Webseite der Bertelsmann Stiftung

Beratung und Einfluss Was ist die Bertelsmann-Stiftung?

Stand: 27.10.2015 11:30 Uhr

Immer wieder sorgt die Bertelsmann-Stiftung mit ihren Studien, wie zuletzt zur Belastung von Kommunen durch Sozialausgaben, für Diskussionen in politischen und gesellschaftlichen Kreisen. Doch wer ist dieser Akteur? Ein Überblick.

Von Natalia Frumkina für tagesschau.de

Gesellschaftliche Herausforderungen aufgreifen und nachhaltig in die Gesellschaft hineinwirken - das ist nach eigenen Angaben das Ziel der Bertelsmann Stiftung. Dafür arbeiten rund 300 Mitarbeiter an mehr als 60 Projekten gleichzeitig. Sie sammeln und analysieren Daten und geben schließlich Handlungsempfehlungen an Entscheidungsträger ab. Es geht um Themen wie etwa eine Reform des Krankenversicherungssystems, die Stärkung von Familien als Lebens- und Bildungsort, die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft oder eben der Kommunen.

Gegründet wurde die Stiftung 1977 durch den in Gütersloh ansässigen Unternehmer Reinhard Mohn, den damaligen Chef des Medienkonzerns Bertelsmann. Das Stiftungsetat betrug zur Gründung 18 Millionen Mark. Knapp 15 Jahre später übertrug Mohn fast zwei Drittel des Aktienkapitals der Bertelsmann AG auf die Bertelsmann Stiftung. Heute hält sie über 77 Prozent der Aktien an einem der größten Medienunternehmen weltweit, zu dem unter anderem das Verlagshaus Gruner+Jahr, die RTL Gruppe sowie der Geschäftsprozess-Dienstleister Arvato gehören.

Die Stiftung arbeitet operativ, das heißt sie unterstützt nicht die Arbeit Dritter, sondern investiert ausschließlich in selbst initiierte Projekte, die sie - oftmals in Kooperation mit Partnern aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft oder wissenschaftlichen Institutionen - umsetzt. Dabei diene sie dem Gemeinnutzen und ist nach eigener Aussage zur höchster Neutralität verpflichtet.

Wie neutral ist die Bertelsmann Stiftung?

Diese Neutralität wurde in der Vergangenheit oft angezweifelt. So warf der frühere SPD-Politiker Albrecht Müller dem "gefährlichen Kraken" - der Denkfabrik Bertelsmann - vor, einseitig eine neoliberale Ideologie und die Interessen der Wirtschaft zu vertreten. Das würde sich in den einschlägigen Empfehlungen der Stiftung niederschlagen, die vielmals darauf abzielten, die untersuchten Lebensbereiche verstärkt nach marktwirtschaftlichen Wettbewerbskriterien zu gestalten, analysierte beispielsweise der Journalist Harald Schumann.

Darüber hinaus ginge das Tätigkeitsfeld der Stiftung weit über eine Beratungsfunktion hinaus, warf der Stiftung etwa Frank Böckelmann vor, Publizist und Autor eines Buches über den Bertelsmann-Konzern. Die Stiftung würde durch gezielte Absprachen einen direkten Einfluss auf die Politik nehmen. Allein schon die Tatsache, dass eine der größten sozial- und arbeitspolitischen Reformen der letzten Jahre - die Hartz-Reform - auf Vorlagen einer von der Bertelsmann Stiftung ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe basiert, zeuge von ihrer politischen Macht, sagt auch der Autor Thomas Schuler gegenüber tagesschau.de.

"Wir sprechen nur Empfehlungen aus"

Eine direkte Einflussnahme streitet die Stiftung ab. "Unser Anspruch ist es, fachlich und methodisch unangreifbare Studien vorzulegen, und das schaffen wir. Wir vertreten aber auch stets einen klaren Standpunkt, von dem aus wir mithilfe der Studienergebnisse Vorschläge aussprechen. Darauf, ob sich die Politiker unseren Vorschlägen anschließen, haben wir keinerlei Einfluss", erläutert Andreas Muhs, Kommunikationsmanager der Bertelsmann Stiftung, im Interview.

Nichtsdestotrotz schafft es die Stiftung mit ihren selbstinitiierten Studien und Analysen immer wieder auf die Themen-Agenda der Entscheidungsträger. Im vergangenen Jahr hat sie über 50 Millionen Euro in die verschiedenen Forschungsprogramme investiert, seit ihrem Bestehen waren es 1,2 Milliarden.

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