Impfstoffe von BioNTech, Moderna und AstraZeneca | REUTERS

Vorschlag von Immunologen Auf AstraZeneca sollte mRNA-Impfstoff folgen

Stand: 18.02.2021 11:22 Uhr

Wer mit AstraZeneca gegen Corona geimpft wird, sollte später ein mRNA-Vakzin erhalten. Das sollte garantiert werden, empfiehlt der Verband der Immunologen. Es könnte nicht nur die Wirkung verstärken, sondern auch die Akzeptanz erhöhen.

In der Debatte um die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffes von AstraZeneca schlagen Immunmediziner eine spätere Nachimpfung mit einem anderen Mittel vor. "Man kann die Immunität, die man mit dem AstraZeneca-Impfstoff ausgelöst hat, ohne Probleme mit einem mRNA-Impfstoff später noch einmal verstärken", sagte der Generalsekretär der Deutsche Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, der Zeitung "Augsburger Allgemeinen".

Dritte Impfung mit mRNA-Serum?

Spätestens ab dem vierten Quartal stünden mehr Impfdosen zur Verfügung, als für eine zweifache Impfung der Gesamtbevölkerung nötig wären, sagte der Dortmunder Medizinprofessor. "Es wäre deshalb kein Problem, eine dritte Impfung mit einem mRNA-Impfstoff nachzuholen." Dies könne ohnehin wegen der Varianten des Virus ratsam sein und immunologisch sei es "kein Problem".

Das Serum von AstraZeneca ist ein sogenannter Vektorimpfstoff und hat damit einen anderen Wirkmechanismus als mRNA-Impfstoffe. Zu letzteren zählen die Mittel von BioNTech und Pfizer sowie Moderna.

Regelmäßiges Impfen wird kommen

Virologen rechnen angesichts der Mutation des Coronavirus sowieso damit, dass sich Menschen künftig regelmäßig gegen Corona impfen lassen sollten. Im gemeinsamen ARD-Morgenmagazin erklärte der Virologe Martin Stürmer von der Uni Frankfurt: "Ich gehe mal davon aus, dass wir ein ähnliches Schema erleben werden, wie wir es von der klassischen Virus-Grippe kennen. Ich gehe auch davon aus, dass wir Mehrfach-Impfstoffe bekommen werden."

"AstraZeneca ist sicher und wirksam"

Immunmediziner Watzl kritisierte in der "Augsburger Allgemeinen" die auch aus Ärztekreisen angefeuerte Debatte um das Vakzin des Biopharmaunternehmens und warnte vor Impfskepsis: "Zu sagen, der AstraZeneca Impfstoff wäre zweitklassig, ist sowohl wissenschaftlich als auch von der öffentlichen Wirkung völlig daneben." Zuvor hatte bereits Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angesichts der Skepsis gegenüber dem Impfstoff von AstraZeneca eine Lanze für dessen Qualität gebrochen. Der Impfstoff sei "sicher und wirksam", sagte er.

107.000 Dosen verimpft

Insgesamt wurden laut Robert Koch-Institut (RKI) knapp 107.000 AstraZeneca-Dosen in Deutschland verimpft. Am Mittwoch waren von fast 740.000 an die Länder gelieferten Dosen knapp 90.000 verimpft worden.

Vor dem Hintergrund dieser Akzeptanzproblemen des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca hat Ärztepräsident Klaus Reinhardt an das medizinische Personal appelliert, sich mit dem Mittel impfen zu lassen. Das Vakzin schütze "nachweislich vor Ansteckung und es verringert das Risiko schwerer und tödlicher Verläufe", sagte der Präsident der Bundesärztekammer der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Deshalb rate ich allen impfberechtigten Beschäftigten in Kliniken und Praxen, die Möglichkeit für eine Corona-Schutzimpfung zu nutzen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Februar 2021 um 10:00 Uhr.