Eine Bedienung trägt in einem Lokal ein Tablett mit Bier. | Bildquelle: dpa

Atypische Arbeitszeiten Jeder Vierte arbeitet am Wochenende

Stand: 15.11.2018 05:21 Uhr

Arbeit am Wochenende, abends oder nachts ist in Deutschland weit verbreitet. Jeder vierte bis fünfte Beschäftigte ist davon betroffen. Mit Folgen für die Gesundheit und das Sozialleben.

Das Wochenende als Zeit zum Entspannen nach der Arbeitswoche, Zeit für Familie und Freunde - für viele Arbeitnehmer in Deutschland klingt das wie Luxus. Denn atypische Arbeitszeiten am Wochenende, abends oder nachts sind in Deutschland weit verbreitet. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor.

Wochenendarbeit vor allem im Gastgewerbe

Demnach arbeitet jeder vierte Beschäftigte am Wochenende (samstags und/oder sonntags). In absoluten Zahlen sind das etwa neun Millionen Menschen. 4,7 Millionen - oder jeder Zehnte - Beschäftigte arbeitet an Sonn- oder Feiertagen. Am stärksten von Wochenendarbeit betroffen sind das Gastgewerbe, die Kunst-, Unterhaltungs- und Erholungsbranche, das Gesundheits- und Sozialwesen, Verkehr, Handel sowie Land- und Forstwirtschaft.

Zudem arbeiteten 5,2 Millionen Beschäftigte (jeder siebte) im Schichtbetrieb. 6,8 Millionen (knapp jeder fünfte) arbeitete abends (zwischen 18 und 23 Uhr) und zwei Millionen nachts. 1,6 Millionen Beschäftigte haben überlange Arbeitszeiten von 49 Wochenstunden oder mehr.

Grundlage für die Ergebnisse ist der Mikrozensus mit Daten aus dem Jahr 2017. Eingeflossen sind jeweils die Daten von Beschäftigten, die angaben, an jedem Wochenende oder mindestens zwei Wochenenden im Monat zu arbeiten. Analog dazu von jenen, die an jedem oder mindestens an zwei Sonn- oder Feiertagen in den vergangenen vier Wochen vor der Befragung arbeiteten. Bei der Schicht-, Abend- und Nachtarbeit wurden all diejenigen gezählt, die mindestens die Hälfte der Arbeitstage zu diesen atypischen Zeiten arbeiteten.

Gesundheitliche Risiken

Problematisch ist das vor allem deshalb, weil atypische Arbeitszeiten gesundheitliche Gefahren mit sich bringen, wie unterschiedliche Studien belegen. Schlafstörungen, Rückenschmerzen, Müdigkeit beziehungsweise körperliche Erschöpfung und psychische Beschwerden treten bei Beschäftigten mit atypischen Arbeitszeiten häufiger auf als bei anderen.

Ferschl: "Belastung für soziale Bindungen"

Susanne Ferschl, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag sieht noch ein weiteres Problem: "Atypische Arbeitszeiten belasten soziale Bindungen. Wer eine immer weitere Ausweitung der Arbeitszeiten fordert, der vergeht sich an den Beschäftigten und ihren Familien", sagt sie. Beschäftigte müssten ihr Leben immer öfter den Interessen von Arbeitgebern und Marktzwängen unterordnen, beklagt sie.

Inwieweit die atypische Beschäftigung im Vergleich zu den Vorjahren zugenommen hat, ist auf Grundlage der Mikrozensusdaten allerdings schwer zu sagen. Denn eine Umstellung bei der Datenerhebung lässt einen direkten Vergleich zu den Vorjahren nicht zu. Die Linkspartei spricht allerdings von einer Diskrepanz zum Jahr 2016 von über 500.000 Schichtarbeiter/innen, zwei Millionen Abend- und 1,3 Millionen Nachtarbeiter/innen sowie 416.000 Beschäftigten, die an Sonn- und/oder Feiertagen arbeiteten.

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