jede dritte macht laut der WHO Studie zu wenig, um fit zu bleiben. Bei den Männern ist knapp jeder vierte nicht ausreichend körperlich aktiv. Und noch etwas hat die Mitautorin der Studie, Fiona Bull, herausgefunden: Je reicher ein Land ist, desto mehr Bewegungsmuffel leben dort. "Wir nutzen Computer und Technik sehr viel häufiger und länger", erklärt sie. "Zur Arbeit pendeln viele Menschen mit dem Auto. Und im Büro haben viele eine sitzende Tätigkeit."

Kleine Dinge, große Wirkung

Die weltweit größte Studie über Bewegungsmangel zeigt denn auch: In wirtschaftlich aufstrebenden Ländern steigt die Zahl der Menschen, die nicht genug für ihre körperliche Fitness tun. Dies treffe etwa auf Lateinamerika zu, sagt Studienautorin Guthold und nennt als Beispiel Brasilien. "Das ist wahrscheinlich eines der Länder, wo sich die Umstände am schnellsten weltweit ändern. Viele Menschen ziehen vom Land, wo sie als Bauern gearbeitet haben, in die Stadt. Und dort arbeiten sie dann vielleicht in einer Fabrik und haben kaum noch Bewegung."

Einen Trend beobachten die Forscherinnen auf der ganzen Welt: Erwachsene bewegen sich heute insgesamt eher weniger als früher. Bei der letzten großen Analyse der Weltgesundheitsorganisation waren die Werte ähnlich schlecht. Das erklärte Ziel, das zu ändern, wurde klar verfehlt. Die WHO schlägt deshalb vor, Bewegung stärker in den Alltag zu integrieren. Dazu, so Studienautorin Guthold, seien etwa mehr Gehsteige und Fahrradwege nötig. Kleine Dinge, sagt sie, die aber eine große Wirkung entfalten könnten.

Jeder vierte Erwachsene bewegt sich zu wenig
Martin Mair, ARD Berlin
05.09.2018 03:10 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 05. September 2018 die tagesschau um 05:30 Uhr sowie um 06:30 Uhr und Deutschlandfunk um 08:39 Uhr.

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