Ein Landwirt fährt zum Ernteauftakt in Sachsen mit dem Mähdrescher über ein Gerstenfeld und erntet Getreide. | dpa

Gemeinsamer Appell Bauern und Umweltschützer wollen Kurswechsel

Stand: 12.10.2021 17:06 Uhr

Mitten in den Sondierungsgesprächen fordern zehn Agrar- und Umweltverbände von der neuen Regierung einen ökonomischen und ökologischen Kurswechsel in Deutschland. Dafür wollen sie an einem Strang ziehen.

Von André Seifert, ARD-Hauptstadtstudio

Mehr Tierschutz, mehr Diversität, weniger Massenproduktion - dafür mehr Qualität und Nachhaltigkeit: So soll sich die Landwirtschaft in der Bundesrepublik künftig aufstellen, wie zehn Agrar- und Umweltverbände fordern. Mit einem gemeinsamen Appell haben sie sich nun in die Sondierungen für eine Regierungskoalition eingeschaltet.

Der Vize-Präsident des Deutschen Bauernverbands, Werner Schwarz, sagte, die neue Bundesregierung müsse in der kommenden Legislatur darauf hinarbeiten, diese Vorgaben einzuleiten. Das werde "nicht schlagartig umsetzbar sein", sagte Schwarz. Aber es komme darauf an, das rechtzeitig einzuleiten, damit die Landwirte und die Gesellschaft sähen, "dass sich dort etwas bewegt und wir vorankommen wollen".

Bauernverband spricht von einer Revolution

Der Bauernverband spricht von einer ökologischen und ökonomischen Revolution. Nie zuvor habe es einen so deutlichen, gemeinsam mit Umweltverbänden formulierten Appell für ein Umlenken in der Agrarpolitik gegeben. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft, die Deutsche Landjugend, der Naturschutzbund und der Tierschutzbund.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat sich angeschlossen. Nur der gemeinsame Weg werde dazu führen, die Herausforderungen zu meistern, sagte Myriam Rapior von der Jugendorganisation BUNDjugend.

Bericht der Zukunftskommission soll umgesetzt werden

Der gemeinsame Appell hat einen Hintergrund: Bereits Ende Juni hatte die "Zukunftskommission Landwirtschaft" ihren Abschlussbericht vorgelegt - ein Gremium aus Wissenschaftlern sowie Agrar- und Umweltverbänden, das von der Bundesregierung eingesetzt worden war. Die Kommission sprach sich für grundlegende Veränderungen aus - etwa, um kleinere Bauernhöfe zu retten und sozial Schwache angesichts teurer werdender Lebensmittel unterstützen können.

Dieser Bericht müsse nun in den Sondierungsgesprächen aufgegriffen und später in Gänze umgesetzt werden, fordern die Agrar- und Umweltverbände.

Foodwatch kritisiert Vorschläge als unzureichend

"Wir hatten gar keine andere Chance - damit Dinge sich bewegen", sagt Bauernverbands-Chef Schwarz. "Wenn wir über Tierhaltung sprechen, wollen wir darauf achten, wie in Zukunft das Konsumverhalten ist und danach unsere Tierhaltung ausrichten."

Kritik kam von den Verbraucherschützern von Foodwatch. Die Vorschläge seien unzureichend, insbesondere beim Klima- und Tierschutz.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 12. Oktober 2021 um 17:50 Uhr.