Alexander Gerst spricht vor Journalisten | Bildquelle: dpa

Weltraumforscher "Astro-Alex" Aus Science-Fiction sollen Fakten werden

Stand: 17.04.2018 16:14 Uhr

Vor seinem zweiten Flug zur ISS hat deren künftiger Kommandant Gerst die Bedeutung der Weltraumforschung hervorgehoben. Es gehe um Erkenntnisse, die auch auf der Erde vorn Nutzen seien.

Von Antraud Cordes-Strehle, WDR

Es ist Alexander Gersts letzte Pressekonferenz hierzulande, bevor er zu seinem zweiten Langzeitaufenthalt im All Richtung Internationale Raumstation ISS startet. Bei seinem Auftritt im Europäischen Astronautenzentrum der ESA in Köln wirkt der 42-Jährige entspannt, locker und charmant wie eh und je - "Astro-Alex" wie man ihn kennt. Seine Augen leuchten voller Vorfreude.

"Das ist mein zweiter Flug", sagt Gerst. "Ich brauche mir keine Sorgen zu machen, ob ich das überhaupt schaffe oder nicht. Ich weiß, ich kriege das irgendwie hin." Als Astronaut sei seine größte Sorge vor dem Start, "dass noch irgendwas dazwischen kommt, man sich ein Bein bricht oder ein technisches oder politisches Problem auftritt". Doch je näher der Starttermin rücke, desto weniger könne noch dazwischen kommen.

Astronaut Gerst vor ISS-Mission
tagesthemen 21:35 Uhr , 17.04.2018, Antraud Cordes-Strehle, WDR

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Rund 80 Experimente

Eigentlich war Gersts Start zur ISS schon für Ende April geplant. Er wurde jedoch verschoben, damit der japanische Astronaut, der sich derzeit an Bord der Raumstation befindet, mehr Zeit zum Forschen bekommt. Da Gersts Rückkehr zur Erde wohl nicht verschoben wird, verliert er somit sechs Wochen im All. Er wird seine Aufgaben also zügig durchführen müssen.

Gerst führte die geplanten Experimente schon unzählige Male auf der Erdoberfläche durch - als Training fürs All. Jeder Handgriff muss sitzen, muss Routine werden, denn an Bord der Raumstation dürfen keine Fehler passieren.

Alexander Gerst spricht vor Journalisten | Bildquelle: SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX/Shu
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Alexander Gerst im Europäischen Astronautenzentrum der ESA in Köln. Ins All wird er als Co-Pilot fliegen. Dort wird er später das Kommando der ISS übernehmen.

Materialwissenschaft, Biologie - und Sport treiben

"Beim zweiten Mal ist das Trainieren der Abläufe einfacher", sagt Gerst. "Man weiß, worauf man sich fokussieren muss und was man 'abhaken' kann." Er werde unter anderem Versuche im Bereich der Materialwissenschaft durchführen. Zum Beispiel will er Verfahren zum Schmelzen von Metall in einem Spezialofen untersuchen. Im Bereich Biologie wird sich Gerst mit der Genaktivität von Immunzellen befassen.

Bei seinen täglichen Sporteinheiten an Bord wird er speziell entwickelte Funktionsbekleidung testen. "In der Schwerelosigkeit kommt es beim Training schnell zu einem Hitzestau. Die Körpertemperatur kann dabei auf über 39 Grad steigen", sagt Gerst. In der Raumstation soll geprüft werden, ob die neue Funktionskleidung für einen besseren Wärmeaustausch an der Körperoberfläche sorgt. Das Ergebnis könnte dann auch auf der Erde von Nutzen sein. "Weltraumfahrt ist nicht etwas, das wir uns leisten, weil es schön ist. Sie macht Sinn, weil wir Neues erfahren", sagt Gerst. Es gehe um Erkenntnisse, "die wir zukünftig auch auf der Erde nutzen können". Aus Science-Fiction sollen Science-Fakten werden.

