Hakenkreuzschmiererei an einer Gedenkstätte Nordbahnhof in Berlin (Archivbild 2013) | Bildquelle: picture alliance / dpa

Bundesregierung nimmt Definition an Antisemitismus in zwei Sätzen

Stand: 20.09.2017 13:13 Uhr

Antisemitismus äußert sich auf unterschiedlichste Art und Weise. Nun hat die Bundesregierung eine Definition angenommen, die den Hass in einer festen Formulierung umschreibt. Die Definition soll etwa helfen, judenfeindliche Straftaten klarer zu erkennen.

Um gezielter gegen die verschiedenen Formen des Antisemitismus vorgehen zu können, hat die Bundesregierung eine einheitliche Definition des Begriffes angenommen. So sollen judenfeindliche Ansichten schneller erkannt und bekämpft werden können.

Die Definition wurde auf der Basis von Arbeiten der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken erarbeitet. Sie lautet:

"Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nicht-jüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum, sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen."

Die Definition soll aus Sicht der Bundesregierung auch im Schulunterricht oder in der Ausbildung von Berufen in der Justiz oder im Polizeidienst verwendet werden. So werde es etwa für Polizeibeamte einfacher, Straftaten einem antisemitischen Hintergrund zuzuordnen.

"Antisemitismus durchzieht die Gesellschaft"

"Wir Deutschen sind besonders wachsam, wenn Antisemitismus in unserem Land um sich zu greifen droht", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Das gebiete die Geschichte, "die uns für immer auf die schrecklichste Art bewusst gemacht hat, zu welchen Grausamkeiten der Antisemitismus führen kann".

Auch Bundesfamilienministerin Katarina Barley betonte bei einer Veranstaltung in Berlin, der Kampf gegen den Antisemitismus dürfe nicht nachlassen: "Antisemitismus durchzieht leider diese Gesellschaft." Er sei nie weg gewesen und gewinne sogar wieder an Gewicht. Die Definition hätten bislang nur Großbritannien und Österreich angenommen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßte die Entscheidung des Bundestags. Das Gremium sieht in der Definition einen wichtigen Schritt, um gegen Judenfeindlichkeit vorzugehen.

Bundesregierung nimmt einheitliche Antisemitismus-Definition an
A. Müller, ARD Berlin
20.09.2017 15:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. September 2017 um 13:49 Uhr.

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