Annegret Kramp-Karrenbauer | Bildquelle: dpa

CDU-Führung Die Chefin bittet zum Einzelgespräch

Stand: 18.02.2020 07:33 Uhr

Merz, Laschet und Spahn gelten als die einzigen ernst zu nehmenden Kandidaten für die CDU-Spitze. Was kann die scheidende Chefin erreichen mit ihren Vorgesprächen? Und kann sie die Situation steuern?

Von Alfred Schmit, ARD-Hauptstadtstudio

Es wird eine Art Schaulaufen im Geheimen, wenn die drei Hauptkandidaten mit der scheidenden Chefin in Einzelgespräche gehen. Denn bislang gibt es keine Pläne dafür, was nach außen dringen wird von diesen Gesprächen. Klar, es wird um Zeitpläne gehen, um Taktik, und möglicherweise schon um inhaltliche Positionen. Alle dürfen spekulieren, wer für welche Politik steht. Wie wirtschaftsfreundlich ist Friedrich Merz? Wie sozialliberal ist Armin Laschet? Wie progressiv ist Jens Spahn?

Der Berliner Politikberater Frank Stauss meint, dass bislang kaum klar ist, welcher Kandidat für welche Politik steht: "Bisher reden wir eigentlich eher über Inhaltsvermutungen als über tatsächliche Inhalte: Herr Laschet gilt als eher liberal, pro-europäisch, er versucht, sich ein progressiveres Image zu geben - was er in NRW auch braucht, um dort wiedergewählt zu werden."

Und die anderen beiden? "Herr Merz gilt eher als traditioneller Konservativer, bei Herrn Spahn weiß man es nicht. Er hat mal sehr stark rechts geblinkt, jetzt versucht er gerade wieder, in die Mitte zu rudern."

"Den Prozess von vorne führen"

Kramp-Karrenbauer wirkte fast schon entspannt und gelöst, als sie vergangene Woche ankündigte, worauf sie verzichtet. Die Auswahl ihrer Nachfolge will sie aktiv mitgestalten - "führen", wie sie sagte: "Ich werde mich nicht um eine Kanzlerkandidatur bewerben. Ich führe den Prozess, um zu einem Kanzlerkandidaten oder einer Kanzlerkandidatin der CDU, der Union gemeinsam zu kommen, weiter von vorne."

Damit wollte sie Führungsstärke zeigen. Politikberater Stauss bezweifelt, dass ihr das gelingt: "Sie hat sich ja selbst schon aus dem Rennen genommen und ist eine Parteivorsitzende auf Abruf. Im amerikanischen würde man sagen eine 'lame duck', also jemand, der schon angekündigt hat, zurückzutreten und dies nur noch nicht vollzogen hat."

Insofern geht Stauss davon aus, dass "die drei Herren, mit denen sie ja ausführliche Gespräche führt, dies nett und höflich über sich ergehen lassen werden." Aber faktisch führen könne Kramp-Karrenbauer im Moment überhaupt nicht mehr.

Zeitplan ist nicht zu halten

Die Noch-Parteichefin kommt um ein paar unangenehme Wahrheiten nicht herum: Ihr Zeitplan ist nicht zu halten. Ein Sonderparteitag könnte nötig werden. Und: Alle drei Kandidaten werden das gleiche Problem haben wie die jetzige Chefin: Sie müssen sich profilieren gegen eine starke Kanzlerin Angela Merkel, die Spitzenwerte in Umfragen genießt.

Niemand will sie verjagen, niemand glaubt im Moment, dass sie deutlich früher gehen will: "Frau Merkel hat ein sehr hohes Pflichtbewusstsein, ich würde das auch nicht unbedingt als eine Art von 'Kleben am Stuhl' bezeichnen. Ich glaube tatsächlich, dass sie ein hohes Pflichtbewusstsein hat und ihr im Moment der Rückzug eher schwer gemacht wird."

Merkel habe ja versucht, über den Weg mit Kramp-Karrenbauer eine Lösung zu finden. Auch da sei sie - aus ihrer Sicht zumindest - enttäuscht worden. Letztendlich sei entscheidend, wie sich die CDU, aber auch die CSU positioniert, sagt Stauss. "Wir dürfen ja nicht vergessen, dass Markus Söder bereits angemeldet hat, zumindest bei der K-Frage ein Wörtchen mitreden zu wollen."

Eine Menge offener Fragen

Auch der Umstand, dass alle drei Kandidaten Männer aus Nordrhein-Westfalen sind, könnte noch zum Problem werden. Zumal das ebenfalls gilt für den Generalsekretär und den Fraktionschef im Bundestag. Kramp-Karrenbauer hat sich durch ihren Verzicht vielleicht selbst von einer Bürde befreit. Ihre Partei allerdings steht vor einer Menge offener Fragen.

AKK und die drei Kandidaten: Beginn der Einzelgespräche
Alfred Schmit, ARD Berlin
18.02.2020 05:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Februar 2020 um 06:08 Uhr.

Korrespondent

Alfred Schmit | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo SWR

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