Polizei und Rettungskräfte stehen auf einem Gleis am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main neben einem ICE. | Bildquelle: ARMANDO BABANI/EPA-EFE/REX

Frankfurter Hauptbahnhof Mordermittlungen nach Gleis-Attacke

Stand: 30.07.2019 13:16 Uhr

Nach der Gewalttat vom Frankfurter Hauptbahnhof ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Mordes. Der Tatverdächtige aus Eritrea sei 40 Jahre alt und lebe in der Schweiz. Ihm droht lebenslange Haft.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat sich zur tödlichen Attacke auf einen Achtjährigen am Frankfurter Hauptbahnhof geäußert: Gegen den 40-jährigen Tatverdächtigen aus Eritrea werde wegen Mordes und zweifachen Mordversuchs ermittelt. Im Falle einer Verurteilung droht dem Mann eine lebenslange Haft, sagte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen.

Es werde in alle Richtungen ermittelt. Derzeit sei nicht geplant, den Fall dem Generalbundesanwalt zu übergeben. Dies wäre ein Hinweis auf einen terroristischen Hintergrund. Auch eine Verbindung zum Fall Wächtersbach werde derzeit nicht gezogen. In dem hessischen Ort hatte ein Rechtsextremer Schüsse auf einen Eritreer abgefeuert.

Ermittlungen zur tödlichen Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof
tagesschau 15:00 Uhr, 30.07.2019, Alex Jakubowski, HR

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Vor wenigen Tagen aus Basel eingereist

"Er soll seit 2006 in der Schweiz leben, er soll verheiratet sein und Vater von drei Kindern sein", sagte Niesen. "Er hat angegeben, er sei vor wenigen Tagen von Basel mit dem Zug nach Frankfurt gefahren." In Deutschland sei er bislang nicht polizeibekannt.

Zur Frage nach dem Gesundheitszustand des Verdächtigen sagte sie: "Die Tat spricht ja schon dafür, dass man an eine psychische Erkrankung denkt." Geplant seien psychiatrische Gutachten, um zu ermitteln, inwieweit der Mann schuldfähig war.

Die Sprecherin teilte mit, dass der mutmaßliche Täter vermutlich nicht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stand. Ein Atemalkoholtest unmittelbar nach der Tat habe keine entsprechenden Anhaltspunkte geliefert. Der Tatverdächtige wird noch heute dem Haftrichter vorgeführt. Das Motiv des 40-Jährigen ist weiter unklar.

Tatverdächtiger lebte in der Schweiz

Der Tatverdächtige soll den Jungen am Montag im Frankfurter Hauptbahnhof vor einen einfahrenden ICE gestoßen haben. Das Kind starb am Unglücksort. Der Mann soll auch die Mutter des Jungen ins Gleisbett gestoßen haben. Die 40-Jährige habe sich auf einen Fußweg zwischen zwei Gleisen gerettet. Anschließend habe er noch versucht, eine 78-Jährige in das Gleisbett zu stoßen, was aber misslungen sei. Der Tatverdächtige kommt laut Innenministerium aus Eritrea.

Der mutmaßliche Täter lebte im Kanton Zürich in der Schweiz. Laut Schweizer Polizei war er im Besitz einer sogenannten Niederlassungsbewilligung. Diese wird Ausländern in der Schweiz nach einem Aufenthalt von fünf oder zehn Jahren im Land ausgestellt. Niedergelassene haben damit laut dem Staatssekretariat für Migration ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht.

Seehofer trifft Sicherheitsbehörden

Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte nach der Attacke seinen Urlaub unterbrochen. Er verurteilte "diese entsetzliche Tat auf das Schärfste". Angesichts "mehrerer schwerwiegender Taten in jüngerer Zeit" will sich Seehofer heute in Berlin mit den Chefs der Sicherheitsbehörden beraten. Die Ergebnisse wird er auf einer Pressekonferenz vorstellen.

Am Abend soll es im Frankfurter Hauptbahnhof eine öffentliche Andacht geben. Eingeladen hat die Frankfurter Bahnhofsmission, dabei sein sollen Vertreter von katholischen und evangelischen Gemeinden.

Debatte über Sicherheitsvorkehrungen

Der CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor brachte bessere Sicherheitsvorkehrungen an Bahnhöfen ins Gespräch. SPD-Verkehrsexperte Martin Burkert bemängelte in der "Bild"-Zeitung eine unzureichende Aufsicht an den Bahnsteigen, außerdem fehle es an den Bahnhöfen an Bundespolizisten. Seine Parteikollegin Anke Rehlinger widersprach: Taten wie in Frankfurt seien durch Sicherheitsmaßnahmen nicht zu verhindern, sagte die Vorsitzenden der Verkehrsministerkonferenz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Eine solche Tat offenbart keine Sicherheitslücke, sondern eine Menschlichkeitslücke."

Ähnlich äußerte sich Thomas Kraft vom Fahrgastverband Pro Bahn Hessen. "Man kann so etwas nicht hundertprozentig verhindern", sagte er. An größeren Bahnhöfen wie dem Frankfurter Hauptbahnhof gebe es sogar noch vergleichsweise viel Aufsichtspersonal. An kleinen Bahnhöfen oder Haltepunkten könne letztlich auch jemand aus einer Hecke hervorspringen und Reisende auf die Gleise stoßen.

Polizeigewerkschaftler warnt vor Nachahmung

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, warnte unterdessen vor Nachahmungstätern. Aus Großstädten wie Berlin seien Fälle sogenannter S- und U-Bahn-Schubser schon länger bekannt. "Die Polizei versucht sich nach jedem Fall präventiv besser einzustellen. Bei Taten, die vorsätzlich geschehen, stößt sie jedoch an ihre Grenzen", sagte Radek dem RND. Angesichts von 5600 Bahnhöfen und Haltestellen in Deutschland dürfe nicht mit schnellen Lösungen gerechnet werden.

Der Frankfurter Fall erinnert an eine Attacke, die sich vor gut einer Woche in Voerde in Nordrhein-Westfalen ereignet hatte: Dort hatte ein Mann eine Frau an einem Bahnhof vor einen Zug gestoßen und so getötet.

Staatsanwaltschaft zu tödlicher Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof
Frank Angermund, HR
30.07.2019 15:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Juli 2019 um 12:00 Uhr.

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