Ein ICE steht im Hauptbahnhof Hannover an einem verwaisten Bahnsteig. | dpa

Staatsschutz zu Bahn-Sabotage Tat war wohl "politisch motiviert"

Stand: 10.10.2022 14:19 Uhr

Der Staatsschutz in Bochum vermutet hinter dem Fall der Sabotage am Bahnnetz eine "politisch motivierte Tat". Die Deutsche Bahn hat sich unterdessen zufrieden mit ihrem Notfallkonzept am Wochenende gezeigt.

An empfindlichen Stellen haben Unbekannte am Wochenende die Bahn-Infrastruktur in Berlin und Nordrhein-Westfalen beschädigt und den Zugverkehr in Norddeutschland zeitweise zum Erliegen gebracht. Der Staatsschutz in Bochum geht inzwischen von einer "politisch motivierten Tat" aus. Das sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur dpa.

Und weiter berichtete er: "Wir haben eine größere Ermittlungsgruppe beim Staatsschutz gebildet, die mit Hochdruck daran arbeitet, die Hintergründe der Tat zu klären."

Der Bochumer Staatsschutz ermittelt zum Tatort in Herne. Da auch Berlin ein Sabotage-Ort war, stünden die Ermittler aus dem Ruhrgebiet in engem Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen des Landeskriminalamts in der Hauptstadt. Auch dort ermittelt der Staatsschutz.

Polizei berichtet von durchtrennten Kabeln

Die Polizei teilte unterdessen mit, dass am Samstagmorgen gegen 2.30 Uhr mehrere Kabel im Bereich des Herner Bahnhofs an den Gleisanlagen zwischen der Fabrikstraße und dem Beien-Weg durchtrennt worden sind. Dies habe zu "massiven Beeinträchtigungen" und "weitreichenden Störungen" bei der Deutschen Bahn geführt.

Aus Sicherheitskreisen hieß es zuvor, es seien am Karower Kreuz in Berlin und in Herne in NRW vorsätzlich Lichtwellenleiterkabel beschädigt worden. Auch das Backup-System sei damit ausgefallen. Unverzichtbare Kabel für den Zugfunk seien beschädigt worden.

Wissing und Deutsche Bahn sprechen von "Sabotage"

Bundesverkehrsminister Volker Wissing machte bisher keine Angaben zu den möglichen Tätern und ihrem Motiv. Der FDP-Politiker und auch die Deutsche Bahn sprachen von "Sabotage". Vieles scheint in dem komplexen Fall noch unklar. Das Vorgehen setzt nach Einschätzungen aus Sicherheitskreisen Insiderwissen über die Bahn voraus.

Dass bislang kein Bekennerschreiben bekannt wurde, spricht gegen Täter aus der linksextremistischen Szene, denen in der Vergangenheit Anschläge gegen die Bahn zugeschrieben wurden. Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor berichtet, das Bundeskriminalamt (BKA) halte in einer internen Einschätzung auch staatliche Sabotage für denkbar. BKA und Bundesinnenministerium kommentierten den Bericht auf Nachfrage jedoch nicht.

Bahnreisende warten auf einem Bahnsteig des Berliner Hauptbahnhofs auf einen Zug. | AFP

Tausende Bahnreisende strandeten nach dem Sabotage-Akt am Wochenende an Bahnhöfen wie in Berlin. Bild: AFP

Bahn zufrieden mit Notfallkonzept

Aus Sicht der Deutschen Bahn haben zumindest die Notfallkonzepte des Konzerns "optimal gegriffen". "Unsere Teams haben den Funkverkehr bereits drei Stunden nach dem Ausfall wieder hergestellt", sagte Fernverkehrsvorstand Michael Peterson. "Das ist wirklich sehr, sehr gut, und ihnen gebührt ein großes Dankeschön dafür."

Bereits am Samstagvormittag hätten die Züge wieder fahren können. Die Auswirkungen in Form von Verspätungen und Ausfällen waren im gesamten Fernverkehrsnetz allerdings noch deutlich länger zu spüren.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. Oktober 2022 um 13:23 Uhr.