Ein junges Mädchen hält sich die Hände vor ihr Gesicht | Bildquelle: dpa

Leitlinien für Institutionen Hilfe für Missbrauchsopfer

Stand: 03.12.2019 08:17 Uhr

Aus über 2000 Berichten Betroffener sind Leitlinien für Vereine oder Schulen entstanden, wie sie besser mit Missbrauchsopfern umgehen können. Mit Zuhören sei schon viel gewonnen.

Von Julia Nestlen, ARD-Hauptstadtstudio

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat Leitlinien vorgestellt, wie Schulen, Vereine oder kirchliche Träger solche Fälle aufarbeiten sollen und wie sie mit Opfern besser umgehen können. Dazu wurden über 2000 Berichte Betroffener gehört und Handlungsempfehlungen abgeleitet. Die Leitlinien richten sich an alle Institutionen, auch solche, aus denen noch keine Missbrauchsfälle bekannt sind.

Was soll also beispielsweise ein kleiner Sportverein auf dem Land tun im Umgang mit Betroffenen? Die Kommission empfiehlt: Nicht immer sind gleich eine wissenschaftliche Aufarbeitung und ein großer unabhängiger Ausschuss nötig, die die Leitlinien abarbeiten.

Ein Anfang - vor allem für kleine Vereine - sei, sich vorab Gedanken zu machen, was wäre wenn. Wo kann sich der Verein Hilfe holen? Was für Rechte haben Opfer? Ist ein Schutzkonzept vorhanden oder gibt es im Verein Missbrauchsbeauftragte, die für Gespräche offen sind? Und wenn ein Opfer eine Gewalttat anspricht, sollen sie laut Kommission der Person zuhören und ihre Verantwortung erkennen.

Zuhören als wichtige Leitlinie

Mit Zuhören sei schon viel gewonnen. Denn In der Vergangenheit sei viel falsch gelaufen, sagt die Vorsitzende der Kommission, Sabine Andresen: "Wir haben gelernt, dass Institutionen oft verweigert haben, Opfer zurückgewiesen haben oder nicht wussten, was zu tun ist."

Sexueller Missbrauch beginnt bei verbaler Belästigung oder voyeuristischem Beobachten. Auch, wenn der Genitalbereich oder die Brust über der Kleidung berührt werde, kann das eine sexuelle Gewalttat sein. Betroffenen-Vertreter Matthias Katsch weiß, wie häufig so etwas vorkommt: "Ich muss es für möglich halten, dass es auch in meiner Institution sexualisierte Gewalt in der Vergangenheit gegeben hat."

Standards für Aufarbeitung

Damit nennt Katsch auch einen der Gründe, warum es jetzt einen "Katalog" mit Tipps gibt, wie sich Schulen, Vereine und andere Träger mit ihrer eigenen Geschichte von sexuellem Missbrauch beschäftigen können. "Idealerweise tut man das bevor Betroffene an der Tür stehen", sagt Katsch.

Es sei wichtig, dass sich Vereine und Träger offen mit dem Thema beschäftigten und überhaupt die Möglichkeit schaffen, dass sich Opfer - auch noch Jahre später - an den Sportverein oder die Schule wenden können.

Das Papier soll für eine Hilfe zur Vorbereitung sein. Aber gleichzeitig ist es auch eine Unterstützung und Basis für Opfer, erklärt die Vorsitzende Andresen. "Weil Betroffene danach verlangt haben, dass es Kriterien und Standards von Aufarbeitung gibt, damit auch sie etwas in der Hand haben, um an Institutionen heranzutreten", sagt sie.

Leitlinien für Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs
Julia Nestlen, ARD Berlin
03.12.2019 07:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Dezember 2019 um 08:45 Uhr.

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