Ein Fläschchen mit fünf Milliliter Corona-Impfstoff von AstraZeneca. | AP

Beschluss der Gesundheitsminister AstraZeneca nur noch für Menschen ab 60

Stand: 30.03.2021 20:13 Uhr

Laut einem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern soll der Impfstoff von AstraZeneca nur noch für Personen ab 60 Jahren verwendet werden. Die Ständige Impfkommission hatte zuvor eine entsprechende Empfehlung abgegeben.

Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca soll nach einem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern nur noch für Personen ab 60 Jahren eingesetzt werden. Unter 60-Jährige sollen sich "nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung" weiterhin damit impfen lassen können, wie aus dem Beschluss hervorgeht, der dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt.

Dafür kann das Vakzin ab sofort bei allen Menschen über 60 eingesetzt werden, unabhängig von ihrer Prioritätsgruppe: "Den Ländern steht es frei, bereits jetzt auch die 60- bis 69-Jährigen für diesen Impfstoff mit in ihre Impfkampagne einzubeziehen", heißt es.

Die Ständige Impfkommission der Bundesregierung (STIKO) hatte zuvor ihre Altersempfehlung für das Vakzin geändert. Wie die Experten erklärten, geschehe dies "auf Basis der derzeit verfügbaren Daten zum Auftreten seltener, aber sehr schwerer thromboembolischer Nebenwirkungen" bei jüngeren Geimpften. Konkret geht es um 31 Fälle von Hirnvenenthrombosen, die im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen aufgetreten waren, vorwiegend bei Frauen unter 55.

Zweite Dosis mit BioNTech?

Zur Verabreichung der zweiten Dosis für Menschen unter 60 Jahren, die bereits eine erste Impfung mit AstraZeneca erhalten haben, will die STIKO bis Ende April eine ergänzende Empfehlung abgeben. Bis dahin sollten Studien ausgewertet werden, ob eine Zweitimpfung auch mit einem mRNA-Impfstoff wie etwa von BioNTech möglich ist.

Der Erlanger Virologe und STIKO-Mitglied Klaus Überla bezeichnete die Entscheidung gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland als richtig. Die vorliegenden Daten sprächen "für einen kausalen Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Auftreten von Hirnvenenthrombosen bei den Frauen - auch wenn das seltene Ereignisse sind", sagte er. Zugleich müsse das Risiko dieser Frauen betrachtet werden, schwere Covid-19-Erkrankungen durchzumachen. Es sei, wenn sie keine Vorerkrankungen hätten, moderat. "Insgesamt wäre es deshalb besser, diese Gruppe mit anderen Covid-19-Impfstoffen zu schützen", sagte Überla. Bei über 60-Jährigen überwiege hingegen "das Covid-19-Risiko bei weitem das Risiko der Hirnvenenthrombosen".

Zuvor hatten bereits die Bundesländer NRW, Berlin und Brandenburg die Impfungen mit AstraZeneca für unter 60-Jährige vorläufig ausgesetzt. Einen Stopp beschloss auch die Stadt München. Laut Impfquotenmonitoring des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden bislang etwa 2,7 Millionen Erstdosen und 767 Zweitdosen von AstraZeneca verimpft.

Bund-Länder Beratungen am Abend

Am Abend wollten Kanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer über den weiteren Umgang mit dem Impfstoff beraten. Das Bundespresseamt kündigte eine Pressekonferenz an - im Anschluss an ein "Informationsgespräch mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder zur weiteren Verwendung des Impfstoffs von AstraZeneca".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. März 2021 um 20:00 Uhr.