SWR-Intendant Kai Gniffke, ZDF-Intendant Thomas Bellut und WDR-Intendant Tom Buhrow (v.l.n.r.) | ARD/ZDF/Ralph Orlowski

Gemeinsames Streaming-Netzwerk ARD und ZDF verknüpfen Mediatheken

Stand: 21.06.2021 14:43 Uhr

ARD und ZDF starten eine Streaming-Offensive: Rund 250.000 Inhalte beider Sender sollen künftig in beiden Mediatheken abrufbar sein. Zuschauer behalten ihre gewohnten Apps - die Mediatheken werden nicht verschmolzen.

Von Daniel Bouhs, NDR

Bislang ist es so: Wer in der ZDF-Mediathek einen "Tatort" sucht, den verweist das ZDF auf das Angebot der ARD - und schickt die Nutzerin oder den Nutzer rüber. Genauso sieht es aus, wenn jemand in der ARD-Mediathek nach der "heute-show" sucht. Künftig legen die Sender im Hintergrund ihre Inhalte zusammen: Mehr als 250.000 Sendungen und Beiträge sollen direkt auf beiden Plattformen abrufbar sein.

Daniel Bouhs

"Unser Ziel ist wirklich alles verfügbar zu machen, das heißt, der volle Schatz an Inhalten, der ganze Kosmos soll erschlossen werden", sagt Benjamin Fischer vom SWR in Mainz. Dort ist die gemeinsame Mediathek der neun ARD-Anstalten angesiedelt. Fischer leitet die Redaktion ARD Online. Auf dem Mainzer Lerchenberg ist wiederum Eckart Gaddum zuständig für die Mediathek des ZDF. Zusammen mit seinem Kollegen von der ARD will er nun auch einen gemeinsamen Empfehlungsalgorithmus installieren, der ebenfalls auf alle Inhalte zugreifen soll.

"Wenn ich mich registriert habe bei ARD und ZDF, dann habe ich ein einheitliches Nutzerkonto", erklärt Gaddum. "Dann kann der Algorithmus, wenn jemand bei uns sucht, problemlos auch Dokumentationen der ARD generieren - und umgekehrt."

Registrierung nicht zwingend notwendig

Eine Anmeldung auf den Plattformen soll allerdings keine Voraussetzung für die Nutzung sein. Allerdings sollen sich Nutzerinnen und Nutzer mit einem Konto etwa auch persönliche Listen anlegen können - mit Inhalten beider Senderfamilien. Mit diesen Funktionen und ihrem "Streaming-Netzwerk" wollen sich die öffentlich-rechtlichen Sender nicht zuletzt besser im Wettbewerb mit Netflix & Co. aufstellen.

"Ich glaube, dass uns das noch mal einen Punch gibt, dass uns das Power gibt, ganz sicher", sagte der Vorsitzende der ARD, WDR-Intendant Tom Buhrow, bei der Vorstellung der Pläne in Mainz. Wenn "beide Welten" nebeneinander stünden, also etwa Reihen wie der "Ku’damm" vom ZDF neben "Babylon Berlin" von der ARD, dann sei das "bei der globalen Konkurrenz ein riesen Plus".

Entscheidung gegen Zusammenlegung

In der ARD, aber auch in der Medienpolitik war immer wieder auch die Idee aufgekommen, die öffentlich-rechtlichen Mediatheken komplett zusammenzulegen. Nun habe man sich dazu entschieden, lieber die Inhalte zu vernetzen, sagte Buhrow. Damit bekomme man "fast schon die Quadratur des Kreises" hin.

Einerseits werde die Eigenständigkeit und damit auch die redaktionelle Verantwortung der Mediatheken beider Programmfamilien gewahrt. Die müsse "auch presserechtlich gesichert werden." Andererseits würde allen, die in die Welt der Mediatheken von ARD und ZDF gehen wollten, eine "universelle Erfahrung" geboten.

ZDF-Intendant Thomas Bellut zeigte sich erleichtert. Er hatte sich stets gegen eine Zusammenlegung der Mediatheken ausgesprochen, auch damit das ZDF einen eigenständigen Auftritt behält. "Ich bin sehr beruhigt", sagte Bellut tagesschau.de am Rande der Pressekonferenz.

Nutzer behalten Plattformen, "die sie schon kennen"

Es sei ihm "immer um die Nutzerinnen und Nutzer" gegangen. Die hätten jetzt weiter "ihre Plattformen, die sie schon kennen". Dennoch werde nun der Erfolg von ARD und ZDF "auf eine beispielhafte Weise maximiert". Bellut sagte allerdings auch: Kosten gespart würden mit der Allianz "eher nicht".

Bis alle neuen Funktionen für beide Mediatheken entwickelt und eingebaut sind, soll es etwa zwei Jahre dauern. Die Verknüpfungen der Inhalte von ARD und ZDF soll bis dahin aber schon nach und nach sichtbar werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Juni 2021 um 14:00 Uhr.