Eine ältere Frau sitzt mit demm Rücken zur Kamera in einem Rollstuhl in einem Pflegeheim in Kiel. | dpa

Bertelsmann-Studie Zu wenig Informationen über Qualität von Heimen

Stand: 13.01.2022 08:32 Uhr

Bei der Wahl eines Pflegeheims wollen sich die meisten Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen gründlich über die Qualität von Einrichtungen informieren. Doch in den meisten Bundesländern ist das laut einer Studie gar nicht so einfach.

Die meisten Bundesländer stellen Verbrauchern einer Studie zufolge nur ungenügende Informationen über die Qualität von Pflegeheimen zur Verfügung. Wichtige Angaben wie zum Personaleinsatz seien zwar in allen Ländern vorhanden, blieben aber in den meisten Bundesländern unter Verschluss, kritisierte die Bertelsmann Stiftung bei der Veröffentlichung ihrer "Weißen Liste". Auch welche Einrichtungen gut aufgestellt seien, sei für die Öffentlichkeit oft nicht nachzuvollziehen. In lediglich sechs von 16 Ländern erhielten Verbraucher Informationen über den Personalschlüssel oder schwerwiegende Mängel in Einrichtungen.

Grund für die mangelnde Transparenz seien unter anderem fehlende landesrechtliche Regelungen. So sei in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, im Saarland, in Sachsen und Thüringen eine Veröffentlichung der Prüfergebnisse nicht vorgesehen. In Bayern, Brandenburg, Bremen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein gebe es zwar Gesetze, die eine Veröffentlichung erlaubten, diese würden jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht umgesetzt. Allgemein zugänglich sind die Informationen demnach lediglich in Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern. In Hessen und Baden-Württemberg veröffentlichten die Pflegeheime selbst die Daten. Damit seien sie zwar in den Einrichtungen einsehbar, aber für Verbraucher nur eingeschränkt zugänglich.

Als positives Beispiel nennt die Stiftung Hamburg: Die Stadt stelle im Internet detaillierte Angaben über den Personaleinsatz in Pflegeheimen und vorübergehende Aufnahmestopps bereit.

Daten sollen ins Internet

Die Auswahl eines Pflegeheims bedeute eine Lebensentscheidung, die Betroffenen seien auf verlässliche Angaben angewiesen, betonte Stiftungsvorstand Brigitte Mohn. Man könne damit auch die gute Arbeit vieler Pflegefachkräfte öffentlich sichtbar machen. "Umgekehrt sollte es aber auch möglich und erlaubt sein, die Pflegeheime zu erkennen, bei denen Defizite bestehen." Auf Bundesebene seien über den "Pflege-TÜV" seit einigen Jahren Kernergebnisse aus Prüfungen zur Qualität einsehbar, auf Landesebene sehe das aber anders aus, bilanzierte Stiftungsexperte Johannes Strotbek.

Um gegen den Flickenteppich und erhebliche Info-Lücken vorzugehen, rät die Bertelsmann Stiftung allen Bundesländern, den Aufsichtsbehörden vorliegende relevante Daten zur Pflegequalität zentral im Internet zu veröffentlichen. Dafür brauche es rechtssichere und konkrete gesetzliche Regelungen. "Mit einer Veröffentlichung der Daten erfüllen Pflegeheime und die für sie zuständigen Behörden ihre Rechenschaftspflicht gegenüber den Pflegebedürftigen und Versicherten, die die Pflege finanzieren", so Mohn.

Für die Untersuchung zur Pflegetransparenz wertete die Initiative "Weiße Liste" den Angaben nach die Regelungen aller einschlägigen Landesgesetze aus und legte die Ergebnisse den dort zuständigen Abteilungen zur Prüfung vor. Ergänzend seien Fragen zur Erhebung von Personalangaben gestellt worden. Die "Weiße Liste" ist ein Projekt der Bertelsmann Stiftung zusammen mit Patienten- und Verbraucherorganisationen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Januar 2022 um 13:33 Uhr.