Als erster Deutscher Kommandant der ISS

Bei seiner zweiten Mission, die den Namen "Horizons" trägt, wird der Geoforscher weit mehr Verantwortung tragen als zuvor. Wie der Serien-Held seiner Kindheit "Captain Future", der Zeichentrick-Kapitän des Forschungsraumschiffs "Comet", übernimmt Gerst für rund drei Monate das Amt des Kommandanten auf der Raumstation.

Es ist das erste Mal, dass ein Deutscher diesen Posten übernimmt. "Das ist natürlich eine Riesenehre, dass ich diese Rolle übernehmen darf." Dass er als Kommandant auch eine große Verantwortung trägt, schreckt ihn nicht. "Ich hatte schon im Training eine größere Verantwortung", sagt Gerst. "Bei meiner ersten Mission 'Blue Dot' musste ich nur sicher stellen, dass ich fit für die ISS werde. Jetzt musste ich auch auf meine Crew achten und schauen, was sie braucht."

An Bord der ISS muss Gerst als Kommandant auch für gute Stimmung im Team der Astronauten sorgen. "Die oben zu halten, fängt beim Essen an", sagt er. Gerst werde seine Kollegen mit extra entwickelten Speisen aus seiner baden-württembergischen Heimat verwöhnen: Käsespätzle mit Linsen und Saitenwürstchen, Maultaschen mit Spinat kommen in Dosen mit an Bord.

Alexander Gerst spricht vor Journalisten | Bildquelle: SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX/Shu
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"Weltraumfahrt ist nicht etwas, das wir uns leisten, weil es schön ist. Sie macht Sinn, weil wir Neues erfahren", sagt Gerst.

Als Co-Pilot ins All

Bereits beim Start am 6. Juni wird Gerst mit einer weiteren neuen Rolle betraut. Zusammen mit der US-Astronautin Serena Aunón-Chancellor und dem russischen Kosmonauten Sergej Prokopjew wird er sich in die enge Kabine im Sojus-Raumschiff zwängen und auf dem linken Platz sitzen. Das ist der Sitz des Co-Piloten. Allein für die Theorie büffelte Gerst ein Jahr lang. "Ich muss das Ding zur Not auch alleine fliegen", sagt er.

Es war vielleicht der wichtigste Teil seiner Ausbildung. Das Flugtraining hat er im Kosmonautenzentrum in Swjosdny Gorodok - zu deutsch "Sternenstädtchen" - nordöstlich von Moskau absolviert. "Die Ausbilder haben sich jedes nur mögliche fiese Szenario fürs Training einfallen lassen", sagt Gerst. Zum Beispiel habe er mit Fehlern des Bordcomputers umgehen müssen, mit auslaufendem Treibstoff, mit Feuer an Bord. Manchmal auch mit allem gleichzeitig - solange, bis jeder Handgriff saß.

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An Bord der ISS will Gerst als Kommandant auch für gute Stimmung im Team sorgen - mit Käsespätzle, Linsen und Saitenwürstchen sowie Maultaschen mit Spinat.

16 Tage vor Start in Quarantäne

Gerst brennt geradezu darauf, all das Erlernte anzuwenden. Das ist ihm anzumerken. Die verbleibenden Wochen wird er im russischen Kosmonautenzentrum verbringen. Etwa 16 Tage vor dem Start wird er auf dem Raketenbahnhof in Baikonur in Kasachstan in Quarantäne gehen. Von dort aus startet die Mission.

Von Gersts lockerem Auftreten in Köln darf man sich jedoch nicht täuschen lassen. Er sei natürlich aufgeregt, sagt er, denn immer noch könne etwas passieren. "Beim Start, so meine Erfahrung, ist man dann fast ruhig. Und natürlich hochkonzentriert."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. April 2018 um 12:00 Uhr.

Korrespondentin

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