Ärzte besprechen sich in einem Krankenhaus in Essen (Archivbild) | dpa

AOK-Studie Starker Rückgang bei Klinik-Fallzahlen

Stand: 05.04.2022 11:13 Uhr

Die Corona-Pandemie hat laut einer neuen AOK-Studie auch im vergangenen Jahr für einen Rückgang der Klinik-Belegungen gesorgt. Hohe Infektionszahlen sorgten demnach für Personalengpässe: Viele planbare Operationen mussten abgesagt werden.

Im vergangenen Jahr sind die Fallzahlen in den deutschen Krankenhäusern einer Studie zufolge ähnlich stark zurückgegangen wie 2020, dem ersten Jahr der Corona-Pandemie. Das teilte das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) mit.

Bei den somatischen Fällen war 2021 ein Rückgang von 14 Prozent gegenüber 2019 festzustellen. 2020 hatte das Minus bei den Patientenzahlen 13 Prozent betragen. "Ein erster, ganz aktueller Blick auf die Omikron-Welle zeigt, dass sich die Fallzahl-Einbrüche auch in diesem Jahr fortsetzen. So waren im Januar und Februar 2022 gegenüber 2019 Rückgänge von 22 Prozent bei den somatischen und von 14 Prozent bei den psychiatrischen Fällen zu verzeichnen", berichtete WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber.

Hohe Infektionszahlen und Personalengpässe

Klauber nannte als Hauptgrund für die aktuellen Einbrüche die hohen Corona-Infektionszahlen, die zu deutlichen Personalengpässen in den Krankenhäusern und in der Folge zur Absage von Behandlungen und Operationen führten. Anlass zur Sorge gäben die Entwicklungen im Bereich der Notfallversorgung: Beim Herzinfarkt wurden 2021 neun Prozent weniger stationäre Behandlungen registriert als 2019 - nach minus sieben Prozent im Jahr 2020. Die Zahl der Schlaganfall-Behandlungen lag 2021 um sieben Prozent niedriger als im Vergleichsjahr 2019 (2020: minus fünf Prozent).

Starker Rückgang bei planbaren Operationen

Auch seien in den Krankenhäusern pandemiebedingt deutlich weniger Darmspiegelungen gemacht worden. "Hier steht die Befürchtung im Raum, dass fehlende Diagnostik und spätere Behandlung zu mehr schweren Krebserkrankungen, höheren Tumorstadien bei der Erstdiagnostik und einer Erhöhung der Sterblichkeit führen", sagte Klauber. Das WIdO stellte außerdem einen starken Rückgang in den Kliniken bei planbaren Operationen fest, die auch ambulant vorgenommen werden könnten. "Insofern gab es im Zuge der Pandemie offenbar auch einen Abbau von Überversorgung", unterstrich Klauber. Eine vollständige Rückkehr zum Fallzahl-Niveau vor der Pandemie sei nicht sinnvoll.

Corona-Versorgung: Konzentration auf Uni-Kliniken

Bei der Versorgung der stationär behandelten Patientinnen und Patienten mit Covid-19 zeigte sich in den AOK-Daten eine Konzentration auf Universitätskliniken und Krankenhäuser der Maximalversorgung: Ein Viertel der Kliniken hat danach knapp zwei Drittel (62 Prozent) aller stationären Covid-19-Fälle behandelt.

Die Analyse der Krankenhausdaten von insgesamt rund 230.000 AOK-versicherten Covid-19-Erkrankten zeigt im bisherigen Verlauf der Corona-Pandemie eine Sterblichkeit der stationär behandelten Patientinnen und Patienten von 19 Prozent. Bei den Beatmeten liegt sie sogar bei 51 Prozent. Besonders hoch ist die Sterblichkeit in der Altersgruppe der über 80-Jährigen mit 76 Prozent. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin, Christian Karagiannidis, betonte, die Einführung der Impfungen sei das wichtigste Instrument im Kampf gegen Corona und zum Schutz der älteren Menschen vor einer schweren Erkrankung gewesen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. April 2022 um 12:00 Uhr.