Menschenmenge

Studie der Uni Leipzig Ausländerfeindlichkeit nimmt zu

Stand: 07.11.2018 14:24 Uhr

Jeder dritte Deutsche vertritt laut einer Studie ausländerfeindliche Positionen. Die Forscher sprechen von einer Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus. Vor allem im Osten sei die Gefahr groß.

Ausländerfeindliche Einstellungen sind in Deutschland immer stärker verbreitet. Mittlerweile vertrete etwa jeder dritte Deutsche entsprechende Positionen, heißt es in einer Langzeitstudie der Universität Leipzig zu autoritären und rechtsextremen Einstellungen. Besonders deutlich ist der Zuwachs demnach im Osten.

Oliver Decker
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Ausländerfeindlichkeit sei im gesamten Land immer stärker verbreitet, sagt Studienautor Oliver Decker.

36 Prozent der Deutschen würden der Aussage zustimmen, Ausländer kämen nur hierher, um den Sozialstaat auszunutzen. Im Osten denkt das sogar fast jeder Zweite. Über ein Viertel der Befragten würde Ausländer in ihre Heimat zurückschicken, wenn in Deutschland die Arbeitsplätze knapp werden. 36 Prozent halten die Bundesrepublik demnach für gefährlich überfremdet. Sogar mehr als die Hälfte der Befragten fühlt sich durch die Zahl der Muslime als "Fremde im eigenen Land". 2010 waren es noch 33 Prozent.

"Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus"

Sorgen bereitet den Forschern die "geschlossene manifeste Ausländerfeindlichkeit". Sie meinen damit die konsequente Zustimmung zu allen als ausländerfeindlich geltenden Aussagen. Sie sei im Vergleich zur Befragung im Jahr 2016 bundesweit um knapp vier Punkte auf 24 Prozent gestiegen. In Ostdeutschland stieg der Anteil demnach von 23 auf 31 Prozent. Stärker war die Ablehnung von Migranten und Minderheiten dort zuletzt 2012.

"Wir beobachten hohe Zustimmungswerte für die Einstellung, die in der Forschung als 'Einstiegsdroge' in den Rechtsextremismus gilt", sagte Studienautor Oliver Decker. Die Hemmschwelle, diesen rechtsextremen Aussagen zuzustimmen, sei besonders niedrig.

Eine klar rechtsextreme Weltsicht haben demnach aktuell sechs Prozent der Bundesbürger. Eine der Hauptursachen dafür ist laut Mitautor Elmar Brähler Autoritarismus als Persönlichkeitseigenschaft: "Menschen mit autoritärem Charakter neigen zu rigiden Ideologien."

Langzeitstudie: Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland nehmen zu
tagesschau 17:00 Uhr, 07.11.2018, Andreas Jöhrens, RBB

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Breite Ablehnung von Andersdenkenden

Den Wunsch, Andersdenkende auszugrenzen, teilen der Studie zufolge etwa zwei Drittel der Deutschen, im Osten sind es auch hier etwas mehr. Auch die Bereitschaft, sich Autoritäten unterzuordnen, sei hier größer.

Die Untersuchung geht auch auf den Antisemitismus ein, der "in Deutschland weit verbreitet" sei. Jeder Zehnte findet demnach ausdrücklich, dass "Juden etwas Besonderes an sich haben und nicht so recht zu uns passen".

Während antisemitische Einstellungen im Vergleich zu 2016 aber leicht zurückgingen, verfestigte sich vor allem die Abwertung von Sinti und Roma in der Gesellschaft. 56 Prozent der Deutschen gaben zu, Probleme damit zu haben, wenn sich Sinti und Roma in ihrer Gegend aufhalten. 50 Prozent wollen sie aus den Innenstädten verbannen.

Auch Wahlpräferenz wurde abgefragt

55 Prozent der Menschen, die sagten, sie würden die AfD wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, äußerten sich laut der Studie ausländerfeindlich. Unter denjenigen, die CDU, CSU und SPD wählen würden, hatten demnach 22 Prozent eine solche Einstellung. Für die Wähler der FDP ermittelten die Forscher einen Wert von 18 Prozent, für die Linkspartei 15 und die Grünen elf Prozent.

Die Forscher kommen allerdings auch zu dem Schluss, dass vor allem im Osten die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie gestiegen ist - von 27 Prozent im Jahr 2006 auf aktuell 47 Prozent. "Es ist erfreulich, dass wir hier höhere Zustimmungswerte finden. Andererseits muss es aber zu denken geben, dass mit der tatsächlichen Praxis der Demokratie nur etwa die Hälfte der Befragten zufrieden ist".

Für die Studie waren im Mai und Juni dieses Jahres bundesweit 2416 Menschen im Alter zwischen 14 und 93 Jahren befragt worden. Die Untersuchung wird seit 2002 alle zwei Jahre durchgeführt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. November 2018 um 12:00 Uhr.

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