Die SPD-Politikerin Katharina Barley. | Bildquelle: dpa

Missbrauchsvorwürfe Barley fordert Aufklärung im Fall Wedel

Stand: 30.01.2018 12:02 Uhr

Zahlreiche Schauspielerinnen werfen dem Regisseur Missbrauch vor. Nun fordert Bundesfrauenministerin Barley Konsequenzen: Dass so wenige seiner Weggefährten Stellung bezögen, wirke wie ein "Schweigekartell".

Katarina Barley, die geschäftsführende Bundesfrauen- und arbeitsministerin, fordert Konsequenzen nach den Missbrauchsvorwürfen gegen den Regisseur Dieter Wedel. "Wenn sich die Anschuldigungen bestätigen, dann ist das ein Skandal, von dem sehr viele Menschen gewusst haben müssen", sagte Barley dem Redaktionsnetzwerk RND. Sie erwarte gerade von den beteiligten öffentlich-rechtlichen Institutionen rückhaltlose Aufklärung.

Der 75-jährige Fernsehregisseur Wedel hat viele erfolgreiche Filme für die Rundfunkanstalten ARD und ZDF produziert. Zu Jahresbeginn waren mehrere Schauspielerinnen an die Öffentlichkeit getreten und hatten ihm Belästigungen und Übergriffe sowie versuchte Vergewaltigung vorgeworfen. Die geschilderten Vorfälle liegen meist mehrere Jahrzehnte zurück.

Regisseur Dieter Wedel | Bildquelle: dpa
galerie

Dieter Wedel zählt zu den erfolgreichsten deutschen Filmregisseuren.

Barley spricht von "Schweigekartell"

Wedel wies die Anschuldigungen in einer eidesstattlichen Erklärung von sich und trat als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurück.

Bundesministerin Barley betonte zwar, es gelte die Unschuldsvermutung. "Aber es ist eigenartig, dass hier so wenige von den vielen Weggefährten und aus der Branche Stellung beziehen. Das erweckt den Eindruck eines Schweigekartells", sagte sie. Sie hoffe, dass noch weitere Frauen den Mut finden, über erlebte Übergriffe zu sprechen: "Wir brauchen endlich eine öffentliche Debatte über Sexismus und Gewalt gegenüber Frauen - unabhängig von dem einen prominenten Fall."

In diesem Belang fehle es laut Barley an gesellschaftlicher Courage, wer sich einmische, mache sich als Denunziant unbeliebt. Doch das sei der falsche Weg, betonte Barley: "Sexismus und sexuelle Übergriffe haben mit einem strukturellen Machtungleichgewicht zu tun. Darüber müssen wir sprechen."

#MeToo unter deutschen Schauspielerinnen

Weltweit treten seit vergangenem Herbst Frauen aus allen Bereichen des öffentlichen und beruflichen Lebens an die Öffentlichkeit, um sexuelle Übergriffe, Belästigungen und Vergewaltigungen zu schildern. Auch in Deutschland haben zahlreiche Schauspielerinen in der "Süddeutschen Zeitung" oder der "Zeit" von solchen Vorfällen berichtet.

Unter dem namensgebenden Hashtag #MeToo, das die US-Menschenrechtlerin Tarana Burke geprägt hatte, verbreiteten sich entsprechende Erfahrungen im Netz. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Debatte durch die Schilderungen der Schauspielerin Alyssa Milano, die ihre Schilderung mit #MeToo markierte.

Über dieses Thema berichtete am 30. Januar 2018 NDR Info um 14:15 Uhr und die tagesschau um 16:00 Uhr.

Darstellung: