Ein ICE-4 steht in einem Leitwerk auf einem Gleis | Bildquelle: picture alliance / Daniel Bockwo

Pläne der Bahn Pünktlich dank Digitalisierung?

Stand: 07.04.2019 11:21 Uhr

Reisende mussten im vergangenen Jahr einige Verspätungen der Deutschen Bahn ertragen. Das will die Bahn mit einer neuen Digitaltechnik ändern. So könnte ein Drittel mehr Züge fahren, hofft das Unternehmen.

Mit Milliarden-Investitionen in Digitaltechnik will die Deutsche Bahn Zugverspätungen bekämpfen und mehr Platz auf der Schiene schaffen. Allerdings fehlt zum Teil das passende Angebot, sagte Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla der Deutschen Presse-Agentur.

Industrie bietet zu wenig

Statt Systemangeboten für die Fahrzeuge biete die Industrie nur "individuelle Manufakturleistungen", sagte Pofalla. "Mein Eindruck ist, dass die Forschungskapazitäten in der deutschen Wirtschaft dafür durchaus erhöht werden können."

Die Bahn gründe deshalb eine Digitalgesellschaft, um gemeinsam mit der Industrie Lösungen zu entwickeln. Das könne eines der europäischen Leuchtturm-Industrieprojekte der nächsten 20 Jahre werden, sagte Pofalla.

Im digitalen Schienennetz muss sich die Bahn nicht mehr auf analoge Signale verlassen. Züge werden mit Funk und Sensoren geleitet. Hinzu kommen digitale Stellwerke. "Damit können wir bis zu einem Drittel zusätzliche Kapazität gewinnen", erklärte Pofalla. Zusätzliche Gleise seien dafür nicht nötig. Personen- und Güterzüge könnten in dichterer Folge fahren als bisher.

28 Milliarden Euro für neue Technik

Der Fahrgast würde spüren, dass sich die Zuverlässigkeit deutlich erhöhe. Das beste Beispiel sei die weitestgehend digitalisierte Strecke Berlin-München. Mehr als 80 Prozent der Fernzüge seien dort pünktlich, die Störungen gingen deutlich gingen zurück. Um in den nächsten 20 Jahren das komplette Netz und die Züge auf die Leittechnik umzustellen, wären nach einem Gutachten 28 Milliarden Euro nötig.

Ein Zug des Typs ICE 4 der Deutschen Bahn verlässt den Hauptbahnhof in München | Bildquelle: picture alliance / Sven Hoppe/dp
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Im digitalen Schienennetz werden die Züge mit Funk und Sensoren geleitet.

Die Bahn hat sich zunächst fünf Streckenabschnitte als Digitalprojekte vorgenommen - neben Berlin-München die Hochgeschwindigkeitsstrecke Frankfurt-Köln und der Raum Stuttgart, wo der Konzern vieles neu baut. Hinzu kommen die Güterkorridore von Rotterdam nach Genua und von Skandinavien Richtung Italien. 570 Millionen Euro plant die Bundesregierung bis 2023 dafür ein, bis 2025 wäre darüber hinaus eine knappe Milliarde notwendig, sagte Pofalla.

Daten besser verknüpfen

Störungen im Netz will die Bahn auch verhindern, indem sie ihre Daten besser verknüpft. Probleme könne man dann schon Tage früher vorhersagen und so die Einschränkungen deutlich reduzieren, hofft die Bahn. Daten aus dem Bahnbetrieb würden mit Wetterdaten verknüpft. "So konnten wir uns in diesem Jahr zum ersten Mal auf vorhergesagte Stürme noch besser vorbereiten und dadurch den Bahnbetrieb schneller wieder hochfahren", sagte Pofalla.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. April 2019 um 09:03 Uhr.

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