Männer mit Kippa | Bildquelle: dpa

Straftaten gegen Juden Neues Gremium gegen Antisemitismus

Stand: 31.07.2019 12:30 Uhr

Die Zahl antisemitischer Straftaten ist laut Kriminalstatistik zuletzt gestiegen. Die Bundesregierung will diesem Juden-feindlichen Klima mit einem neuen Gremium begegnen. Acht Mitglieder wurden berufen.

Die Bundesregierung hat ein Beratungsgremium mit acht Mitgliedern zum Kampf gegen Antisemitismus berufen. Diese sollen den Beauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, unterstützen. Einen entsprechenden Beschluss habe das Kabinett gefasst, teilte das Bundesinnenministerium mit. Grundlage ist ein Bundestagsbeschluss von Januar 2018.

Mehrere Treffen im Jahr

Die Mitglieder üben ihre Aufgabe ehrenamtlich aus und sollen sich zwei bis drei Mal im Jahr treffen. Mit dabei sind unter anderen Marina Chernivsky von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, der Antidiskriminierungsbeauftragte für die Berliner Schulen, Denis Hizarci, der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Volkhard Knigge, und Barbara Traub, Vorstandsvorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Württemberg.

"Die berufenen Mitglieder zeichnen sich durch langjähriges Engagement gegen Antisemitismus aus, bringen Kenntnisse im Bereich der Forschung, der Bildungs- und Gedenkstättenarbeit mit und engagieren sich seit langem für jüdisches Leben in Deutschland", erklärte Klein.

Felix Klein | Bildquelle: dpa
galerie

Felix Klein warnte nach Übergriffen vor dem Tragen der Kippa.

Kleins Kippa-Warnung

Klein hatte vor wenigen Wochen mit seiner Warnung vor dem Tragen der Kippa in Deutschland heftige Reaktionen ausgelöst. Unter anderem hatte sich Israels Präsident Reuven Rivlin entsetzt gezeigt und eine "Kapitulation vor dem Antisemitismus" angeprangert.  Klein hatte gesagt, er könne Juden nicht mehr jederzeit und an jedem Ort das Tragen der Kippa in Deutschland empfehlen.

Klein verteidigte sich gegen Kritik und verwies auf die Statistik der politisch motivierten Straftaten 2018, in der ein starker Anstieg antisemitischer Delikte um fast 20 Prozent festgestellt worden sei. 

Vorfälle in Berlin

Zuletzt war der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Yehuda Teichtal, in Begleitung seiner Kinder auf offener Straße beschimpft und bespuckt worden. Der Vorfall habe sich bereits am vergangenen Wochenende zugetragen. Die beiden Männer, die Teichtal attackierten, sollen Arabisch gesprochen haben. Der Staatsschutz ermittelt und die Polizei versicherte, dass die Behörde "mit aller Konsequenz" gegen religiös motivierte Straftaten vorgehe.

Ebenfalls in Berlin war vor wenigen Tagen ein 25-Jähriger angegriffen und beleidigt worden. Er trug eine Kippa mit Davidstern. Beamte der Bundespolizei hätten nach dem Vorfall am Samstag als mutmaßlichen Täter einen syrischen Staatsangehörigen ermittelt, berichtete die Polizei. Ermittelt werde gegen ihn wegen Volksverhetzung.

Laut Rabbiner Teichtal haben die Aggressionen gegen Juden sowohl auf den Schulhöfen als auch auf den Straßen Berlins ein "Eigenleben" entwickelt. Allerdings sei er weiterhin davon überzeugt, dass die meisten Menschen in Berlin diese Aggression gegen Juden als traurigen Bestandteil des jüdischen Alltags nicht hinnehmen wollen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Juli 2019 um 12:00 Uhr.

Darstellung: