Der Komiker und Fernsehmoderator Abdelkarim, rechts, spricht mit einem Polizisten, nachdem ein Fernsehteam, zu dem er gehörte, am Freitag, dem 1. Mai 2020, in Berlin am Rande eines illegalen Protests angegriffen worden war. | Bildquelle: AP

Überfall am 1. Mai Polizei sucht Angreifer auf ZDF-Team

Stand: 04.05.2020 13:46 Uhr

Im Fall der Attacke auf das Kamerateam der ZDF-"heute-show" sucht der Staatsschutz weiter nach Tätern und Motiv. Zu den sechs zwischenzeitlich Festgenommen sind erste Erkenntnisse nach außen gedrungen.

Drei Tage nach dem brutalen Überfall auf ein ZDF-Kamerateam in Berlin fahndet die Kriminalpolizei weiter nach den Tätern. Auch die Suche nach dem Motiv ist Gegenstand der Ermittlungen. Die Untersuchung führt weiterhin der Staatsschutz des Berliner Landeskriminalamtes (LKA). Nach bisherigen Erkenntnissen gehen die Ermittler davon aus, dass die Täter dem linken Spektrum zuzuordnen sind.

Das siebenköpfige ZDF-Team der Satiresendung "heute-show" hatte am Freitag bei einer Demonstration gegen die Corona-Regeln gefilmt. Danach wurde es nach Einschätzung der Polizei von mindestens 15 Menschen angegriffen. Das gehe aus Schilderungen von Zeugen der Tat hervor, sagte ein Sprecher der Bundespolizeidirektion Berlin gestern. Was vor dem Angriff vorgefallen ist, sei unklar.

Ein Festgenommener als "Gewalttäter" bekannt

Der Redakteur, der Kameramann und der Kameraassistent sowie drei private Wachleute wurden verletzt und im Krankenhaus behandelt. Der Satiriker Abdelkarim blieb unverletzt. Die Polizei nahm sechs Verdächtige fest. Sie kamen nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß. Mindestens zwei von ihnen stehen weiter unter Verdacht. Zu drei der sechs zunächst Festgenommenen lagen laut Polizei "Erkenntnisse im Bereich der politisch motivierten Kriminalität links" vor.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, eine der polizeilich bekannten Personen sei seit 2015 als "Gewalttäter" aus dem linken Spektrum bekannt. Nach Informationenen der Nachrichtenagentur dpa leben vier von ihnen in Berlin, zwei haben ihren Wohnsitz in Baden-Württemberg.

Regierungssprecher verurteilt Angriffe auf Presse

Nach Innenminister Horst Seehofer hat auch Regierungssprecher Steffen Seibert Angriffe auf Journalisten wie im ZDF-Fall noch einmal scharf verurteilt. "Wer Journalisten angreift, bedroht, verletzt, der steht weit außerhalb unserer demokratischen Ordnung", sagte Seibert in Berlin. Es gebe immer mehr Fälle, in denen die Arbeit von Journalisten sprichwörtlich mit den Füßen getreten werde; das sei eine sehr bedauerliche Entwicklung. "Die Pressefreiheit braucht Journalisten, die unbedrängt arbeiten können, und sie braucht uns alle, die Bürger, die diesen besonderen Pfeiler der Demokratie stützen", betonte Seibert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Mai 2020 um 20:00 Uhr.

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